, solche klugen Wesen , wie wir waren , belehren zu wollen , wenn sie selbst doch so unwissend sei . « » Ja , das thaten wir ! und Theodor , weißt du noch , wie ich dir immer half , deinen Hofmeister , den blassen , grauen Mr. Vining zu peinigen und zu verfolgen ? Den kranken Zukunftspastor , wie wir ihn nannten ? Er und Miß Wilson nahmen sich die Freiheit , sich ineinander zu verlieben – wenigstens bildeten Theodor und ich uns das ein ; wir fingen verschiedene zärtliche Blicke und Seufzer auf , die wir als Anzeichen der › belle passion ‹ deuteten . Und ich kann Sie versichern , das Publikum profitierte gar bald von unserer Entdeckung ; wir brauchten sie wie eine Art Krahn , um unseren Ballast aus dem Hause herauszuhissen . Meine gute Mama dort , sobald sie einen Wink von der Geschichte bekommen hatte , fand bald heraus , daß die Sache eine unmoralische Tendenz hatte . Nicht wahr , meine süße Lady-Mutter ? « » Gewiß , meine Beste . Und ich hatte auch recht . Verlassen Sie sich darauf . Es giebt tausend Gründe , weshalb eine Liaison zwischen der Gouvernante und dem Hofmeister in einem wohlgeregelten Haushalte nicht geduldet werden sollte ; erstens also – « » Um der Barmherzigkeit willen , Mama ! Verschone uns mit dem Herzählen der Gründe ! Du reste , wir kennen sie ja alle : die Gefahr des schlechten Beispiels für die Unschuld der Jugend ; Zerstreuung und darauf folgende Vernachlässigung der Pflichten seitens der Verliebten – gegenseitiges Bündnis und Unterstützung ; daraus entspringende Sicherheit – in Begleitung von Frechheit – Empörung , Meuterei und allgemeiner Krach ! Habe ich nicht recht , Baronin Ingram von Ingram-Park ? « » Meine reine Lilie , du hast auch jetzt recht , wie immer . « » Verlieren wir also kein Wort mehr darüber . Sprechen wir von etwas anderem . « Amy Eshton , die dieses Diktum nicht gehört oder nicht beachtet hatte , fiel in ihrem sanften , kindlichen Tone ein : » Louisa und ich pflegten unsere Gouvernante auch zu quälen , aber sie war ein so liebes , gutes Wesen , sie ertrug alles , nichts konnte ihre gute Laune stören . Sie war niemals böse mit uns , nicht wahr , Louisa ? Niemals . « » Nein , niemals ; wir konnten thun , was wir wollten ; ihren Nähtisch und ihr Schreibpult durchstöbern und ihre Schiebladen umkramen und das unterste nach oben kehren ; und sie war immer gutmütig , sie gab uns alles , was wir verlangten . « » Ich vermute , « sagte Miß Ingram , indem sie die Lippen sarkastisch verzog , » daß wir jetzt einen Auszug aus den Memoiren aller lebenden und gewesenen Gouvernanten zu hören bekommen . Um einer solchen Heimsuchung zu entgehen , bringe ich noch einmal wieder die Besprechung eines neuen Themas in Anregung . Mr. Rochester , stimmen Sie meinem Vorschlage bei ? « » Madam , ich unterstütze Sie in dieser Hinsicht wie in jeder anderen . « » Dann möge mir also gestattet sein , damit zu beginnen . Signor Eduardo , sind Sie heute Abend bei Stimme ? « » Donna Bianca , wenn Sie befehlen , werde ich es sein . « » Dann Signor , hört also meinen königlichen Befehl , Eure Lungen und anderen vokalen Organe herauszuputzen , da sie in meinem königlichen Dienste gebraucht werden . « » Wer möchte nicht der Rizzio einer solchen göttlichen Maria sein ? « » Was soll mir Rizzio ! « rief sie , den Kopf in den Nacken werfend , so daß alle Locken flatterten , als sie ans Klavier ging . » Meine Meinung ist , daß der Fiedler David ein alberner Geselle gewesen sein muß . Mir gefällt Bothwell besser . Ich liebe keinen Mann , der nicht ein wenig vom Teufel in sich hat ; und die Geschichte mag von James Hepburn sagen , was sie will – ich bilde mir ein , daß er gerade der wilde , trotzige Banditenheld war , den ich zu heiraten eingewilligt haben würde . « » Meine Herren , Sie hören ! Wer von Ihnen hat am meisten Ähnlichkeit mit Bothwell ? « rief Mr. Rochester . » Ich möchte fast glauben , daß Sie diesen Vorzug genießen , « antwortete Oberst Dent . » Bei meiner Ehre , ich bin Ihnen sehr verbunden , « lautete die Antwort . Miß Ingram , die jetzt mit stolzer Grazie am Klavier Platz genommen hatte und ihre schneeweiße Robe in königlichem Faltenwurf um sich ordnete , begann nun ein brillantes Präludium , indem sie weitersprach . Sie saß an diesem Abend augenscheinlich auf dem hohen Pferde ; sowohl ihre Worte wie ihre Miene schienen nicht allein die Bewunderung sondern auch das Erstaunen ihrer Zuhörer herausfordern zu sollen . Augenscheinlich wollte sie einen blendenden , verblüffenden Eindruck auf sie machen . » Ach , ich bin der jungen Männer von heute so müde ! « rief sie aus , indem sie weiter über die Tasten rasselte . » Arme , kranke , verzärtelte Dinger , die nicht imstande sind , einen Schritt über die Pforten von Papas Park hinauszuthun ; die ohne Mamas Erlaubnis und Schutz nicht einmal so weit zu gehen wagen ! Kreaturen , die durch die Sorge um ihre hübschen Gesichter und ihre weißen Hände und ihre kleinen Füße vollständig in Anspruch genommen werden ! Als wenn die Männer überhaupt etwas mit Schönheit zu thun hätten ! Als wenn die Lieblichkeit nicht die besondere Prärogative der Frauen wäre – ihre rechtmäßige Apanage und ihr Erbteil ! Ich gebe zu , daß ein häßliches Weib ein Flecken auf dem schönen Gesicht der Schöpfung ist . Ein Mann aber soll nur sorgen , daß er Tapferkeit und Mut und Kraft besitzt ! Laß ihr Motto sein : Jagd , Kampf , Schlacht ! «