! Wohl gar heute ! in dieser Nacht ! - Ein entsetzlicher Gedanke flog an mir vorüber . Wenn sie es waren , wenn man sie auf dem gefahrvollen Bergübergange beraubt , mißhandelt , erschlagen ! - Meine Sinne verwirrten sich ! Ich stürzte ans Fenster , ich rüttelte an der Thüre , ich rief donnernd dem langen , unheimlichen Gang hinunter . Es währte einige Minuten , ehe man mich vernehmen mochte , dann eilten aber von allen Seiten Herr und Frau und Knechte und Mägde herbei . Alle zeigten sich eben so betroffen als besorgt um mich . Einen Augenblick stand ich ihnen verlegen gegenüber . Die Todesangst um Emma riß mich indeß in den vorigen Ungestüm zurück . Ich fragte gebieterisch , was aus den Reisenden geworden sei , die hier verweilt , hier gewohnt hätten , die erst kürzlich aufgebrochen seien , deren Handschrift , deren Namenszug ich hier auf dem Tischchen wiedergefunden ? Ich weiß es gewiß , setzte ich leidenschaftlicher hinzu , erst in dieser Nacht verließen sie dies Haus . Ich habe alles gesehen und gehört , was sich zugetragen hat . Der Wirth stutzte , sah seine Frau an , dann lächelte er sorglos , legte mir die Hand auf die Schulter , und meinte : » Was kann das Alles helfen , wahr bleibt wahr . Aber lassen Sie es gut sein . Die Herrschaften wollten nicht , daß man ihnen folge . Sie haben hier rasten müssen , weil die junge Dame nicht weiter fortkonnte . Nun , wir räumten ihnen unsere ganze Wohnung ein . Das währte so einen Tag nach dem andern . Besser ward es mit der Kranken nicht . Da meinte die Mutter , sie wollten in aller Stille ihren Weg fortsetzen . Den nächsten Morgen sollte es geschehen . Nun kamen Sie gestern Abend hier an , lieber Herr ! Wegweisen durften wir Sie nicht . Wir brachten Sie darum hierher , in die alte Rumpelkammer . Es war uns peinlich genug , aber die alte , gnädige Frau befahl es so . Nachher forschte sie uns genau über Sie aus . Wir mußten ihr Alles sagen . Ich weiß nicht , was ihr in der Beschreibung so auffiel , daß sie ihrer Tochter ängstlich zuwinkte , dann mit ihr heimlich redete , sie leise bat und bestürmte , und nach einer Weile erklärte , sie wolle gleich abreisen . Ich solle ganz im Geheim für ein Paar sichere Träger und Boten mit Laternen sorgen . Unsere Gegenvorstellungen führten zu nichts . Sie blieb unbeweglich , sparte weder Geld noch Ueberredung , und war in einer Stunde auf und davon . Es ging Alles glücklich . Ich begleitete sie . Jetzt muß sie schon eine bedeutende Strecke über das Gebirge hinaus sein . « » Wohin ging ihr Weg ? « fragte ich innerlich froh , ihnen so nahe zu sein . Ich erhielt unbestimmten Bescheid . » Es theilen sich dort unten verschiedene Wege , « hieß es , man könne nicht wissen , welchem die Reisenden gefolgt wären . Ich merkte wohl , daß die Oberhofmeisterin Sorge getragen hatte , sich der Verschwiegenheit ihrer redlichen Wirthe zu versichern . Deshalb eilte ich fortzukommen . Während mein Pferd gesattelt ward , ging ich mit der Wirthin , Emma ' s Zimmer zu besehen . Es trug noch die Spuren ganz neuerlicher Bewohnung . Am Boden lagen getrocknete Blumen , Papierschnitzelchen , Haarnadeln . Ich sammelte , was ich in der Eile bekommen konnte , und die Stühle , worauf der Koffer gestanden , die übereinandergeworfenen Bettdecken , die leeren Tassen , ein kleines Medizinfläschchen mit unbeschreiblicher Rührung anstarrend , zerknitterte ich krampfhaft die in den Händen haltende Papiere , als mir einfiel , ob keines derselben mir vielleicht ein hindeutendes Wort verrathen könnte . Ich trat zum Fenster , ich rollte Eins nach dem Andern auf , nur ein einziges war beschrieben , und enthielt folgende Worte : » So lange Dein Sommer währt - da ! ja da ! Wenn aber der Winter kommt , die Natur todt , der Boden starr , die Luft schneidend wird , dürre Halme , von Reif überglast , in Deiner Hand zerbrechen , Einsamer ! wie wirst Du frieren ! wie wird Dein Herz verschmachten ! « Giebt auch die Treue jemals sich selber auf ? Ich bin der Gräfin Tag und Nacht nachgeeilt , ehrwürdiger Herr ! - Niemand weiß von ihr . Am Wohnorte der Oberhofmeisterin ist man so unwissend über sie , als ich es bin . Morgen werde ich Audienz beim Fürsten und seiner Gemahlin erhalten . Vielleicht daß dort ! Abends . Sie sind über Basel nach der Schweiz gegangen , und von da nach Italien . Ich folge ihnen sogleich . Gott leite meine Schritte ! - Madame Lindhof an den Amtmann Du schickst den Fritz allein mit der Kalesche zurück . Du kommst also immer noch nicht nach Hause ? Mich dünkt , lieber Sohn , Deine Gegenwart wäre hier sehr nöthig . Der Regen hält so lange an . Die Arbeit liegt . Ohne Dich wissen sich die Leute nicht zu helfen . Ich fürchte , Du wirst in diesem Jahre einen großen Schaden in Deiner Wirthschaft erleiden . Wenn nur Deine Wünsche bei allem dem noch erfüllt würden , und die ungelegene Reise zu etwas führte ! Ich gestehe Dir , mich ängstigt der verlängerte Aufenthalt in der Residenz aus tausend Gründen . Der Fürst kann leicht Dein Gesuch übel aufnehmen , und es müde werden , Dich zu begünstigen . Und am Ende ist es doch auch wohl mehr Unbestand , als der Verlust Deiner guten Frau , was Dich hier wegtreibt ! Laß Dir die offenherzige Bemerkung nicht mißfallen , lieber Sohn . Ich sage es , wie ich denke ; und denke es , weil ich Dich kenne . Glaube mir , in der Jugend sucht der Mensch gar zu gerne nach einem Vorwande