, die sie recht wohl in ihm erkannte ; daß sie ihm dann zwar alles Unerlaubte versagen würde , dessen war sie gewiß , aber wenigstens konnte er ihr nachher nichts mehr versagen , oder durch Äußerungen ihren politischen Gesellschaftsruhm stürzen . Er durchschaute sie , und tat noch immer voller Rücksichten , da er ihr Streben bemerkte , vor ihm als ganz rein zu erscheinen ; er glaubte immer noch , daß selbst die Furcht vor ihrem politischen Sturze sie nicht genug in seine Gewalt bringe ; als eine wunderschöne Frau könnte sie nach einigen Tränen darüber lachen ; er mußte sie ganz demütigen , daß sie sich sogar als lasterhaft erscheine und daß es ihm ganz überlassen sei , sie gesellschaftlich zu vernichten . Sie ganz zu demütigen , bot ihm der Zufall , den er oft schon belauert , die dienstfertige Hand . - Die Gräfin wollte einen Ball besuchen ; sie trat in ein Zimmer voll großer Spiegel , in dessen Ecke er sich hinter einem Schirme auf ein Sopha ausgestreckt hatte ; sie bemerkte ihn nicht , machte gegen den einen Spiegel einige recht hochmütige , einige recht freundliche Gesichter ; dann sagte sie behaglich zufrieden mit sich selbst : » Heute bin ich unwiderstehlich , heute wird sich der Marchese doch vor mir demütigen müssen ; heute will ich ihn warten lassen , ehe ich ihm die Hand biete . Halt « , sagte sie weiter , » hier auf der rechten Backe noch etwas Schminke - nun soll es heute einmal rot wie ein Wagenrad werden ? - Wenn der Marchese wüßte , daß ich mich schminkte , ich wäre verloren , dann wüßte es alle Welt . - Und mein Mann , was würde der sagen , dem ich so heilig versprochen , keine Schminke aufzulegen : solch Versprechen kann aber nicht gelten . « - Bei diesen Worten sprang der Marchese lachend auf und warf sich der Erschreckten leicht und liebenswürdig geschickt zu Füßen , und sagte spottend : » Ja wohl muß es der hochmütige Marchese der ganzen Gesellschaft sagen , damit alle sich wie er vor Ihnen niederwerfen , Sie verderben sich sonst wahrhaftig die schöne Haut mit der fatalen Schminke und des artigen Liedes von dem Grafen denken Sie gar nicht . « Und dabei stand er auf und sang ihr dieses Lied , das der Graf ihr einmal zärtlich warnend verfertigt hatte , als er das erste Schminktöpfchen zu einem Balle bei ihr versteckt gefunden ; der Graf hatte es ihm gegeben , indem er ihm versichert , daß sich die Gräfin seit der Zeit gar nicht mehr schminke , weil sie es ihm damals heilig versprochen . Hier dies Lied : Siehst du in den hohen Spiegel , Deine Locken gleich zu ringeln , Scheint ein Bübchen , das hat Flügel , Dich mit Blumen zu umzingeln : Dann erscheinen in dem Spiegel Noch der holden Mädchen drei , Binden dieses Knaben Flügel , Anmut bindet Lieb und Treu . Willst du freundlich gern sie sehen , Bleiben freundlich sie ergeben , Willst du dich nur spiegelnd sehen , Mögen sie wohl frei verschweben ! Klage nicht , daß Schönheit fliehet , Schneller flieht das Irrlicht dann ; Bind es nicht durch Kunst , es glühet , Was uns wärmt , auch brennen kann . Sonnenstrahl , wie warm und helle , Kannst die Wange bald versengen ! - Ei wer sieht ' s im Tanz so schnelle , Alle Farben da sich drängen : Amor schwingt die Fackel helle , Sieht so listig auf den Grund , Sieht so leicht die falsche Stelle , Schminke küsset nicht sein Mund . Wer sich Amor kann verstecken , Kann auch nimmer selig lieben , Wer ihn aus dem Schlaf kann wecken , Kann das Kindlein hart betrüben : Sei auch Lieb durch Schönheit flüchtig , Wir entfliehen ja mit ihr , Blühe Wein , und trage tüchtig , Schönre Kinder bleiben hier . Statt des einen Amor viele , Viele Amors ohne Flügel Kränzen Grazien im Spiele , Und du siehst doch ohne Spiegel : Siehst du deine Schönheit wieder In den Kindern , die einst dein , Schlage nicht die Augen nieder : Ach wie schön , so schön zu sein . Tausendmal verfluchte die Gräfin in sich dieses Lied ; aber der Marchese schenkte ihr keinen Vers ; immer tiefer sank ihr dabei Stolz und Mut ; sie kannte seine Tücke , seine Kunst in lächerlicher Übertreibung . Zum erstenmal glaubte sie etwas ganz Unverbesserliches getan zu haben , und in dem Nachsinnen auf einen Ausweg wurde ihr eiskalt , und die Gedanken vergingen ihr . Noch ein Vers und sie hätte in Ohnmacht vor ihm gelegen ; jetzt brach ein Tränenstrom aus ihren Augen ; sie war artig und schwach wie ein Kind , dem man über eine Kleinigkeit zum Spaß harte Vorwürfe gemacht hat , und das sich nun gar nicht will zur Ruhe begeben . Das war so ihre Art ; sie fühlte sich so ganz herunter von ihrer eingebildeten Höhe , daß sie nichts dawider hatte , als ihr der Marchese die Tränen von den Wangen küßte ; sie wollte ihn gar nicht loslassen ; » schweigen , schweigen ! « rief sie schluchzend ; er versprach es ihr mehrmals und ohne daß weiter zwischen ihnen etwas gesprochen wurde , hauchte sie sich in die Hände , um die Tränen zu verwischen und die Augen zu erfrischen ; der Marchese führte sie an den Wagen . So viel Gewalt sie sich antat , sie konnte nicht ihre gewöhnliche Lustigkeit auf dem Balle erreichen , und ihr , die sonst Nächte durchtanzte und am Morgen so klar wie ein Falke aus den Augen sah , fielen sie diesen Abend bald zu , und sie eilte nach Hause , in einem tiefen Schlafe das Ende ihrer hoffnungslosen Nachgedanken zu finden , wie der unverbesserliche Fehler gut zu machen , der ihr noch jeden