Wer hat dich hereingelassen ? fragte er mich . Ich fand keine Antwort . Meine Zunge gehorchte mir nicht . Indem ich ihn anschaute , zitterte ich am ganzen Körper . Du bist Tänzerin ? - Ja , Majestät . - Dann tanze . Er stand auf und drückte auf einen elektrischen Knopf , und eine Musik ertönte , ebenso zauberhaft wie die Art , durch die sie hervorgebracht war . Es war , wie wenn ein ganzer Wald mit seinen Mysterien sich in die Höhe hebt und zu singen und zu jauchzen anfängt . Ich tanzte also . Anfangs kam es mir vor , als wenn ich mein Bewußtsein verloren hätte und leblos hinschwebte , aber dann ging eine außerordentliche Verwandlung mit mir vor . Ich spürte den Boden nicht mehr und nicht mehr die Luft , und obwohl es eine Musik war , nach der vielleicht niemand in der Welt sonst zu tanzen vermocht hätte , fühlte ich doch , daß alles was Nerv und Bewegung heißt , gerade in ihr lag . Der König schien überrascht . Das Höhnische , Verächtliche und Finstere verschwand von seinem Gesicht ; zuletzt versank er in tiefes Träumen und seine Augen schauten schmerzlich in die weite Ferne . Als die Musik schwieg , stand er auf und reichte mir die Hand , die ich küßte . Wer bist du ? fragte er . Alles was Majestät aus mir machen will , erwiderte ich . Er zuckte zusammen . Majestät , Majestät , murmelte er . Bald nicht mehr Majestät . Bald nur noch Hund vor dem Tor , bettelnder Hund . Majestät ! Jedes Glied einzeln gebunden , jeden Finger verschnürt , jedes Wort beschmutzt , jede Tat bekläfft , das nennst du Majestät . Anfangs hab ' ich dem Volk vertraut . Aber die Seele des Volkes ist so tief , daß man sie auf den Knien suchen muß . Ich habe mir den Kopf zerschunden an den Mauern dieses Landes . Alle diese Hände , die du um mich siehst , haben die Zeit wohl benutzt , mich zu verunreinigen . Um Land und Volk und Freund bin ich betrogen worden und muß schweigen und darf nicht einmal Frieden haben in der Einsamkeit . Ich bin um meine Würde betrogen worden und du nennst mich Majestät . Was ist Majestät heute , daß sie sich beugen muß vor einem Krämer , der in einer guten Stunde unter Beihilfe seiner Schwäger und Tanten Minister wurde und zufrieden das christliche Hausbrot ißt ? Eine schöne Majestät , die sich der Kirche opfern soll und keine Hand rühren darf ohne den Pfaffen . Wäre ich doch jung gestorben , damals als ich noch glaubte , König zu sein , ein Volk zu besitzen . Wäre ich doch gestorben ! Geh ' fort , Weib , verlasse mich . Das waren seine Worte , Agathon . Zuletzt war seine Stimme heiser geworden vor Zorn und Scham . Seine Augen hatten sich noch vergrößert und die Brust arbeitete so heftig wie unter anstürmendem Wind . Ich konnte nicht mehr hören , nicht mehr sehen , ich folgte seinem Wink und eilte hinaus . Ich sah im Saal , der gegen den linken Flügel führte und als Audienzraum benutzt wurde , sechs bis acht vornehme Herren mit feierlichen Gesichtern , auch einige Offiziere . Sie betrachteten mich voll Staunen . Es war die Deputation des Adels , die Abgesandten vom Hof . Sie wollten den König zur Vernunft bringen , Agathon . Bald darauf geschah etwas Schreckliches . Der Adjutant erhielt den Befehl , niemand vorzulassen und stand mit gezogenem Seitengewehr vor der Flügeltür . Er verweigerte der Deputation den Eintritt . Mitten in dem heftigen Hin- und Herreden erschien der König unter der Türe . Er hatte die Schloßwache und die Diener herbeigerufen . Ein Diener sagte mir , daß der Ausdruck seines Gesichts so schrecklich gewesen sei , daß niemand mehr zu atmen , geschweige denn zu sprechen gewagt habe . Mit vernehmlichen Worten befahl der König den Soldaten , die Abgesandten zu binden und ihnen die Augen auszustechen . Noch bin ich der König ! rief er aus und erhob die Hand . Die Abgesandten wurden von unbeschreiblicher Furcht gepackt . Die Soldaten wagten sich dem Befehl nicht zu widersetzen und wagten nicht zu gehorchen . Der König war seiner nicht mehr mächtig . Er lief auf und ab wie ein wildes Tier , erhitzt und schnaufend , ballte die Fäuste , rollte die Augen , bis es seinem Adjutanten gelang , ihn in eines der Seitengemächer zu führen . Aber der König ließ die drei Saaltüren versperren und vor jeder Türe zwei Posten mit aufgepflanztem Bajonett patrouillieren . Die Deputierten schwebten in Todesangst . Nun verstoß der ganze Nachmittag , ohne daß irgend etwas sich ereignete . Man sagte mir , der König liege wie gebrochen auf einem Ruhebett . Am Abend kam eine berittene militärische Abteilung mit einem Oberst . Er hatte ein Dekret , das ihm Zugang zum König verschaffen mußte . Ein Arzt begleitete ihn . Die Abgesandten wurden befreit . Kurze Zeit darauf bestieg der König den Wagen , und in Begleitung der Berittenen wurde er als Gefangener nach Schloß Berg am Starnberger See gebracht . So ist es zugegangen , Agathon . Ich bin nicht mehr , was ich gewesen bin , ich habe mich verloren . Ich weiß nicht mehr , was ich denken soll , was ich tun soll , mein Hirn ist wie zerfressen . Daß dieser Mann verbluten soll , werde ich nie verwinden können . Er war zur Größe und zum Licht und zur Schönheit geboren und alle Dämonen der Finsternis haben sich geeinigt , ihn in den Schmutz zu zerren . « Agathon starrte in das dunkler werdende Zimmer . Auf einmal trat er einen Schritt zurück , streckte die Hände aus und lispelte verstört . So stand er und seine Gestalt schwankte . Er sah den König mit dem