hinein . Ohne doch zu sehen . So war er erfüllt . Er begann die Landschaft fröhlich zu rühmen und rühmte das seltene Glück solchen Aufenthaltes . Nicht mit lauten Worten . Mit einer Art , die sich launig und leise nur hinausgab , vorsichtig die Eindrücke ertastend , aber mit einem Gefühl der sicheren Frische jetzt aus einer Welt , die ihm deutlich im Auge stand . Erst lange nach seinen Worten hatte er die junge Frau in dunklen Flören neu angesehen . Da erst begann er zu merken , daß er in eine weihevolle Ruhe mit seiner Freude hineingesprochen . Er sah sich die neu Angekommenen jetzt noch einmal wie absichtslos behutsam an . Indes er nun auch stumm der gleichgültig gewichtigen Rede lauschte , womit die alte Baronin die entstandene Pause der Unterhaltung , ganz in fernliegenden , selbstgefälligen Erinnerungen aus ihrer Mädchenzeit befangen , auszufüllen sich bemühte . Und Einhart vergaß sich dabei ganz in dem Anblick Verenas . Es däuchte ihn , daß er noch nie eine solch erschrockene Scheu , eine solche rosige , stille Heilige mit Augen gesehen . Und daß er noch nie ein solches erzitterndes Glück aus einer Menschenstimme je hallen gehört , als Verena mit leisem Worte zum Aufbruch mahnte . Er war gleich völlig betroffen . Und er ging zurückhaltend und in Gedanken mit bis zum Schloßportal , wo die Wagen standen und warteten . Die alte Gräfin Schleh schritt auf dem abendbeglühten Kieswege neben Verena . Man sah , daß sie zutraulich zu der jungfräulichen Trauerfrau redete . Die Gräfin sprach von Einharts Kunst . Sie machte Rühmens . Verena erinnerte sich ferne manches aus des Meisters Werkstatt , das sie früher angesehen . Sie erinnerte sich wohl auch seines ausgezeichneten Namens . Sie stieg nicht gleich in den Wagen ein , den der Diener eine Weile geöffnet hielt . Man legte ihr einen weichen , langen Pelzmantel um , wobei auch Komtesse Josepha Verena liebend behilflich war . Verena sah erstaunt zu Einhart hinüber , der zurückstand . Und weil ihn die jugendliche Hoheit ihrer Schwermut gleichermaßen wie der andächtige Rätselton ihrer Stimme und ihr blasses , köstliches Haar unversehens hingerissen , fehlte nicht viel , daß er sich ihr plötzlich leidenschaftlich genähert . Aber er stand doch nur ernst und aufgerichtet und grüßte nur mit einer fast kindlichen , tiefen Verbeugung . 7 Einharts Art zu erleben war in diesen ersten Tagen wie immer heiß und sonderbar . Die erste Nacht im Schlosse konnte er lange keine Ruhe finden . Es war eine stille , ziemlich dunkle Reifnacht , darin die Zweige von der Kälte knickten und fielen . Er hatte lange am Fenster gestanden und in die unbestimmten Dämmer auf den grauen Wiesen hineingesehen . Die Sterne waren spitz und klein und gaben nur wenig Schein auf die Erde . Und Einharts treibende Erinnerungen kamen in ihm auf und trieben hin mit zerfließenden Säumen leicht wie Nebelfrauen . Er sehnte sich . Er begann unbestimmt nach etwas zu trachten und dachte an dies und das , was vergangen war mit Sturmeseile und zerschellt , wie ein bekränztes Boot an einer Nebelklippe . Das Schloß lag in tiefer Stummheit . Da , hinter den hohen Bäumen , die wie Schattenkuppeln hoch ragten , dehnte sich ins Ungewisse die lautlose Steppe , von seinem Auge jetzt ungesehen . Und doch seinem Lauschen ganz nahe . Daß sie in seinem Blute wie der ewige Ton einer Muschel sang und summte von der Freiheit , die dort gebreitet lag . Und in Einharts Auge , das sich halbschließend ein Spiel machte , zu träumen , stiegen die Dunkelheiten in Gestalt auf und schwanden langsam vorüber . Einhart stand am offenen Fenster , darein der Nachthauch quoll und wie ein Ruch von verwelkendem Laube . Er fühlte auch , daß er ein wenig fröstelte . Aber die dunkle Nacht , in die er ganz für sich sengend hineinsah , hatte tausend Gesichter . Da kamen viele , die gestorben waren und verweht . Warum kamen sie in dieser Stunde ? Da kam allerlei springendes Volk , und verhuschend schienen die Glanzlichter kindlicher Blicke vorüberzuziehen . Seiner Mutter heißes Augenfeuer begann lange wie ein Stern im Dunkel vor ihm zu brennen . Einhart hatte wohl nie im Leben geweint . Er hätte jetzt vielleicht zum ersten Mal eine Träne gehabt , wenn nicht sein Auge sich gleich dem wirklichen Nachtbilde draußen noch weiter aufgetan . Draußen fielen im Scheine des Lichtes , das von hinter ihm in die hohen Kronen der Weymutskiefern blassen Glanz warf , einige blinkende Zweige nieder , und es klang wie zerbrochen . Der knickende Laut weckte ihn einen Augenblick aus seiner tiefen , traumumfangenen Erstarrung . Warum er nur so unruhvoll umfangen war von Vergangenem ? Er hatte sich mit einem wahren Herzenshunger zu sehnen angefangen . Es waren alles Ungewißheiten , wie oft bei Einhart . Es waren Träume , die leibhaftig aufwuchsen . Es waren Visionen , die ihn jetzt plötzlich zu zerreißen begannen . Alles Vergangene lebt wer weiß wo in einem fernen Reiche immer lebendig und kann wohl in Stunden der Qual oder der Ahnung wie ein Reigen uns umtanzen und uns bedrängen . Einhart sann nach . Da standen auch aufrecht manche Menschen , die er nie gekannt . Deutliche , klare Gesichter unter denen , die ihm einmal nahe gewesen . Das Gesicht eines alten Schiffermannes hob sich vor ihm aus der Dämmerung so hell im Nachtgewirr , daß er wie gebannt dem großen , klaren Auge wie in den Grund sah . Einhart konnte gar nicht der Gedankenspiele Herr werden . Er kannte das Gesicht nicht , das vor ihm gestanden und das jetzt vergangen war mit Blitzesschnelle . Als wenn man es plötzlich wie ein Licht ausgelöscht . Dann besann er sich , weil er immer noch den Mund sprechen hörte von Sehnsucht . Etwas war jetzt in ihm nur brennende Sehnsucht . Er dachte zurück an Johanna