werden konnte , blieben sie mit offenem Mund und starren Augen stehen . Da saß der Vater auf dem Sofa und neben ihm ganz rot , ganz verweint und doch lächelnd , ihre Hand in des Vaters Hand , ihren Kopf an seiner Schulter , die Tante – die Tante Hede . Und Karoline flüsterte dem Mariechen etwas ins Ohr und verschwand dann , die Thür hinter sich zuziehend . Das Kind stand noch einen Augenblick , dann lief es zu Hede . die es lachend und weinend auf den Schoß hob . „ Ist ’ s wahr , daß du meine Mama wirst ? “ „ Ja ! Ja ! Kommt her ! “ rief der Oberförster . „ Die Tante will es , sie will bei uns bleiben – das schenke ich euch zu Weihnachten , Kinder , eine neue Mama , eine Mutter ! Und er stand auf und hob seinen Jungen empor und setzte ihn neben Hedwig , und dann zog er seine Aelteste heran . „ Dir hat sie am meisten gefehlt , Große , freust du dich denn auch ? “ Das Kind aber barg den Kopf an des Vaters Brust und fing an zu weinen . „ Ich hab ’ mir ’ s doch schon zum Geburtstag gewünscht “ , sagte sie . „ Und nun hört ! Heute abend bringt das Christkind euch nichts , ich will Tante Hede hinaufbegleiten sie muß ihrem Bruder erzählen , daß sie eure Mutter werden will . Aber morgen , dann zünden wir beide euch den Baum an . Ihr werdet nachher recht vergnügt und artig zu Bette gehen und euch auf morgen freuen . In Anbetracht der neuen Mama wurde die hinausgeschobene Christbescherung genehmigt , und nach einigen Minuten gingen Oberförster Günther und Hede Kerkow nebeneinander durch die Dunkelheit der heiligen Nacht . Droben im Erker brannte das einsame Lichtlein wie immer , im Doktorhause war alles dunkel , nur über ihnen flammten die Sterne , diese ewigen Weihnachtslichter . Er hatte ihre Hand genommen und atmete hörbar . „ Hede , sagte er gepreßt , „ mir ist , als habest du Schweres zu überstehen heute – dein Bruder – “ „ Sei ohne Sorgen – er braucht mich nicht , “ antwortete sie . Aber auch ihr klopfte das Herz . Dann nahmen sie Abschied für heute abend . „ Ich danke dir ! Ich danke dir , “ sagte er leise , „ mögest du es nie bereuen ! “ „ Ich danke dir “ , antwortete sie hell und fröhlich . Du weißt nicht , du weißt ja nicht , wie arm und heimatlos ich war , wie reich ich jetzt bin wie lieb ich dich habe ! “ Er wollte sie an sich ziehen , aber sie hielt ihn zurück . „ Mehr als du mich ! “ setzte sie leise hinzu , „ viel mehr ! “ „ Nein ! “ sagte er . „ Wirklich ? “ „ Ja , Hedwig ! Ich habe dir ja alles gebeichtet , du vermagst dir nicht vorzustellen wie ich mich nach dir gesehnt habe , all die Zeit her . “ „ Aber – ? “ Sie wandte den Kopf und sah bang zu dem dunklen Hause hinunter , in dem sie Aenne wußte . „ Das ? Das ist ausgekämpft , Hede , und jetzt ist ’ s klar in meiner Seele , und so ruhig , so tief innerlich froh und friedlich fühle ich mich . “ „ Leb ’ wohl “ , flüsterte sie gerührt , „ auf morgen ! Leb ’ wohl ! “ Sie sahen sich ein Weilchen in die Augen , dann zog er sie an sich und küßte sie . Heinz , der sonst kaum sah und hörte , ob die Schwester im Zimmer sei oder nicht , vermißte sie heute . Vielleicht waren die Kerzen des Weihnachtsbaumes schuld daran , daß er die Zusammengehörigkeit mit ihr wieder fühlte , die Erinnerung an die süße , gemeinsam verlebte Kinderzeit ! Er wartete , zuerst ungeduldig , dann ward er unruhig , einigemal pochte er an die Thüre ihres Zimmers – vergebens . Wundern konnte er sich nicht , wenn sie eine wärmere Atmosphäre aufsuchte als die , welche hier herrschte , indes heute , heute am Weihnachtsabend ? Und wo mochte sie sein ? Vielleicht bei Mays ? Aber es sah ihr gar nicht ähnlich , sich an solchen Festtagen in intime Familienkreise zu drängen . Möglicherweise auch hatte sie ein paar Arme , denen sie bescherte . Er erinnerte sich , daß sie immer nähte und strickte in letzter Zeit , wenn er sie sah . Es konnte auch sein daß sie bei ihren ehemaligen Pfleglingen sich befand , lieber Gott , warum auch nicht , wenn ’ s nur nicht gerade heute gewesen wäre ! Das alte Schloß war so spukhaft still an diesem Abend . Das Dienstmädchen saß vermutlich beim Punsch in der Dienerstube , die im Souterrain lag . Eine Viertelstunde lang hatte das mächtige Geläute der Schloßkirche die Zimmer durchtönt , und ihn hatte es unterhalten . „ Ist er fortgegangen ? “ „ Is mich nich bewußt . “ „ Weil du slapen hast , oller Dooskopp , “ erklärte Karoline , „ dat Füer is och nt . Nu seid ihr ganz still , wandte sie sich an die Kinder , „ ich denk ’ mir , der Vater is schon in der guten Stube beim Ehrstand – ich will ’ mal nachsehen . Und damit ging dies drollige , gute , dummdreiste Menschenkind in die Schlafstube des Oberförsters , hob den Vorhang vor dem Thürfenster und lugte in ihres Herrn Zimmer . Sie hätte beinahe einen Juchzer ausgestoßen , aber sie besann sich noch , biß sich auf den Finger und focht mit den Armen wie toll in der Luft herum , vor Wonne über das , was sie sah . Dann schlüpfte sie leise davon