, daß er frei von den Vorurtheilen sei , durch die , wie er allmälig von Jenny erfuhr , auch sie und die Ihrigen so empfindlich gelitten hatten . Er machte sich es zu einer Ehre , überall ihr Begleiter zu sein , und erklärte frei und offen , wie er ihre und ihres Vaters Gesellschaft dem Umgang mit vielen seiner Standesgenossen vorziehe . Dabei ging Walter ' s Selbsttäuschung so weit , daß er jenes Gefühl , welches ihn zu handeln antrieb , nur für eine Gerechtigkeit , für eine Genugthuung des freien Glücklichen gegen den Unterdrückten hielt . Er glaubte nur seiner politischen Ueberzeugung , seiner Achtung vor den Menschenrechten zu folgen , die ritterliche Pflicht eines Edelmannes zu erfüllen , indem er durch sein Beispiel gegen ungerechte Vorurtheile kämpfte . Einem Onkel , der durch Bekannte von Walter ' s Verhältniß zur Meierschen Familie unterrichtet war und mit einiger Unruhe desselben gegen ihn erwähnte , schrieb er in dieser Zeit : » Sie haben mich gewöhnt , mein theurer Onkel ! die Besorgnisse und Vorwürfe zu verstehen , die Ihre schonende Liebe für mich zwischen die Linien schreibt , um mir jede unangenehme Empfindung zu ersparen . So lese ich hinter dem wohlwollenden Rath , in die Heimath zurückzukehren und nicht wieder so gar lange von meinen Besitzungen fern zu bleiben , die Besorgniß , ich könnte nicht allein in diese Heimath einziehen , sondern eine Gattin mit mir bringen , die Ihnen , dem ehemaligen Vormund , dem väterlichen Freunde , nicht willkommen wäre , so gern Sie mich übrigens verheirathet und unser altes Geschlecht fortgepflanzt wüßten . Fürchten Sie nichts ! Meine Freundschaft für den Kaufmann Meier und für seine Tochter ist allerdings eine lebhafte und , wie ich denke , dauernde ; indeß ist mir der Gedanke , dieses treffliche Mädchen zu heirathen , vollkommen fremd . Sie wissen , und ich glaube das fürchten Sie gerade , daß kein Vorurtheil mich abhalten könnte , ein bürgerliches Mädchen , das ich liebte , zur Gräfin Walter zu machen : doch ich liebe Jenny Meier nicht , so sehr ich mich ihrer Freundschaft , ihres Umganges erfreue . Es ist wahr , sie ist schön und liebenswürdig in hohem Grade , aber eine gewisse Jugendlichkeit , das weiblich Weiche fehlt ihr , das man an Mädchen ungern vermißt . Sie weiß mit Sicherheit , daß sie gefällt , es ist ihr lieb , ohne daß sie Anspruch darauf macht ; und sie würde , wie mich dünkt , nicht das Geringste dazu thun , die Meinung oder Gunst eines Mannes zu erwerben . Gefällt sie , ist ' s ihr recht , wenn nicht , so gilt ' s ihr gleich . Gestehen Sie , das ist eigentlich nicht die Art , welche wir an einem Mädchen lieben . Es liegt etwas Männliches darin , das interessant ist , das den Umgang sehr erleichtert , unser Vertrauen , unsere Freundschaft erweckt , aber Liebe erzeugt es nicht . Ich traf mit dieser Familie ganz zufällig durch die Vermittlung eines gemeinsamen Freundes zusammen und nahm mit Dank das Erbieten desselben an , seine und ihre Wohnung zu theilen . Dies veranlaßte vermuthlich jenes Gerücht meiner Verlobung mit einer Jüdin , das Sie erschreckt hat . Für diesmal , das sehen Sie , sind Sie der Sorge ledig , mich eine Heirath schließen zu sehen , die so stark gegen Ihre aristokratischen Ansichten verstoßen würde . Was die Zukunft bringt , dafür kann ich nicht einstehen . Doch ohne Scherz ! Sie wissen , wie ich darüber urtheile , und habe ich je den Beruf gefühlt , mit allen Waffen kämpfend gegen Vorurtheile aufzutreten , so war es nach manchen Mittheilungen , die mir Fräulein Meier über ihre Jugend und die Verhältnisse ihres Bruders machte , der auch Ihnen dem Namen nach bekannt sein muß . Jene Vorurtheile , das sind die Drachen unserer Tage , die zu vertilgen , Ritterpflicht wäre ; und so viel an mir ist , will ich beweisen , daß ich noch ein Ritter bin , wie jener St. Georg , der den Lindwurm tödtete . Es würde Sie selbst ergreifen , wenn Sie Jenny mit Stolz von dem Unglück sprechen hörten , das sie mit Tausenden theilt und für Alle empfindet ; denn obgleich sie lange zum Christenthum übergetreten , ist sie von Grund der Seele Jüdin geblieben . Sie gesteht das frei und es macht sie mir um so interessanter , wie denn ihr ganzes Wesen mir eine neue Erscheinung , ein Räthsel ist , das mich anmuthig beschäftigt . In ihr vereinen sich der Geist und der Muth eines Mannes mit einem Frauenherzen , und es überrascht mich oft , daß doch zuletzt , trotz aller männlichen Klarheit , irgend eine liebenswürdige weibliche Schwäche oder ein lebhaftes Gefühl den Sieg über all ihren Verstand erringen . Sie sehen aus der Weise , in der ich ruhig ihren Charakter zu zergliedern vermag , daß mein Herz ganz frei ist . Selbst der geübteste Anatom vermöchte das nicht , wenn das Klopfen des Herzens ihm die Hand unsicher macht , wie viel weniger ich . Also unbesorgt , mein väterlicher Freund ! Finden Sie mir in unsern Kreisen eine liebenswürdige Gattin und ich will mich nicht länger sträuben , mir Ketten anlegen zu lassen , die sehr beglückend sein können , wie ich hier an meinem Freunde und seiner schönen Frau bemerke . « Tage und Wochen schwanden auf die anmuthigste Weise dahin . Walter überließ sich immer mehr dem steigenden Interesse , das ihn an Jenny fesselte und ihm ihren Umgang zu einem Bedürfniß machte , auf das er nicht mehr wohl verzichten konnte , und auch ihr war Walter bereits seit lange ein werther Freund geworden . Da entzog die Ankunft einer Freundin , der Geheimräthin von Meining , Jenny auf einige Tage der Gesellschaft ihrer Hausgenossen . Frau von Meining , nur wenige Jahre älter als Jenny ,