, aber gelassen . Keiner von ihnen sah Anna wieder . Otto ließ Auguste rufen , um ihn zu befragen . Sie hatte sich erholt ; in Leontinens sorgender Obhut wußten die Freunde die theure Frau geborgen . Persönlich ihr zu nahen , vermieden sie ohne alle Erklärung , um keinen Schein des Einverständnisses ihr aufzubürden . Mehre Stunden vergingen in dieser Spannung . Gotthard benutzte sie , um auf den Fall eines Duells im Voraus alles Nöthige zu ordnen ; er schrieb fortwährend , doch wie es beiden Freunden vorkam , nur in Staats- und geschäftlichen Angelegenheiten . Annen schrieb er nicht . Gegen Abend kam endlich die erwartete Ausforderung . Kronberg war mit dem Grafen Viatti in ein nicht allzuweit entlegenes Städtchen gefahren , von wo aus er den Kutscher mit dem Briefe zurückgesandt hatte . Die Ausforderung lautete auf den nächsten Morgen , als Ort der Zusammenkunft war ein Wäldchen zwischen Brandenburg und dem besagten Städtchen angegeben ; das Billet selbst war in sehr gemessenen Ausdrücken an Gotthard gerichtet . Ich wünsche , sagte dieser , daß es uns gelingen möchte , dem unvermeidlichen Duell eine scheinbare , dem wahren Anlaß fremde , Ursache zu geben , auf keinen Fall können wir auf eine gänzliche Verheimlichung desselben rechnen . Im Uebrigen stehe ich dem Herrn Grafen ganz unbedingt zu Befehl . Er antwortete in wenigen Zeilen . St. Luce und Gotthard beabsichtigten , in einer Stunde zu fahren ; Otto war im Augenblicke , da er des Grafen Aufenthaltsort vom Kutscher erfragt , vorausgeritten , er wollte ihnen zuvorkommen . Er ließ sich bei Kronberg melden und ward sogleich angenommen . Zu seinem Erstaunen fand er Roderich in einer ganz unerklärlichen , selbst durch das Vorgefallene in dieser Weise nicht zu motivirenden Stimmung ; seine Aufregung , die krampfhafte , fast fieberartige Rastlosigkeit , die ihm nicht einen Augenblick auf einer Stelle zu bleiben gestattete , das mit gänzlicher Erschöpfung wechselnde , hörbar heftige Schlagen seines Herzens , die fliegende Röthe seines Gesichts waren nicht natürlich ; er kam Otto krank vor , was er aber , zornig auffahrend , leugnete . Nach Otto ' s Ueberzeugung konnte der Graf in seinem Innern Anna ' s äußere sinnliche Treue unmöglich bezweifeln , über ihre Neigung zu Gotthard aber mußte er seit Jahren im Klaren sein . Hierauf gründete er seine Hoffnung , die Sache beizulegen , er und St. Luce betrachteten das Duell als durch Viatti ' s Anwesenheit herbeigeführt , den der Zufall zum unwillkürlichen Zeugen des ganzen Auftritts gemacht . Sehr anders erschien der Fall den Hauptinteressenten . Kronberg war fest entschlossen , Gotthard zum Krüppel zu schießen , oder ihm seine Kugel durch ' s Herz zu jagen . Gotthard hatte mit sich selbst abgeschlossen und war fertig mit Allem ; er hatte eben so fest sich vorgenommen , unter keiner Bedingung auf den Grafen zu feuern . Beiden war auf diese Weise , wie bisher , noch ferner fortzuleben , unmöglich geworden . Otto bat Kronberg , noch einmal ohne Zeugen ihn sprechen zu dürfen , ehe Gotthards Antwort durch den rückreitenden Diener anlange , die ohnehin durch seine Anwesenheit als gegeben zu betrachten sei . Kronberg versprach , ihn ruhig zu hören , blieb aber in einem unstäten Auf- und Niedergehen im Saale . Otto erzählte nun von Duguets Brief , von dem Eindrucke , den derselbe auf ihn gemacht , und von seiner augenblicklichen Abreise von Basel , um Annen beizustehen in dieser Trennung ihrer Ehe , die auch ihm einer gerichtlichen Scheidung gleich geschienen . Sie wissen , sagte er weich , daß Anna meine Schwester ist , nur glichen wir von jeher den Dioskuren , sie gehört den himmlischen an , ich der Mutter Erde . Und weiter malte er mit naturtreuen Farben ihr stilles Leben in Brandenburg aus , der Marquise Ankunft , Egons und Josephs Liebe zu Beiden und die sich an der freundlichen Gegenwart mildernde Stimmung Aller . Annens Unkenntniß jeder späteren Wendung in Gotthards Geschick trat in all ' diesen Einzelnheiten deutlich hervor ; in Otto ' s ganz einfacher Rede lag eine durchgreifend wirkende Wahrheit . Das ganz Unvermuthete der Ankunft Gotthards schien den Grafen stutzig zu machen ; er blickte Otto mit durchbohrender Gewalt in ' s Gesicht . Können Sie , schloß dieser fest und scharf , auf den Fall eines unglücklichen Ausganges dieses Zweikampfs eine mögliche Form des Lebens der beklagenswerthen Gräfin sich denken ? Welche Stellung bleibt der mit einem Mal durch diese Oeffentlichkeit Preisgegebenen vor der Welt ? - Uns Protestanten beut kein Kloster eine schirmende Zuflucht ; die harte , schwere , ihre Kräfte weit überwiegende Last wird erbarmungslos auf die zarten Schultern geladen und sie muß sie vor Aller Augen mit sich bis zum Grabe tragen . Und was gewinnen Sie selbst ? Wild auflachend , unterbrach ihn Roderich . Junger Freund , haben Sie nie Ihr Herz an einen Irrthum gehängt ? Was ich gewinne ? Im Fall meines Todes die Gewißheit , daß , die mich getäuscht , betrogen , verrathen hat , über meinem Sarge kein Asyl des Glückes sich erbaut ; im Gegenfall , daß ich nicht mehr dieselbe Luft mit dem Verhaßten athme ? - Erschreckt hielt er ein : er hatte den Abgrund seiner langen Seelenqual verrathen ! Erstarrt blickte ihn Otto an . Entsetzlich ! rief er aus . Ein kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn , auf jeden Fall war Anna ' s Ruhe verloren - und auf immer ! Wen auch der Schuß des Gegners treffe , jedenfalls traf er ihre ganze Erdenzukunft . Eben hielt der Wagen , die beiden Herren langten an . Gotthard sah ruhig aus . Er näherte sich höflich dem Grafen und bat ihn um eine Gunst . Kronberg verbeugte sich . In gewählten , sehr sorgfältig überlegten Worten erklärte Gotthard : er sei überzeugt , daß in Beider Brust der Wunsch , der Gräfin Ruf ihren Kindern makellos zu erhalten ,