seinen saubern Kumpan , einen emeritierten Leutnant , besuchen wollen , und den mag ich nicht sonderlich leiden . Nahm daher meinem Mann das Schuhwerk weg , daß er daheim bliebe . Doch mein Zorn ist wie ein Hagelwetter ; rasch vorüber geht ' s , und dann scheint die Sonne . Mein Männchen hat mir versprochen , zur Nacht daheim zu sein , und da hab ich ihm seine Schuh gegeben . « Ich fand das ganz in Ordnung , erlaubte mir aber die Frage : » Nichts für ungut , ehrsame Frau Rittmeister ! Wie kommt es nur , daß Ihr Eheherr , eine so heroische Natur , sanfter als ein Lamm ist , wenn Ihr ihm entgegentretet ? « - » Ha , das will ich Ihm erzählen , « schmunzelte die Frau . » Wir haben gleich am ersten Tage unserer Ehe durch einen Zweikampf entschieden , wer das Kommando hat . « - » Zweikampf ? « staunete ich . » Allerdings ! « versetzte sie . » Höret zu ! Wir waren also ein neugebacken Paar , hatten die erste Nacht zusammen im Rittmeisterzelte verbracht , und das Frührot lugte herein . Da ruft mein Mann seinen Kommißjungen , der soll einen Prügel beschaffen . Der Junge geht , und da ich mir einbilde , der arme Schelm solle die Schläge bekommen , so bitte ich für ihn . Mein Hochzeiter aber spricht : Nicht für ihn sind die Prügel . Meine Liebste weiß ja , daß jedermann im Regiment prophezeiet , Sie werde die Hosen tragen . So aber soll es bei uns nicht sein . Drum will ich Ihr beizeiten mit dem Prügel weisen , wer dem andern über ist . Indem kommt der Junge und legt mit verschmitztem Lächeln den Prügel auf den Tisch . Wie er wieder hinausgeht , merke ich , daß vor dem Zelte ein paar Offiziere lauschen , von meinem Hochzeiter hinbestellt , auf daß sie Zeugen seien , wie er seine Frau zum Gehorsam ziehe . Da geht mir meine Galle über , und wahrlich alsdann ist mit mir nicht gut Kirschen essen . Ehe sichs mein Mann versieht , habe ich den Prügel erfaßt und wische ihm eins über den Kopf , daß er dürmelt wie ein geschlagener Ochs . Beim Kragen schmeiß ich ihn zum Zelt hinaus , daß er lang hinschlägt und als ein Betäubter von seinen Kameraden mit Wasser wieder zu sich selbst gebracht werden muß . Ja , ja , so bin ich , und so hab ich meinen Mann gekirrt , daß er seitdem meinen Widerspruch , wo ich ihn für gut befinde , mit gebührender Sanftmütigkeit entgegennimmt . « Diese Geschichte hatte für mich das Gute , daß ich nach einer langen Zeit des Grams wieder einmal empfand , was lachen heißt , und vom Hinstarren auf mein trüb Geschick abgelenket ward . Mit meinem Beinschaden ging es aber so schlecht , daß sich die Entzündung steigerte . Rittmeister Schulte holte einen Wundarzt aus Rostock , der schnitt an mir herum und stellte die Prognose , daß ich vor Herbst das Bein nicht werde brauchen können . In der Tat , erst als der rauhe Wind das verblichene Laub von den Bäumen riß , konnte ich humpeln . Wie dann mein Fußgelenk hinreichend erstarkt war , besuchte ich die Stelle , wo mein Pferd zu Fall gekommen . Um die See zu betrachten und dabei meinen Gedanken nachzuhängen , setzte ich mich auf einen der großen Steine , die hier lagen . Über den Sand zu meinen Füßen spülte die Welle , floß dann zurück und schlug mit der nächsten Welle schäumend zusammen . Und es war das Heer von schwarzen , schäumenden Wellen anzuschauen wie ein Volk von Eisenrittern , gekrönt mit weißen Federn , zum Kampfe heransprengend . Seltsamer Kampf , ohne Ziel , ohne Sinn ! Mein Auge starrte dorthin , wo Meer und Himmel sich berühren . Und sieh , auf der düstern Schneide unter finstern Wolkenballen schwebete ein Segel . Du armer Kahn , auf den Wogen wankend , bist du ein Bildnis meiner Liebe . Ins Ungewisse treibst du dahin , und wie rasch haben Sturm , Woge , Klippe dich zertrümmert . Alsdann aber , ach wofür ist dann mein Kämpfen gewesen ? Ist es nicht umsonst , wie dies Branden der Flut wider den Strand ? Und lohnt es sich , nach dem Scheitern meiner Hoffnung noch länger dies wüste Spiel des Lebens zu treiben , all das grausige Streiten , Blut , Angst und Schuld weiter auf mich zu nehmen ? - Ein Auge fühlte ich auf mir ruhen , und mit einem süßen Schauder vermeinete ich zuerst , Thekla betrachte mich mit dem Blicke , den sie mir in der Gefangenschaft gespendet . Dann aber sah ich , daß aus dem Gewölk der Abendstern winkete , den sie auch den Stern der Meere heißen . Ach Liebe , daß du wankest auf den Wogen , Ein morscher Kahn , Zerfetzt das Segel , steuerlos gezogen Auf Nebelbahn . Des Tages Herz ist blutig hingesunken In düstre See . Wo bist du , armer Kahn ? Zerschellt , ertrunken ? Ach Lieb , ade ! Nun will auch ich hintaumeln und versinken In feuchte Gruft . Doch warnt ein Stern , der Meere Stern , mit Winken Aus blauem Duft : » Nur Unrast wirf hinab , die eiteln Sorgen Der wüsten Welt ! Dein Lieben gib empor ! Es sei geborgen Im Sternenzelt ! Was in der Zeiten Brandung ging verloren , Muß nichtig sein . Ein Herz allein , dir liebend eingeboren , Bleibt ewig dein . Und schlug es auch an deinem nur für Stunden , Doch Reim bei Reim Seid ihr dem Chor der Seligkeit verbunden Und seid daheim . « Das neunte Abenteuer Wie das Lichtreich aus der Goldhöhle kam Was im Traumgesicht der qualvollen Nacht mein Vater mir verheißen , hat sich erfüllt .