sich auf einmal alles wieder , ein Baum , ein Hügel legte sich fremd vor seine Aussicht wie in eine uralte , wehmütige Zeit , doch konnte er sich durchaus nicht besinnen . So hatten sie nach und nach den Gipfel des Berges erreicht . Freudig überrascht standen sie beide still , denn eine überschwengliche Aussicht über Städte , Ströme und Wälder , so weit die Blicke in das fröhlich-bunte Reich hinauslangten , lag unermeßlich unter ihnen . Da erinnerte sich Friedrich auf einmal : » das ist ja meine Heimat ! « rief er , mit ganzer Seele in die Aussicht versenkt . » Was ich sehe , hier und in die Runde , alles gemahnt mich wie ein Zauberspiegel an den Ort , wo ich als Kind aufwuchs ! Derselbe Wald , dieselben Gänge - nur das schöne , altertümliche Schloß Ende ich nicht wieder auf dem Berge . « - Sie stiegen weiter und erblickten wirklich auf dem Gipfel im Gebüsche die Ruinen eines alten , verfallenen Schlosses . Sie kletterten über die umhergeworfenen Steine hinein und erstaunten nicht wenig , als sie dort ein steinernes Grabmal fanden , das ihnen durch seine Schönheit sowohl , als durch seine mannigfaltige Bedeutsamkeit auffiel . Es stellte nämlich eine junge , schöne , fast wollüstig gebaute weibliche Figur vor , die tot über den Steinen lag . Ihre Arme waren mit künstlichen Spangen , ihr Haupt mit Pfauenfedern geschmückt . Eine große Schlange , mit einem Krönlein auf dem Kopfe , hatte sich ihr dreimal um den Leib geschlungen . Neben und zum Teil über dem schönen Leichnam lag ein altgeformtes Schwert , in der Mitte entzweigesprungen , und ein zerbrochenes Wappen . Aus dieser Gruppe erhob sich ein hohes , einfaches Kreuz , mit seinem Fuße die Schlange erdrückend . Friedrich traute seinen Augen kaum , da er bei genauerer Betrachtung auf dem zerbrochenen Schilde sein eigenes Familienwappen erkannte . Seine Augen fielen dabei noch einmal aufmerksamer auf die weibliche Gestalt , deren Gesicht soeben von einem glühenden Abendstrahle hell beleuchtet wurde . Er erschrak und wußte doch nicht , warum ihn diese Mienen so wunderbar anzogen . Endlich nahm er das kleine Porträt hervor , das sie auf Erwinens Brust gefunden hatten . Es waren dieselben Züge , es war das schöne Kind , mit dem er damals in dem Blumengarten seiner Heimat gespielt ; nur das Leben schien seitdem viele Züge verwischt und seltsam entfremdet zu haben . Ein wehmütiger Strom von Erinnerung zog da durch seine Seele , dem er kaum mehr in jenes frühste , helldunkle Wunderland nachzufolgen vermochte . Er fühlte schaudernd seinen eigenen Lebenslauf in den geheimnisvollen Kreis dieser Berge mit hineingezogen . Er setzte sich voller Gedanken auf das steinerne Grabmal und sah in die Täler hinunter , wie die Welt da nur noch in einzelnen , großen Farbenmassen durcheinander arbeitete , in welche Türme und Dörfer langsam versanken , bis es dann still wurde wie über einem beruhigten Meere . Nur das Kreuz auf ihrem Berge oben funkelte noch lange golden fort . Da hörten sie auf einmal hinter ihnen eine Schalmei über die Berge wehen ; die Töne blieben oft in weiter Ferne aus , dann brachen sie auf einmal wieder mit neuer Gewalt durch die ziehenden Wolken herüber . Sie sprangen freudig auf . Sie zweifelten längst nicht mehr , daß sie sich in dem Gebiete des sonderbaren Mannes befänden , zu dem sie von Erwin hingewiesen worden . Um desto willkommener war es ihnen , endlich einen Menschen zu finden , der ihnen aus diesem wunderbaren Labyrinthe heraushelfe , in dem ihre Augen sowie ihre Gedanken verwirrt und verloren waren . Sie bestiegen daher schnell ihre Pferde und ritten jenen Klängen nach . Die Töne führten sie immerfort bergan zu einer ungeheuren Höhe , die immer öder und verlassener wurde . Ganz oben erblickten sie endlich einen Hirten , welcher , auf der Schalmei blasend , seine Herde in der Dämmerung vor sich her nach Hause trieb . Sie grüßten ihn , er dankte und sah sie ruhig und lange von oben bis unten an . » Wem dient Ihr ? « fragte Leontin . - » Dem Grafen . « - » Wo wohnt der Graf ? « - » Dort rechts auf dem letzten Berge in seinem Schlosse . « - » Wer liegt dort « , fuhr Leontin fort , » auf der grünen Höhe unter den steinernen Figuren begraben ? « - Der Hirt sah ihn an und antwortete nicht ; er wußte nichts davon und war noch niemals dort hinabgekommen . - Sie ritten langsam neben ihm her , da erzählte er ihnen , wie auch er weit von hier in den Tälern geboren und aufgewachsen sei , » aber das ist lange her « , sagte er , » und ich weiß nicht mehr , wie es unten aussieht . « Darauf wünschte er ihnen eine gute Nacht , nahm seine Schalmei wieder vor und lenkte links in das Gebirge hinein . - Sie blickten rings um sich , es war eine weite , kahle Heide und die Aussicht zwischen den einzelnen Fichten , die hin und her zerstreut standen , unbeschreiblich einsam , als wäre die Welt zu Ende . Es wurde ihnen angst und weh an dem Orte . Sie gaben ihren Pferden die Sporen und schlugen rechts den Weg ein , den ihnen der einsilbige Hirt zu dem Schlosse des Grafen angezeigt hatte . Es war indes völlig dunkel geworden . Die Gegend wurde noch immer höher , die Luft schärfer ; sie wickelten sich fest in ihre Mäntel ein und ritten schnell fort . Da erblickten sie endlich auf dem höchsten Gipfel des Gebirges das verheißene Schloß . Es war , soviel sie in der Dunkelheit unterscheiden konnten , weitläufig gebaut und alt . Der Weg führte sie von selbst durch ein dunkles Burgtor in den altertümlichen , gepflasterten Hof , in dessen Mitte sich ein großer