» Oh ? - Nun ! Rede ! Du machst mich neugierig , Jungherr ! « » Was da um eines nichtigen Anfangs willen aufsteigt über Land und Menschen meiner Heimat - Herr - das ist eine Wetterwolke , aus der es : Geißelschläge regnen wird . So , Herr , wie heute der Hagel über die Früchte von tausend Äckern fiel . « Erheitert lachte Herr Ludwig . » Mein lieber Jungherr Someiner ! Gedulde dich in deinem heldenhaften Erbarmen , bis du weißt , wer die Hiebe bekommen hat . « Er rief mit starker , ungeduldiger Stimme : » Wolfl ! « Der Kämmerer trat in die Stube . » Bringe diesen müden Jüngling zu einem guten Bett ! Fünf Stunden kann er schlafen . Alles Weitere hörst du noch . « Und zu Lampert , der bleich geworden war bis hinter den goldbetreßten Halsrand des roten Hofkleides , sagte der Herzog liebenswürdig : » Gott befohlen , Jungherr ! Es war mir eine Freude , dich kennenzulernen . Die Gelegenheit wird sich ergeben , daß wir uns wiedersehen , um tapfere Worte zu wechseln . Grüße mir das schöne Berchtesgaden ! « Während Lampert zur Türe ging , hörte er den alten Gleslin flüstern : » Herr ! Das war keine Stimme der Furcht . Das ist Herz und ehrlicher Mut gewesen . « Der Herzog lachte . » Ja , ja , ja , lieber Gleslin ! Du hast recht , ich weiß . Du bist ein großer Menschenkenner . Ich bin das Kind ! Aber Kinder wollen ihren Willen haben . Komm und schreib die Briefe an meine Hauptleute , an den Balthasar Muracher von Aichach , an den Frauenberger , an den Pfleger von Wasserburg - « Draußen im Prunksaal , ganz verloren , streichelte Lampert mit seiner zitternden Hand die Stirnen der beiden Hunde , die ihm ihre Köpfe hinstreckten . Man führte ihn zu einer hübschen Stube , in der ein Mahl bestellt und ein Bett gerichtet wurde . Mit seinem Arm war ' s besser seit dem heißen Bad . Aber seine Kehle schmerzte , immer mußte er husten . Als er allein war , stand er noch lang an dem kleinen Fenster und sah über Gewirr der spitzen Dächter , über Mauern und Basteien , über das bleiche der Donau und über Felder und Wälder hinaus in den sinkenden Abend . Die südliche Ferne , in der seine Heimat lag , war überhangen von einem Wuste finsteren Gewölks . In der dunkel gewordenen Stube warf er sich auf die Polster hin . Unter einem Wirbel schmerzender und sehnsüchtiger Gedanken drückte ihm die körperliche Erschöpfung einen bleiernen Schlaf auf die Lider . Während der ganzen Nacht ging über das kleine Fenster ein mattes , vom Mondschein gedämpftes Wetterleuchten des nach Süden gezogenen Gewitters . Um die dritte Morgenstunde ritt Lampert Someiner mit den dreißig Gepanzerten durch das Donautor . Der steife Moorle zottelte leer zwischen den schweigenden Reitern . Lampert saß auf einem guten Gaul , und über den eignen Kleidern , die wieder trocken waren , trug er als Botengabe des Herzogs eine feingeschmiedete , flämische Plattenrüstung , dazu einen Helm mit zwei Fasanenflügeln . In der dunstigen , vom Mondschein grünlich getönten Höhe funkelten noch die letzten müden Sterne . Gegen Osten und Süden standen dicke Wolkenwände , von den glühenden Streifen des Morgenrotes gesäumt und durchädert . Als hinter den Reitern das Rauschen der Donau versank , war in der grauen Morgenstille nur noch Lamperts bellender Husten , das Hufgeklapper der schweren Rosse und das taktmäßige Klirren des vielen Eisens . Bald näher , bald wieder ferner , sah man auf dem sanft gehügelten Gelände einzelne Reitet jagen , die zwischen dunklen Waldflecken auftauchten , sich schwarz vom hell werdenden Himmel abhoben und wieder verschwanden . Das waren Herzog Ludwigs Boten , die mit den Briefen zu seinen Städten und Burgen ritten und nach allen Richtungen die Funken des aufbrennenden Krieges trugen . 12 In der tobenden Gewitternacht , die über die Berge gekommen war , hatten die Menschen zu Berchtesgaden keinen Schlaf gefunden . Nicht , weil ruhelos der Regen prasselte und wütende Donnerschläge die Lüfte füllten . Die Frauen und Mädchen hatten beklemmende Träume hei wachen Augen . Viele von ihnen flüchteten trotz Regen und Finsternis zu versteckten Tälern oder kletterten bei Laternenschein zu entlegenen Almhütten hinauf , um sich zitternd im Bergheu dunkler Dachböden zu verkriechen . Außer den Alten , und Kranken blieben nur ein paar Lustige , die dem Schicksal trotzen wollten , und die von Sehnsucht erfüllten Häßlichen , die dem Feinde einen minder wählerischen Geschmack zutrauten , als ihn die Berchtesgadnischen Mannsleute bewiesen hatten . Es , blieben auch die tapferen Mütter , die kein Schmachgedanke von ihren hilflosen Kindern trennen konnte , und die braven Frauen , in denen das Pflichtgefühl stärker war als die Angst vor dem unausbleiblichen Feinde . Eine von diesen Frauen war die Amtmännin Someiner . Sie hatte in dieser Nacht sehr viel zu tun . Es blieb ihr keine Zeit , an den Feind zu denken . Und daß sie ihren Buben weit vom Schuß wußte - dieser Trost half ihr die Sorge tragen , die ihr die plötzliche Erkrankung ihres Mannes verursachte . Herr Someiner war seit dem verwichenen Mittag ein schwer Leidender . Das stand außer Zweifel . Er lag zu Bett , mit häufigen Unterbrechungen , und litt entsetzliche Qualen . Sei es , daß der ehrenfeste Ruppert sich eine rapid wirkende Erkühlung zugezogen hatte - sei es , daß ihm der ruhelose Gedanke an seine Amtsentsetzung gleich einem giftigen Wurm das Leben benagte oder daß ihm sein schlechtes , von siebzehn lebendigen Ochsen und vielen erschlagenen Menschen bedrücktes Gewissen die Eingeweide belastete - so oder so , er fühlte sich seinem letzten Stündlein erschreckend nahe gerückt . Kein Warmbier mit Muskatnuß , kein heißer Wein mit Zimtrinde wollte helfen . Immer wieder erneute sich das heimtückische Leiden . Den drohenden