daß es dir manchen Kampf ersparte . « » Du quälst mich , Freund « , rief Leonhard aus , » und ganz ohne Not , denn mir ist wahrlich nichts widerfahren , das nur des Erwähnens würdig wäre . « » Verschlossenheit , und gegen den Freund « , sagte Elsheim wieder , » ist himmelweit von Diskretion verschieden . Ich habe viel in dieser Zeit über deine weise Theorie nachdenken müssen , die du mir so schön unterweges entwickeltest , von der geraden und krummen Linie . Die Sache verdient gewiß bedacht zu werden . Suche nur die krumme Linie künstlich wieder zurechtzuführen , wenn auch freilich so mancher Schnörkel und willkürliche Ausbeugung und Schwankung sich nicht in Regel und Zahlenverhältnis auflösen läßt . « Leonhard wollte verdrüßlich werden , und in seiner sonderbaren Stimmung erschien es ihm fast , als wenn sein Freund Händel an ihm suche . Er wollte antworten , aber seine Aufmerksamkeit , sowie die des Freundes , wurde auf das große und ansehnliche Gasthaus des Dorfes gelenkt , vor welchem jetzt ein eleganter Reisewagen hielt , aus welchem zwei Männer stiegen . Sie sprachen mit dem Kutscher und dem Wirt der Schenke , schüttelten lachend ihre Kleider zurecht , und kamen dann Arm in Arm die breite Landstraße herauf , anscheinend um das Schloß in der Dämmerung , welche bereits einbrach , in Augenschein zu nehmen . Als sie näher kamen , hörten die Freunde , wie einer von beiden mit überaus wohlklingender voller Stimme sagte : » Ja wohl ist es besser , sich nach dem langen Fahren erst die Füße etwas zu vertreten , als gleich dort in der Schenke Platz zu nehmen , die freilich für eine Dorfherberge reputierlich genug aussieht . « » Aber halt ! « rief der andere , indem sie jetzt der Bank unter der Linde ganz nahe gekommen waren , » - sieh , Freund , von hier nimmt sich das Schloß am besten aus . Es kann nicht so ganz neu sein , denn es ist noch in einem guten Stil gebaut . « » Ja wohl « , sagte der erste , » es ist so vollständig , solide und würdig . Das Verhältnis der Fenster zu den Mauern grenzt noch nicht an unsere Treib- und Sommerhäuser . « » Und der Giebel « , rief der zweite , » so stark und vorragend , die beiden viereckigen Türme an den beiden Seiten , die gewiß auch zu Treppen dienen , der große breite Eingang , in dem die Tür doch nicht zu hoch ist : alles sieht so sicher aus . Das Tor für die Einfahrt der Equipagen ist gewiß auf der andern Seite , im eigentlichen Hofe . « Und mit diesem , fuhr der erste fort , » muß dann unmittelbar der Garten verbunden sein , wenn Verstand in der Sache sein soll . « » Nein « , sagte jener , » sieh , noch verständiger ist der Eingang zum Garten gleich rechts vom Hause , wenn mein scharfes Auge mich nicht trügt . Das Wichtigste aber , Kamerad , ist , daß das ganze Haus mit seinem Apparat so aussieht , als wenn dort hinter den Fenstern und Mauern etwas recht Wunderbares , Apartes und Närrisches vorgehen müßte ; nicht wahr , Freund ? « » Du hast recht , Bruder « , sagte der erste lachend ; » wie habe ich das nur übersehen können ? Es quillt ja aus allen Wänden und duftet in der ganzen Atmosphäre hier so , als wäre der Steinklumpen bloß deswegen so hübsch und reputierlich ausgeführt worden , damit Schnurren , poetische Schwänke , Albertäten , Konfusionen und Liebesgeschichten dort ausgesponnen würden . Ja wohl flüstern die schönen Linden dort am Schloß nicht vergeblich den Fenstern zu . Und wenn die verteufelten Nachtigallen erst so rechts und links schlagen , um alle ihre zackigen und kugligen Passagen abzuorgeln , so muß die Verrücktheit dort hinter den Mauern , wenn nur irgend junges Blut in den Stuben wohnt , nicht zum Aushalten , viel weniger zum Haushalten sein . « Elsheim hatte die beiden Schwätzer schon erkannt und ging jetzt lachend auf sie zu . » Sein Sie mir gegrüßt , meine Herren Musiker ; erinnern Sie sich meiner noch aus jener kleinen Stadt , in welcher Sie sich aus Mutwillen arretieren ließen , statt ein Konzert zu geben ? « » Ei , Baron ! « riefen die Fremden , und umarmten lachend den schnell Wiedererkannten . » Dies Haus ist mein « , fuhr Elsheim fort , » und paßt es irgend zu Ihrem Geschäft und Ihrer Reiseabsicht , mir ein paar Tage zu schenken , so werden Sie mich sehr glücklich machen . « » Wir sind so frei jetzt , wie die Fliege in der Luft « , sagte der Sänger , » wir kriechen also gern bei Ihnen unter . « » So werde ich Ordre geben « , sagte Elsheim , » daß Ihre Koffer nebst Ihrem Wagen bei mir untergebracht werden ; nur ist mein Haus sehr überfüllt und es frägt sich daher , ob es Ihnen nicht zuwider sei , beide ein einziges großes Zimmer mit einem geräumigen Alkoven zu bewohnen ? « » Nicht im mindesten « , antwortete der Klavierspieler , » denn das sind wir gewohnt . Wenn zwei vertraute Freunde im fremden Hause beisammen sind , so ist das der Einsamkeit , die oft lästig werden kann , sehr vorzuziehen . « Die beiden Fremden begleiteten Elsheim und Leonhard sogleich in das Schloß . Dieser eilte auf sein Zimmer , kleidete sich schnell um , und kam dann zum Abendessen in den Saal zurück . Hier waren die fremden Musiker schon wie einheimisch ; sie sprachen mit jedem , am meisten jedoch mit Emmrich , dem sie schon seit früheren Jahren bekannt waren . Als man sich an der Tafel ordnete , gelang es Leonhard nicht , neben Charlotten seinen