auf Malertafel stehn , Mit Geschwistern reich umgeben , Mit des Herbstes Frucht umlegt , Daß sie von geheimem Leben Offenbaren Sinn erregt . Tausendfach und schön entfließe Form aus Formen deiner Hand , Und im Menschenbild genieße , Daß ein Gott sich hergewandt . Welch ein Werkzeug ihr gebrauchet Stellet euch als Brüder dar ; Und gesangweis flammt und rauchet Opfersäule vom Altar . « Alles dieses mochte Wilhelm gar wohl gelten lassen , ob es ihm gleich sehr paradox und , hätte er es nicht mit Augen gesehen , gar unmöglich scheinen mußte . Da man es ihm nun aber offen und frei , in schöner Folge vorwies und bekannt machte , so bedurfte es kaum einer Frage , um das Weitere zu erfahren ; doch enthielt er sich nicht , den Führenden zuletzt folgendermaßen anzureden : » Ich sehe , hier ist gar klüglich für alles gesorgt , was im Leben wünschenswert sein mag ; entdeckt mir aber auch : welche Region kann eine gleiche Sorgfalt für dramatische Poesie aufweisen , und wo könnte ich mich darüber belehren ? Ich sah mich unter allen euren Gebäuden um und finde keines , das zu einem solchen Zweck bestimmt sein könnte . « » Verhehlen dürfen wir nicht auf diese Anfrage , daß in unserer ganzen Provinz dergleichen nicht anzutreffen sei : denn das Drama setzt eine müßige Menge , vielleicht gar einen Pöbel voraus , dergleichen sich bei uns nicht findet ; denn solches Gelichter wird , wenn es nicht selbst sich unwillig entfernt , über die Grenze gebracht . Seid jedoch gewiß , daß bei unserer allgemein wirkenden Anstalt auch ein so wichtiger Punkt wohl überlegt worden ; keine Region aber wollte sich finden , überall trat ein bedeutendes Bedenken ein . Wer unter unsern Zöglingen sollte sich leicht entschließen , mit erlogener Heiterkeit oder geheucheltem Schmerz ein unwahres , dem Augenblick nicht angehöriges Gefühl in der Maße zu erregen , um dadurch ein immer mißliches Gefallen abwechselnd hervorzubringen ? Solche Gaukeleien fanden wir durchaus gefährlich und konnten sie mit unserm ernsten Zweck nicht vereinen . « » Man sagt aber doch « , versetzte Wilhelm , » diese weit um sich greifende Kunst befördere die übrigen sämtlich . « » Keineswegs « , erwiderte man , » sie bedient sich der übrigen , aber verdirbt sie . Ich verdenke dem Schauspieler nicht , wenn er sich zu dem Maler gesellt ; der Maler jedoch ist in solcher Gesellschaft verloren . Gewissenlos wird der Schauspieler , was ihm Kunst und Leben darbietet , zu seinen flüchtigen Zwecken verbrauchen und mit nicht geringem Gewinn ; der Maler hingegen , der vom Theater auch wieder seinen Vorteil ziehen möchte , wird sich immer im Nachteil finden und der Musikus im gleichen Falle sein . Die sämtlichen Künste kommen mir vor wie Geschwister , deren die meisten zu guter Wirtschaft geneigt wären , eins aber , leicht gesinnt , Hab und Gut der ganzen Familie sich zuzueignen und zu verzehren Lust hätte . Das Theater ist in diesem Falle , es hat einen zweideutigen Ursprung , den es nie ganz , weder als Kunst noch Handwerk , noch als Liebhaberei verleugnen kann . « Wilhelm sah mit einem tiefen Seufzer vor sich nieder , denn alles auf einmal vergegenwärtigte sich ihm , was er auf und an den Brettern genossen und gelitten hatte ; er segnete die frommen Männer , welche ihren Zöglingen solche Pein zu ersparen gewußt und aus Überzeugung und Grundsatz jene Gefahren aus ihrem Kreise gebannt . Sein Begleiter jedoch ließ ihn nicht lange in diesen Betrachtungen , sondern fuhr fort : » Da es unser höchster und heiligster Grundsatz ist , keine Anlage , kein Talent zu mißleiten , so dürfen wir uns nicht verbergen , daß unter so großer Anzahl sich eine mimische Naturgabe auch wohl entschieden hervortue ; diese zeigt sich aber in unwiderstehlicher Lust des Nachäffens fremder Charaktere , Gestalten , Bewegung , Sprache . Dies fördern wir zwar nicht , beobachten aber den Zögling genau , und bleibt er seiner Natur durchaus getreu , so haben wir uns mit großen Theatern aller Nationen in Verbindung gesetzt und senden einen bewährt Fähigen sogleich dorthin , damit er , wie die Ente auf dem Teiche , so auf den Brettern seinem künftigen Lebensgewackel und -geschnatter eiligst entgegengeleitet werde . « Wilhelm hörte dies mit Geduld , doch nur mit halber Überzeugung , vielleicht mit einigem Verdruß : denn so wunderlich ist der Mensch gesinnt , daß er von dem Unwert irgendeines geliebten Gegenstandes zwar überzeugt sein , sich von ihm abwenden , sogar ihn verwünschen kann , aber ihn doch nicht von andern auf gleiche Weise behandelt wissen will ; und vielleicht regt sich der Geist des Widerspruchs , der in allen Menschen wohnt , nie lebendiger und wirksamer als in solchem Falle . Mag doch der Redakteur dieser Bogen hier selbst gestehen : daß er mit einigem Unwillen diese wunderliche Stelle durchgehen läßt . Hat er nicht auch in vielfachem Sinn mehr Leben und Kräfte als billig dem Theater zugewendet ? und könnte man ihn wohl überzeugen , daß dies ein unverzeihlicher Irrtum , eine fruchtlose Bemühung gewesen ? Doch wir finden keine Zeit , solchen Erinnerungen und Nachgefühlen unwillig uns hinzugeben , denn unser Freund sieht sich angenehm überrascht , da ihm abermals einer von den Dreien , und zwar ein besonders zusagender , vor die Augen tritt . Entgegenkommende Sanftmut , den reinsten Seelenfrieden verkündend , teilte sich höchst erquicklich mit . Vertrauend konnte der Wanderer sich nähern und fühlte sein Vertrauen erwidert . Hier vernahm er nun , daß der Obere sich gegenwärtig bei den Heiligtümern befinde , dort unterweise , lehre , segne , indessen die Dreie sich verteilt , um sämtliche Regionen heimzusuchen und überall , nach genommener tiefster Kenntnis und Verabredung mit den untergeordneten Aufsehern , das Eingeführte weiterzuleiten , das Neubestimmte zu gründen und dadurch ihre hohe Pflicht treulich zu erfüllen . Eben dieser treffliche Mann