Ich hoffe jetzt auf ihre gänzliche Herstellung , aber ich werde ihre Abwesenheit sehr schwer empfinden ; ich werde sie , ich werde Tiridates überall vermissen . Jetzt , wo alle Zweifel verschwunden , alle ängstlichen Spannungen aufgelöset sind , und sein Geist sich ungehindert und frei entfalten kann , kannst du dir keinen Begriff machen , welch ' ein angenehmer Gesellschafter er ist , höchst liebend würdig als Fürst und Mensch . Seine Heiterkeit belebt auch Sulpicien , und unser Umgang ist angenehm und fröhlich . Freilich wird Agathokles hier bleiben ; wird aber sein Ernst , seine wortarme Unterhaltung im Stande seyn , mich für jenen Verlust zu entschädigen ? Ich zweifle sehr . Er ist ein Feind aller lauten Freuden , alles Schimmers , aller öffentlichen Belustigungen ; er war sogar entschlossen , während der Festlichkeiten nach Synthium zu gehen , und dort ganz allein seinen Gedanken und Schwärmereien zu leben . Du mußt gestehen , daß das doch zu arg war ; auch ließen wir ihn diesen trübsinnigen Vorsatz nicht ausführen , und er ergab sich zuletzt unsern vereinigten Bitten und Neckereien . Wie er sich dann betragen wird , wenn unsre Freunde ferne sind , und wieder Alles stille um mich geworden ist , das wissen die Götter ; ich sehe dieser Zeit mit einer Art von Schauer entgegen . Doch weg mit den trüben Gedanken ! Sie sollen mir die gegenwärtige Lust nicht verderben . Und so leb ' wohl , lieber Bruder ! Ich eile zu Sulpicien , um im Umgange meiner Freunde jede düstre Regung zu verscheuchen . 62. Theophania an Sulpicien . Nicäa , im December 302 . Es mag vielleicht unbescheiden von mir scheinen , zu einer Zeit , wo die große Welt mit Allem , was sie Glänzendes verleihen kann , Anspruch auf dich macht , und du den erhabenen Schauplatz betreten hast , auf dem nicht mehr gesellschaftliche Verhältnisse , sondern die Schicksale von Tausenden an dein Herz sprechen , dich an ein unbedeutendes Wesen zu erinnern , das du einmal freundlich aufgenommen hast . Aber wenn ich mich schon gern bescheide , und wohl weiß , daß die Beherrscherin von Armenien , und die römische Matrone nicht mehr eine und dieselben Angelegenheiten haben können , so würde ich doch selbst der Achtung , die du mir eingeflößt hast , zu nahe treten , wenn ich dich eines unzeitigen Stolzes , und eines übermüthigen Vergessens jener Empfindungen fähig hielte , die dir noch vor einigen Monaten wichtig waren . In dieser schönen Zuversicht wage ich es , noch einmal an dich zu schreiben , und vor deiner Abreise von Nikomedien mein Andenken bei dir zu erneuern . Du stehst nun am Ziele deiner Wünsche . Heil dir , meine geschätzte Freundin ! Und möge die Gegenwart und Zukunft deinem Herzen mit Wucher die Leiden der Vergangenheit lohnen ! Daß ich mich innig deines Glückes erfreut , daß ich warme Gebete für dein Wohl zum Himmel gesandt , wirst du mir glauben ; denn du konntest es voraussetzen . Wenn diese auch vor einem andern Altar , zu einer andern Gottheit emporstiegen , so wird doch , was auch deine Meinung von ihrem Erfolg seyn mag , deine Meinung über die Absicht derselben gewiß richtig seyn . Ja , dauerndes Glück , wie es dein Herz verdient , hat deine Freundin für dich erflehen wollen ; und wenn mein Gebet nicht ganz verworfen wird , so muß es dir wohl ergehen . In meiner Lage hat sich , seit ich Synthium verließ , wenig geändert . Ich lebe still und verborgen . Meine Ansprüche auf Glück in jedem Sinne des Wortes sind längst aufgegeben , ich verlange nichts als Ruhe und Vergessenheit , und das hoffe ich noch zu erreichen . Meine Freuden bestehen darin , daß ich Zeugin der häuslichen Zufriedenheit einer schätzbaren Familie bin , die mich als eines ihrer Glieder betrachtet , und mich mein Alleinseyn in der Welt , so wenig als möglich , fühlen läßt . Ihnen wieder Freude zu machen , ist mir eine süße Pflicht , und so wage ich es , dir eine Bitte vorzutragen , deren ich schon in meinem ersten Brief erwähnte , und deren Erfüllung du mir so gütig zugesichert hast . Es war bald nach meiner Ankunft in Nicäa einmal die Rede von dem feierlichen Tag in Nikomedien , als der Tribun die Siegesbotschaft brachte . Ich erzählte , daß ich eine wohlgelungene Zeichnung dieser Scene gesehen , und mit Vergnügen die Richtigkeit der Umgebungen sowohl als den Ausdruck der Leidenschaft auf den Gesichtern der versammelten Menge bewundert hätte . Mein gütiger Hauswirth , der selbst Kenner und Künstler ist , äußerte den lebhaften Wunsch , dies Blatt zu sehen . Ich schwieg , weil ich die Schwierigkeiten wohl einsah , die seiner Erfüllung im Wege standen ; indessen hielt ich es für meine Pflicht , wenigstens Meldung davon zu machen , und ersuche dich nun , dich für mich , oder vielmehr für den achtungswerthen Lysias bei der schönen Calpurnia zu verwenden , und uns die Zeichnung für einige Tage zu senden . So bald sie gesehen und bewundert seyn wird , soll es mein angelegentlichstes Geschäft seyn , sie so wohlbehalten und schnell als möglich wieder zurückzustellen . Ich fühle wohl , daß meine Bitte etwas unbescheiden ist ; aber ich hoffe , der Zweck derselben wird sie bei Calpurnien entschuldigen , und den Unmuth mildern , der vielleicht in die Seele deiner reizenden Freundin gegen mich entstehen könnte . Leb ' wohl ! 63. Sulpicia an Theophania . Nikomedien , im December 302 . Wenn schon der bloße Anblick deiner Briefe hinreicht , mir ein angenehmes Gefühl zu geben , so ist ihr Inhalt immer von der Art , um mein Gemüth auf ' s anziehendste zu beschäftigen . Der letzte traf mich in einer der seltenen einsamen Stunden , wo ich , müde von Pracht und gehaltlosem Gepränge , mich mit Lust in