zurecht zu weisen , nie unterließ . » Auch , « fuhr er fort , » kam ich nicht her , mich an Ihren Bedürfnissen zu ergötzen , sondern , um meinem Sohne anzukündigen , daß ich ihn selbst seinem Könige und Herrn vorzustellen entschlossen bin . « Nach Dank aussehend , richtete er liebevoll seine Augen auf Leonin , und dieser eilte auch , ganz seine Güte fühlend , ihm zu danken . » Könnte ich nur diesen Beweis Ihrer Liebe ohne Furcht für Ihre Gesundheit annehmen , mein theurer Vater - was könnte mir dann Ehrenvolleres , Lieberes geschehen , als meinem angebeteten Könige an der Seite meines Vaters zuerst nahen zu dürfen ? « » Laß das Geschwätz von meiner Krankheit , Junge ! « entgegnete der Vater mürrisch ; » bin ich krank ? - Sieht so ein Kranker aus ? - Ich erwarte den Ceremonienmeister , Herrn von Dreux , und werde das Nöthige mit ihm verabreden ; denn Du sollst mir , je eher je lieber , die große Taufe der ersten Kniebeugung erhalten . Dann sind Sie daran , Madame , dann mögen Sie ihm ein Fräulein aussuchen , auf deren Schultern ein Wappenschild ruht , neben dem das der Crecy-Chabanne sich zeigen mag - das überlasse ich Ihnen ; denn mit dem Weiberzeuge weiß ich nicht Bescheid ! « Die Marschallin hatte diese ganze Rede ohne Unterbrechung sich entwickeln lassen , da Vieles ihr darin zu Hülfe kam , und das , was ihr nicht behagte , mit einem Worte von ihr widerlegt werden konnte . Sie saß daher so ruhig in ihrem Armstuhle , als wäre sie völlig allein , und spielte gleichgültig mit den Frangen ihrer Morgen-Mantille . » Haben Madame noch etwas zu erinnern ? « rief der Marschall , ungeduldig über ihr beleidigendes Schweigen . » Sie sind , wie immer , zu rasch , mein Herr ! « erwiederte sie mit höflichem Lächeln , » und werden Herrn von Dreux in Verlegenheit setzen ; denn , was soll er Ihren Anfragen entgegnen , da seine erste Erkundigung sein müßte , ob der junge Graf schon majorenn , und von seiner Familie in den Rang eingesetzt ist , der ihm allein den großen Anspruch der Präsentation sichert . « Der Marschall drehte sich so wild ab , als hätte er einen Stich erhalten - seine Gemahlin fuhr mit der höchsten Ruhe fort : » doch ist Ihre Genesung um so willkommener , da jetzt kein Hinderniß mehr vorhanden scheint , diese Familien-Angelegenheit dem Ansehn unseres Hauses gemäß auszurüsten . Unsere Vettern , die Herzöge von Lesdiguères und Tremouille , sind mit ihrer Gegenwart bereit , und der Prinz von Courtenaye , wie der Marschall von Tessé wünschen zu unterschreiben . Ich zweifle nicht , daß die Majestäten Jemanden beordern werden , den Tag zu ehren , und ich habe , in Voraussetzung Ihrer Genehmigung , diesen Tag auf morgen festgesetzt . « - Der Marschall hörte diese wohl geordnete Entgegnung seiner Gemahlin unter so wilden Grimassen seines alten , vernarbten Gesichtes an , daß , wer ihn kannte , genau wußte , er war geneigt , mit seiner kalt überlegten Gemahlin in die Esse des Kamins zu fahren ; obwol er zur Erhöhung seines Zornes einsah , daß ihm keine Stelle blieb , die er angreifen , an der er seine Wuth kühlen konnte , sondern , daß ihm , wie immer , die Rolle eines Schulknaben zufiel , der sich seiner Unzulänglichkeit überführt sieht und schweigend den Verweis hinnehmen muß . » Nun , « brummte er , dumpf und zornig blickend , » Madame sind , denke ich , nicht minder rasch , als mir so eben vorgeworfen ward ; ich habe , wie immer , mich nur in Ihre Anordnungen zu fügen - doch später , Madame , später werde ich meine Pflicht bei Seiner Majestät erfüllen ! « » Herr von Vieuville , « fuhr die unerschütterliche Marschallin fort , » hat mir gesagt , daß Seine Majestät unseren Sohn zuerst in den Apartements der Madame Henriette von England im kleinen Zirkel sehen will , um ihn dann später bei der Königin als schon bekannt zu finden . Die Auszeichnung , ihn ohne weitere Ceremonien als unseren Sohn anzuerkennen , findet so am besten ihren Platz . Gewiß wird sich Madame freuen , bei dieser Gelegenheit den Marschall von Crecy in ihrem Privat-Zirkel zu sehen ! « » Nun , « schrie der Marschall , dem dieses letzte Abschneiden seiner Pläne zum offenen Ausbruche seines schwer bekämpften Zornes verhalf , » so mögen mich doch alle Geier aus dem Wappen der Crecy zerreißen , ehe ich in diese Narrenbude von Bänkelsängern und Gauklern bei dieser weinerlichen Madame Henriette eintrete ! Den Erben eines der größten französischen Namen dort seinem großen Könige vorzustellen , hieße über den Helmsturz die Weiberhaube ziehen ! - Für dies Geschäft danke ich , Madame ; und da Sie Alles so wohl eingerichtet haben , Alles zu verderben , worauf mein altes Vaterherz sich gefreut hatte , so überlasse ich Ihnen auch den Rest , den auszuführen ich zu stolz bin ! « - Und damit stürzte er , wie ein verwundeter Löwe , aus dem Salon , und die Diener , die , schnell vor ihm her eilend , die Thüren aufrissen , wußten das oft Erlebte , daß der Marschall sich dem Willen seiner Gemahlin hatte unterwerfen müssen . » Du wirst Dich wundern , mein Lieber , « fuhr die Marschallin mit der größten Ruhe fort , » Deinen Vater noch so lebhaft zu finden . Gottlob es ist ein sehr tröstliches Zeichen seiner wieder gewonnenen Kraft ; wir wollen die kleine Störung verschmerzen , die doch eine glückliche Verkündigung seiner Genesung ist . - Denn so sehr es zu beklagen bleibt , daß der Marschall niemals den Ueberblick seiner Verhältnisse behält , so muß man ihm doch zugestehen , daß er mit vielem Takte sich leicht