irre ! « erwiederte Gerhard , der sich scheu in die Ecke schmiegte : » Was ficht Euch an ? Ist das der Dank für meine gutmüthige Theilnahme ? « - » Ich möchte lachen , wäre mir nicht so fürchterlich ernst zu Sinne ; « begann Dagobert auf ' s Neue : » lachen ob Deiner beklagenswerthen Einfalt . Mensch ! siehst Du denn nicht weiter als ein Maulwurf ? Du entsetzest mich durch die Botschaft von meines Vaters Tode ? kann aber der todt seyn , der mir von diesem Mord geschrieben ? « - » Ich dummer Hans ! « murmelte Gerhard durch die Zähne , und schlug sich mit der geballten Faust vor die Stirne : » Dümmer als ein Gänserich . Es ist auch wahr . Vergebt , Fröschlein ; gestorben wird er nun wohl nicht seyn , aber Ihr werdet aus dem Briefe sehen , daß gewiß etwas Schreckliches vorgefallen . « - Dagobert wollte so eben , seinem Zweifel zu entgehen , die Wachsplatte von dem wohlverwahrten Schreiben lösen , als er noch einen Blick der Aufschrift schenkte . » Nein ! « rief er alsdann : » bei unsrer lieben Frau vom Berge ! Da hätte ich etwas Hübsches angerichtet . Das Schreiben gehört meinem würdigen Ohm , dem Prälaten . Der eifrige Mann würde mich in Bann thun , käme es verletzt in seine Hände . Vergib indessen meiner begreiflichen Neugier , wenn ich Dich jetzo allein lasse , zur Stunde , wo der Becher Dir am besten mundet . Ich denke das Versäumte nächstens einzuholen . Für jetzt aber eile ich , den Ohm , so leid mir ' s thut , aus seiner abendlichen Bequemlichkeit zu stören , denn bis morgen die Ungewißheit zu ertragen , vermag mein Gemüth nicht . Gute Nacht ! « - » Gute Nacht , Junker , « entgegnete Gerhard : » Ihr hegt doch keinen Groll gegen mich ? « - » Sorge nicht ; « beruhigte ihn Dagobert : » Was kann der Mund , dafür , daß er einem ungeschickten Kopfe gehorcht ? Iß und trink ! die freie Tafel bis zum Tage des Turniers soll darum nicht wegfallen ! « - Der Prälat staunte nicht wenig , die Stille seines Hauses durch ein ungebührliches Pochen und Lärmen gestört zu sehen , und traute kaum dem Bericht des zur Pforte gesandten Dieners , der die Ankunft des Neffen verkündete , welcher Haus und Hof wie mit Sturm eingenommen habe . Der furchtsame Geistliche , der sehr geneigt war , an eine beabsichtigte Gewaltthätigkeit seines Wildfangs von Anverwandten zu glauben , rief Fiorillen herbei , die ihn nur mit Mühe von dem Vorhaben abhielt , seine ganze Dienerschaft zu seinem Schutze um sich her zu versammeln . » Entschuldigt meinen seltnen , späten und überlästigen Besuch ! « rief Dagobert beim Eintreten : » Mein Geschäft bei Euch ist kurz , aber um so dringender ! « - Der Prälat lief einige Schritte zurück , da Dagobert ' s Hand rasch nach dem Gürtel fuhr , um den Brief herauszuziehen , und die Versicherung Fiorillens , es sey wirklich nur ein harmloses Papier und keine Mordwaffe , welches der Vetter bei sich trage , konnte Monsignore kaum beruhigen . Dagobert war genöthigt , ihm wie einem widerstrebenden Kinde die Finger zu öffnen , und den Brief hineinzulegen , mit der Bitte , doch ja alsobald den Inhalt desselben ihm mitzutheilen . Nun begann der Muth des Prälaten wiederum zu wachsen . » Per Dio e la santissima vergine ! « rief er mit aufgeblasenen Backen , da er den Ungrund seiner Besorgniß einsah : » heißt das nicht die Roheit eines deutschen Lümmels auf die höchste Spitze steigern ? Wie nanntest Du Dich vorhin ? Einen seltnen , späten , überlästigen Gast ? Ja wohl ; eine Lüge sagtest Du mindestens nicht in diesen Worten . Ist das eine seine Zucht und Sitte ? Überfällt bei Nacht und Nebel , einem Buschklepper gleich , seinen Ohm , einen Prälaten , der noch obendrein aufgebracht gegen ihn ist , und mit Recht ungehalten auf seinen Lebenswandel . Und warum dieser stürmische Überfall , der manchem weniger Beherzten den blassen Tod hätte zufügen können ? weshalb dieser Gräul ? Um einen Brief zu überbringen , der morgen eben so gut gelesen werden könnte , denn heute . « - » Mag seyn , Ohm ; « erwiederte Dagobert : » ich kann Euch aber darum doch nicht helfen . Meine Besorgniß ist zu groß . Meinem Vater ist ein Unfall zugestoßen , dessen nähern Verlauf ich heute noch wissen muß . « - » Höre doch einmal zu , Fiorilla ! « seufzte der Prälat , trostlos die Hände faltend : » Höre doch , wie der Gelbschnabel zu mir spricht . Wie ein Guardian zu einem Novizen . Was geht mich denn seine Besorgniß an ? Warum muß ich denn gerade heute noch das Schreiben lesen ? « - » Weil es meinen Vater betrifft ; « versetzte Dagobert heftig , der freilich nur Euer Bruder ist , und weil ich - kurz und gut - nicht eher aus dem Hause gehe , als bis ich weiß , was den Meinen zugestoßen . - » Du wirst sehen , « raunte der Prälat Fiorillen in ' s Ohr - Du wirst sehen , er setzt uns noch auf die Gasse , und macht sich breit in meinen vier Pfählen . Sieh nur , er glüht im Gesichte wie ein Kobold . Ob er betrunken ist , oder ob er am Veitstanz laborirt , oder - was den deutschen Bären öfters zu begegnen pflegt - gerade von einer verderblichen Lust zu morden und zu wüthen befallen ist - wer weiß das ? - » Thut ihm deshalb den Gefallen , den er verlangt ; « ermahnte Fiorilla : » Sohnesliebe spricht aus ihm . « - » Nun , wenn Du meinst ; «