heran , zog meinen Kopf an sich und küßte mich auf beide Wangen und dann noch auf die Stirn . Dann fuhr sie unter Thränen fort : » Wer war es , der dich jetzt mit den Lippen berührte ? Nicht Hanneh , das Weib von Hadschi Halef Omar , des Scheikes der Haddedihn ! Der Kuß dieser Frau könnte dir nichts nützen trotz aller Liebe und Dankbarkeit , die sie in ihrem Herzen für dich pflegt . O , mein Sihdi ! O , mein Effendi ! Ich wußte , daß du uns allen teuer bist , aber wie , wie , wie teuer , das wußte ich noch nicht ! Das habe ich erst jetzt begriffen , wo du , von Todes Hand noch festgehalten , mit einem Lächeln auf mich niederblickst , so schwach , so matt und doch so lieb und gut , daß es mir das Herz zerreißen will ! Kara Ben Halef , mein Sohn , tritt herbei , und leg deine Hände auf das Haupt dieses Mannes , der zu uns kam , um uns allen nichts als nur Liebe , Liebe , Liebe zu erweisen ! « Er biß die Zähne zusammen , um nicht lautauf zu weinen ; aber seine Lippen zitterten und seine Augen standen voll Wasser . Er legte mir nicht nur die Hände sondern auch die Wange auf den Kopf ; er hatte mich lieb , so recht von ganzer Seele lieb . Da faltete seine Mutter ihre Hände und sprach weiter : » Sihdi , ich segne dich ! Ich segne dich nicht so , wie andere segnen . Ich gebe dir mehr , als was nur ich dir geben könnte . Ich segne dich durch die Hände meines Kindes , auf dem der Segen seines Vaters und seiner Mutter liegt . Dreifach also ist der Segen , der auf dir ruhen soll in alle Ewigkeit ! « Da erklang die tiefe , klare Stimme des Ustad , der , von uns unbemerkt , hinter uns an der Säule gestanden hatte : » Nicht nur dreifach soll er sein , und nicht nur gesegnet sollst du haben , sondern auch gesegnet werden ! « Er trat aus der Halle heraus , breitete seine Hände über sie und fuhr fort : » Ich sehe dich heut zum erstenmal , und doch ist es mir , als seist du mir schon längst , schon längst bekannt . Ich höre , daß du Hanneh bist , unsers Hadschi Halef Weib ; aber für mich und uns bist du in diesem Augenblicke mehr . Du bist die Seele des weiblichen Geschlechtes , die aus der Höhe niederstieg , um Geist in Seele zu verwandeln . Wie hast du mich gerührt ! Wie ward mein Herz bewegt von deinem Herzen ! Es wallt in mir ein großes Wünschen auf , für welches ich das rechte Wort nicht finde . Du , eines Moslem Weib , verurteilt zu des Harems Einsamkeit , hast einem Nasarah90 gegenüber dies Gesetz gebrochen , um dem höheren des Herzens zu gehorchen . Wie wert muß doch sein Christentum deines dreifachen Segens sein ! Und so gern , wie es noch nie geschah , will ich für dich zu Chodeh beten , an dir zur Wahrheit zu machen , daß , wer da segnet , selbst gesegnet wird ! « Sie schaute zu ihm auf , aus weitgeöffneten Augen , mit einem langen , langen Blicke . » Bist du der Ustad ? « fragte sie . » Man nennt mich so , « antwortete er . » Du sagtest , es sei dir so , als habest du mich schon längst gekannt . Habe nicht auch ich dich schon gesehen ? Doch wo und wann ? Ich kann mich nicht besinnen . In diesen Bergen ist es nicht gewesen . Du hast den Gebieter meines Stammes und meines Zeltes bei dir aufgenommen . Ich danke dir ! Erlaubst du mir , daß ich jetzt zu ihm gehe ? « » Ich führe dich , « antwortete er . » Der Pedehr ist bei ihm . Doch , meine Tochter , bist du stark genug , den Hadschi so zu sehen , wie man nur Leichen sieht ? « Da richtete sie sich auf . Ihre Augen blitzten . Sie war ganz Entschlossenheit . » Kennst du das Weib , Ustad ? « fragte sie . » Ich kenne es , « lächelte er , » und ich sehe , daß du es bist ! « » Vielleicht erschrecke ich , doch eine Klage wirst du nicht aus meinem Munde hören . Auch mein Sohn ist stark . Komm , Kara , laß uns zum Vater gehen ! « Welch eine Frau ! Der Ustad ergriff ihre Hand , um sie zu leiten . Sie gab die andere Kara ; so gingen sie hinein . Ich horchte . Sie schritten langsam nach der Ecke , in welcher Halef lag ; dann war es still , kein Wort , kein Laut zu hören . Wie war sie über mein leidendes Aussehen erschrocken ! Halefs Anblick aber war noch schlimmer . Und doch diese Ruhe hinter mir ! Ich wiederhole : Welch eine Frau ! Ich schaute den Dschamikun zu , welche Karas Dunkelbraunen und die beiden Kamele abgeschirrt hatten und ihnen nun Wasser und Futter gaben . Aber meine Gedanken waren natürlich weniger dort als in der Halle am Lager des Freundes . Erst nach langer Zeit hörte ich wieder Schritte . Der Pedehr kam zu mir . » Sie ist eine Heldin und ihr Sohn ein Held , « flüsterte er mir zu . » Sie sind bei ihm . Auch der Ustad wird bleiben , denn wir vermuten , daß Halef bald erwachen werde . Ich sah , daß sich die Falten seiner Stirn bewegten . « » Und ich ? Darf ich hinein ? « fragte ich . » Ich bitte dich darum . Er darf