nicht bleiben . “ „ Ich will zu meinem Manne ! “ sagte Eugenie rasch . „ Zu – Ihrem Manne ? “ wiederholte Ulrich . „ So ? “ Es war das erste Mal , daß die junge Frau diese Bezeichnung gebrauchte ; sie hatte sonst immer nur von Herrn Berkow oder ihrem Gemahl gesprochen , und Ulrich schien zu ahnen , was in diesem einen Worte lag . In der ersten Ueberraschung hatte er wohl nicht daran gedacht , wie sie so plötzlich hierher kam und weshalb es möglicher Weise geschehe ; jetzt warf er einen schnellen Blick auf ihre Reisekleidung und einen zweiten umher , wie um den Wagen oder die Begleitung zu suchen . „ Ich bin allein , “ erklärte Eugenie , die diesen Blick auffing , „ und eben das verbietet mir die Fortsetzung des Weges . Ich fürchte nicht die Gefahren , wohl aber die Beleidigungen , denen ich ausgesetzt sein könnte . Sie haben mir einst Ihren Schutz und Ihre Begleitung angeboten , Hartmann , wo ich dessen nicht bedurfte ; jetzt nehme ich Beides in Anspruch . Führen Sie mich sicher nach dem Hause gegenüber ! Sie können es . “ Der Schichtmeister hatte bisher angstvoll bei Seite gestanden ; er erwartete jeden Augenblick ein Attentat seines Sohnes gegen die Gemahlin des so sehr gehaßten jungen Chefs und war bereit , sich im Nothfalle dazwischen zu werfen . Er konnte die Ruhe und Sicherheit der jungen Frau einem Manne gegenüber nicht begreifen , den sie doch so gut wie alle Welt als den eigentlichen Anstifter des ganzen Aufruhrs kannte ; als sie nun aber gar dies Verlangen an ihn stellte , sich seinem Schutze anvertrauen wollte , da verließ den alten Mann die Fassungskraft ; er schaute förmlich entsetzt auf sie hin . Aber auch Ulrich war furchtbar gereizt durch diese Zumuthung . Der flüchtige Schimmer von Milde und Nachgiebigkeit war bereits wieder verschwunden und der alte herrische Trotz zurückgekommen . „ Ich soll Sie hinüberführen ? “ fragte er mit dumpfer Stimme . „ Und von mir verlangen Sie das , gnädige Frau , von mir ? “ „ Von Ihnen ! “ Eugenie ließ das Auge nicht von seinem Gesichte . Sie wußte , daß darin ihre ganze Macht lag , aber hier schien sie denn doch an der Grenze derselben zu stehen . Ulrich fuhr auf wie ein Rasender . „ Nun und nimmermehr ! Eher lasse ich das Haus stürmen , lasse Alles in Grund und Boden reißen , ehe ich Sie hinüberbringe . Er da drüben soll wohl Muth bekommen zum äußersten Widerstande , wenn er Sie erst an der Seite hat ? Er soll wohl triumphiren , wenn er sieht , daß Sie ganz allein aus der Residenz herreisen und mitten durch die Revolte zu ihm wollen , nur um ihn nicht allein zu lassen ? Aber dazu suchen Sie sich doch einen anderen Führer , und fände sich der andere , “ hier streifte ein drohender Seitenblick den Vater , „ er käme nicht weit mit Ihnen ; dafür sorge ich . “ „ Ulrich , um Gotteswillen bezähme Dich , es ist eine Frau ! “ rief der Schichtmeister , in Todesangst dazwischen tretend . Er sah in dieser Scene natürlich nur den Ausbruch einer schonungslosen Feindseligkeit , die sein Sohn schon lange gegen die ganze Berkow ’ sche Familie genährt , und deshalb stellte er sich wie zum Schutze gegen die junge Frau , die ihn leise , aber entschieden zurückdrängte . “ „ Sie wollen mich also nicht begleiten , Hartmann ? “ „ Nein und zehnmal nein ! “ „ Nun denn , so gehe ich allein ! “ Sie wandte sich nach der Richtung des Parkes hin ; aber mit zwei Schritten hatte Ulrich sie erreicht und stellte sich ihr in den Weg . „ Zurück , gnädige Frau ! Sie kommen nicht durch , sage ich Ihnen , am wenigsten da , wo meine Cameraden sind . Ob Frau oder nicht , das gilt ihnen jetzt gleich . Sie heißen Berkow und das genügt ihnen . Sobald Sie erkannt werden , stürzt sich Alles gegen Sie . Hinüber können Sie jetzt nicht und hinüber sollen Sie auch nicht . Sie bleiben hier ! “ Es war ein drohender Befehl , den er ihr mit den letzten Worten zuschleuderte , aber Eugenie war nicht gewohnt , sich befehlen zu lassen , und die fast wahnsinnige Heftigkeit , mit der er sich bemühte , sie von Arthur fern zu halten , rief eine namenlose Angst in ihr wach , es könne schlimmer um ihn stehen , als man sie errathen ließ . „ Ich will zu meinem Manne ! “ wiederholte sie mit voller Energie . „ Ich will doch sehen , ob man mir mit Gewalt den Weg zu ihm versperrt . Lassen Sie Ihre Cameraden sich an einer Frau vergreifen ! Geben Sie selbst das Zeichen zum Angriff , wenn Sie die Heldenthat auf sich nehmen wollen ! Ich gehe ! “ Und sie ging wirklich ; sie eilte an ihm vorüber und betrat den Wiesenpfad . Hartmann stand da und sah ihr mit glühenden Augen nach , ohne auf die Bitten und Vorstellungen seines Vaters zu hören ; er wußte besser als dieser , was die junge Frau mit diesem Wagniß beabsichtigte , wozu sie ihn damit zwingen wollte , aber er wollte diesmal dem Zwange nicht weichen . Und wenn sie zu Grunde ging an der Schwelle ihres Hauses , im Angesichte ihres Gatten , ehe er sie selbst in die Arme des Gehaßten führte , ehe – da erschien drüben eine Schaar von Bergleuten , die lärmend und tobend ihrem Führer nachzogen . Die Vordersten waren nur noch einige Hundert Schritte weit entfernt ; schon fiel die einzelne Frauengestalt ihnen auf ; in der nächsten Minute mußte sie erkannt werden , und er selbst hatte die Leute noch vor einer halben Stunde bis zur blinden