Lehrmeistern vorgesprungen sind . Da ich des Timanthes erwähnt habe , darf ich nicht vergessen , daß er sich diesen ganzen Monat über zu Milet aufgehalten hat , um das Gemälde zu vollenden , womit er zu Samos um den Preis streiten will . Ich habe mich , wie du denken kannst , um seine Freundschaft beworben ; Lais begegnet ihm mit ausgezeichneter Achtung , und er fehlt nie bei den Symposien , die sie den vorzüglichsten Männern , Einheimischen und Fremden , welche sich hier aufhalten , häufig zu geben pflegt . Zur Erkenntlichkeit hat er sie mit einem kleinen Gemälde beschenkt , worauf Hebe der Götterkönigin eine Schale mit Nektar reicht , und in dieser die schöne Lais , in jener die liebliche Musarion unverkennbar ist , wiewohl ihm keine von beiden gesessen hat . Ehe ich dieses Stück sah , hatte ich keinen Begriff davon , daß man gemalten Augen so viel Geist , gemalten Lippen und Wangen eine so herzgewinnende Beredsamkeit geben , und aus dem Ganzen einer nachgeahmten Gestalt einen so täuschenden Widerschein des unsichtbaren Innern hervorleuchten lassen könne . Ich müßte mich sehr irren , oder hier ist mehr als Parrhasius . - Timanthes würde sich auch ohne sein Talent in jeder guten Gesellschaft als ein vorzüglicher Mensch ausnehmen ; so wie unter seinen Kunstverwandten wenige seyn mögen , die mit so viel Ursache zum Stolz eine so edle Art von Bescheidenheit besitzen wie er . Aus unsrer Vaterstadt , lieber Aristipp , habe ich kürzlich so gute Nachrichten erhalten , daß die immer näher rückende Aussicht an meine Zurückkunft mich erfreuen würde , müßt ' ich mich nicht von so manchen liebenswürdigen Personen trennen , die ich in Griechenland zurücklassen werde , mit der Gewißheit sie nirgends wieder zu finden , als vielleicht da , wo der arme Kleombrot zu frühzeitig hingegangen ist . 60. Hippias an Aristipp . Kaum kann ich glauben , daß die schöne und - allzuweise Lais im Ernst zu wissen verlange , was ich von dem Phädon des jungen Platon halte . Wenn sie ihn ( was ich doch voraussetzen muß ) gelesen hat , so kann sie sich selbst am besten sagen , ob sie durch die vorgeblichen Beweise der Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit der Seele , die er seinem Meister in den Mund legt , überzeugt ist oder nicht . Ich für meine Person erinnere mich nicht , in meinem ganzen Leben etwas Frostigeres und weniger Befriedigendes über diesen Gegenstand gehört oder gelesen zu haben . Wahrlich es steht schlecht mit der Hoffnung derer , die sich ewig zu leben wünschen , und weil das Recept zu Medeens Kräuterbad verloren gegangen ist , und die Quelle der Jugend erst noch entdeckt werden soll , kein andres Mittel , ihres Wunsches theilhaft zu werden , sehen , als nach dem Tode in einer unsichtbaren Welt ein neues Leben zu beginnen - es steht ( sage ich ) schlecht um ihre Hoffnung , wenn sie auf keinem festern Grunde ruht , als auf der Behauptung : » es müsse auf den Tod ein neues Leben folgen , weil das Erwachen aus dem Schlaf entstehe , und beides eine nothwendige Folge davon sey , daß jedes Ding , dem etwas entgegen gesetzt ist , aus diesem Entgegengesetzten entspringe . « Was wird die Nachwelt ( wofern dieses Platonische Machwerk seinen Schöpfer überleben sollte ) von Sokrates und von denen , die ihn für einen Weisen hielten , denken müssen , wenn sie liest , daß er ein paar Stunden vor seinem Tode seine besten Freunde , lauter gesetzte und zum Theil schon bejahrte Leute , mit so läppischen Fragstücken , wie man sie etwa an ein Kind von drei Jahren thun könnte , unterhalten habe ; und sollte sie wohl glaublich finden , daß so verständige junge Männer , wie Cebes und Simmias , sich diese kindische Art von Belehrung hätten wohlgefallen lassen ? Oder was denkst du daß man zu einem Dialog , im Geschmack der kleinen Probe , die ich mir ( wundershalben ) abzuschreiben die Mühe geben will , sagen werde ? Sokrates ( zu Cebes ) . Was meinst du , Cebes , ist irgend etwas dem Leben so entgegengesetzt als das Schlafen dem Erwachen ? Cebes . Allerdings . Sokrates . Was denn ? Cebes . Gestorben seyn . Sokrates . Entstehen nicht beide aus einander entgegen gesetzten Dingen , und muß es nicht mit ihren respectiven Entstehungen ( geneseis ) eben dieselbe Bewandtniß haben ? Cebes . Wie könnt ' es anders ? Sokrates . Ich will dir nur das eine Paar der so eben genannten Dinge sagen , so wohl sie selbst als ihre Entstehungen ; und du sagst mir dann das andere . Ich setze also , schlafen und wachen , und nun sag ' ich : aus dem Wachen entsteht das Schlafen , und umgekehrt aus dem Schlafen das Wachen , und ihre Entstehungen sind , vom einen das Einschlummern , vom andern das Aufwachen . Hab ' ich es deutlich genug gesagt oder nicht ? Cebes . Sehr deutlich . Sokrates . Nun sage du mir auch , wie es sich mit dem Leben und dem Gestorbenseyn verhält . Sagst du nicht , daß Leben das Gegentheil sey von Gestorbenseyn ? Cebes . Allerdings . Sokrates . Und daß sie aus einander entspringen ? Cebes . Ja . Sokrates . Was wird also aus dem Lebenden ? Cebes . Das Gestorbene . Sokrates . Und aus dem Gestorbenen ? Cebes . Nothwendig muß man bekennen , das Lebende . Sokrates . Diesem nach , mein lieber Cebes , entstehen die Lebenden aus den Gestorbenen ? Cebes . So scheint es . Sokrates . Unsre Seelen sind also im Hades ? Cebes . Man sollt ' es denken . Sokrates . Und , was ihre beiderseitigen Entstehungen betrifft , liegt nicht die eine klar am Tage ? Denn Sterben ist doch etwas Augenscheinliches ; oder nicht ? Cebes . Ganz gewiß