beugte sich über sie , denn er hätte laut nicht zu sprechen vermocht : » Ich - ich wüßte eine Heimat für Sie , Norina ! « Ihre Tränen versiegten im Augenblick ; sie richtete das bis in die Lippen erblaßte Antlitz zu ihm auf , ein : » O , nicht doch - nicht doch ! « mühsam hervorstoßend . Ihre Augen waren ganz erfüllt von Angst . Da zog er die Türe leise hinter sich zu und ging in sein Zimmer . Sein Zimmer ? ! dachte er bitter . Schon hatte Miß Maud die Möbel dafür gewählt . Ihr Schlafzimmer sollte es werden . Das neue Geschlecht der Savellis , blauäugig , mit derben Knochen , würde darin das Licht florentinischen Himmels erblicken . Die ganze öde Kahlheit des Raumes legte sich ihm erkältend aufs Herz . Dort stand sein Koffer - ob es nicht das beste wäre , gleich zu gehen ? Hochseß erwartete die leitende Hand des Herrn . Ihm grauste , wenn er an das Schloß seiner Väter dachte , wo niemand ihn empfangen würde als die grauen Fräuleins . Und er konnte nicht fort - konnte nicht ! Zu tief hatten Herz und Geist hier Wurzel geschlagen . Er mußte sie mit sich nehmen können , - auf diesen beiden starken Armen ! Sie unlöslich mit sich verbinden : Fiorenza - Norina ! Sie zur Mutter seiner Kinder machen : eines neuen Geschlechts der Hochseß , durchglüht von dem ewigen Lichte dieser Stadt . Ihre Abwehr war keine Ablehnung , nur Überraschung gewesen ! Ihre Angst nur ein Erschrecken ! Vielleicht auch ein Erschrecken darüber , daß die neue Heimat , die er ihr bot , mit einer Trennung von der alten gleichbedeutend war . Er lag die ganze Nacht wach , grübelnd , rechnend , bis er gegen Morgen mit einem Lächeln auf den Lippen einschlief . Sein Entschluß war gefaßt : Sie sollte die Heimat nicht verlieren . Er ging früh aus , ohne zu sagen , wohin , und erzählte bei Tisch , als wäre es die gleichgültigste Sache der Welt , daß er soeben den Palazzo Ritorni gekauft habe . Erstaunt ließ der alte Graf Messer und Gabel sinken , groß und dunkel ruhten Norinas Augen auf ihm , die kleine Maud dagegen , die eine Trennung von ihrem Carlo immer weniger aushielt und regelmäßig zum Lunch aus dem Hotel herübergelaufen kam , hörte nicht auf , zu lachen und zu kichern . » Ich bin nun doch einmal zur Hälfte Florentiner , « sagte Konrad ruhig , » und brauche darum eigenen Boden unter den Füßen . « Man besprach die Angelegenheit mit größtem Eifer . Nur Norina beteiligte sich nicht an der Unterhaltung . » Wir wollten morgen nach Montebuoni , Frau Marchesa , « redete Konrad sie an , als sie sich nach Tisch in der dunkelsten Ecke des roten Saales niedergelassen hatte . Sie überhörte seine Bemerkung . » Wie wird der alte Ritorni dieses letzte Opfer ertragen ? « frug sie , ganz in der Haltung einer Dame , einem völlig Fremden gegenüber . » Jedenfalls besser , als wenn er seinen Palazzo morgen den Gläubigern hätte überlassen müssen , « entgegnete Konrad verletzt und wandte sich ab . Sie sprachen an diesem Tage nicht mehr miteinander . Erst am Abend - Konrad wollte sich mit einer gemessenen Verbeugung eben verabschieden - streckte sie ihm die Hand entgegen und sagte mit offenem Blick : » Nicht wahr , wir gehen morgen nach Montebuoni ? « Statt aller Antwort drückte er einen langen Kuß auf ihre schmale Rechte und fühlte dabei , wie ihre Pulse klopften . Es war die zweite Nacht , in der Konrad nicht schlief . Er meinte sogar , noch nie so wach gewesen zu sein , denn Tageshelle lag auf dem Wege vor ihm . Immer wieder sah er nach den Sternen , ob auch keine Wolke sie verdeckte , und als der Morgen zu grauen begann , fürchtete er stets aufs neue , an der Bläue des Himmels zweifeln zu müssen . Und dann , als der erste Sonnenstrahl bis hinab in die dunkle Tiefe der Straße sprang , konnte er das Wunder kaum fassen . Über Nacht , so schien es ihm , hatte sich auch der Garten drüben verwandelt ; das Weiß runder Schneeballen wetteiferte mit dem fließenden Gelb des Goldregens , und üppig blühende Zweige dunkelroter Rosen fielen furchtlos über die schwarze Mauer . Er rief Giovanni . » Wenn wir fort sind , - die Frau Marchesa und ich , « sagte er , » so besorge so viel an Rosen , als du bekommen kannst , mein guter Alter . Ihr Zimmer soll eine Laube sein , wenn sie heimkehrt . « » So viel der alte Giovanni bekommen kann ? « wiederholte der , als hätte er nicht recht verstanden . » Sieben Rosen fand ich , nur sieben Rosen , - schneeweiße . Die legt ' ich Monna Lavinia in die gefalteten Hände . Jetzt gibt es keine mehr . « Mitleidig streichelte ihm Konrad den armen Kopf . » Er hat heute seinen wirren Tag , « dachte er und ging selbst noch rasch zum Blumenhändler . Am frühen Nachmittag - die Luft bebte von der Glut , die sie erfüllte - fuhren sie fort . Sie kamen an der Certosa vorüber , wo die weißen Mönche in ihren Zellen wohnen , aus Erkerfenstern die strahlende Ferne betrachten und zwischen Mauern ihr eigenes kleines Gärtchen bestellen oder unter schattenden Kreuzgängen hin und wieder wandernd , schweigsam meditieren . » Warum es für die Mönchszeiten des Lebens , die jeder hat oder haben sollte , nicht überall solche Zufluchtsstätten gibt ? « sagte Konrad . Norina lächelte ihn an : » Nicht wahr ? ! Wie oft schon dachte ich ' s ! Für schwangere Frauen baut man schon stille Heime , wo sie ihr größtes Erlebnis in Ruhe erwarten können ;