er Willy lachend zu und drückte ihm den Rubin in die Hand . » Da hast du was ! Nimm ! Laß dir einen Ring daraus machen oder eine Nadel ! Aber zeig ' mir ein lustiges Gesicht ! « Willy erhob sich und guckte wie ein Träumender auf den Stein , der gleich einem großen erstarrten Blutstropfen auf seiner flachen Hand lag . » Geh vor die Tür hinaus ins Licht , « sagte Graf Egge , » dann siehst du sein Feuer besser . « Willy trat ins Freie ; doch er hielt über dem Stein die Hand geschlossen und spähte gegen den Steig . » Ob er die Alm schon erreicht hat ? « Hastig schob er den Rubin in die Westentasche und rannte zu der Graskuppe , auf der die Holzbank unter den Fichten stand . Von hier aus konnte er den Steig im Tal auf eine weite Strecke übersehen . Der Pfad war leer . Tassilo hatte die steilen Almhänge schon hinter sich und näherte sich der ersten Sennhütte . Hier , unter dem vorspringenden Dach , saß Franzl auf einem Holzblock , die Büchse über den Knien , die Stirn in die Hände gedrückt ; er sah erst auf , als ihm Tassilo die Hand auf die Schulter legte ; erschrocken erhob er sich . » Wahrhaftiger Gott ! Jetzt kommen S ' wirklich daher ! Aber Herr Tassilo ! Wie können S ' denn um meintwegen - « » Kommen Sie , lieber Hornegger ! « Tassilo ging voran , Franzl folgte . So schritten sie , jeder mit seinen wirbelnden Gedanken beschäftigt , dem tieferen Bergwald zu . Noch ehe der Abend kam , erlosch die Sonne hinter schweren Wolken , die das letzte Blau verhüllten . Im Wald bewegte sich kein Zweig . Kein Vogel sang . Drei Stunden waren die beiden gewandert , und vom See herauf tönte schon das Rauschen des Wetterbaches . Da hörte Tassilo hinter sich den Schritt des Jägers verstummen , und als er sich umblickte , sah er Franzl vor einer alten Buche knien , den entblößten Kopf gesenkt , vor der Brust die gefalteten Hände . Tassilo schien zu empfinden , was dem Jäger , der vor dem » Marterl « seines Vaters kniete , in diesem Augenblick das Herz erfüllen mochte ; er nahm den Hut ab , trat an Franzls Seite und betrachtete den grün gekleideten Mann , den die kindliche Malerei des Bildchens zeigte : starr ausgestreckt mit einem roten Kreuzlein über der Stirn . Franzl hatte sein Gebet beendet und bekreuzte Gesicht und Brust ; doch er erhob sich nicht , ließ nur die Hände sinken und bewegte langsam die Lippen , als läse er die Inschrift des Täfelchens : » Hier an dieser Stelle wurde Anton Hornegger , gräflich Egge-Sennefeldischer Förster , am heiligen Johannistag erschossen aufgefunden . « Ein Zittern überlief den Jäger , der das Gesicht in die Hände drückte . Vor seinen Gedanken stand das Bild jenes Abends , an dem sie den Vater auf Stangen getragen brachten , mit der roten Wunde auf der Brust . Er sah den Jammer seiner Mutter wieder - und wieder regte sich in ihm die Ahnung , die ihn seit Jahren nie verlassen hatte : daß der Mörder noch unter den Lebenden wäre . Es mußte einer sein , der drunten im Dorfe saß - , so weit über die Grenze verirrt sich kein fremder Wildschütz . Vielleicht war es einer , der seit Jahren an Franzl mit freundlichem Gruß vorüberging , im Herzen die Furcht und den versteckten Haß . Und nun soll , wie die anderen im Dorf , auch dieser eine die Nachricht hören , die morgen wie ein Lauffeuer umfliegen wird : Der Hornegger ist nimmer Jäger , ist entlassen , vom Grafen davongejagt ! Wie wird dieser eine aufatmen , erlöst von seiner jahrelangen Furcht ! Wie wird er lachen in der Schadenfreude seines heimlichen Hasses - Da erlosch in Franzl plötzlich das quälende Denken . Wie zum Greifen wirklich sah er vor seinen Augen einen stehen : mit dünnem Lächeln auf den grauen Lippen , in den halb geschlossenen Augen einen funkelnden Blick , so heiß , wie ihn nur die Freude des befriedigten Hasses kennt . Ein Schauer rüttelte die Schultern des Jägers . Keuchend drückte er die Fäuste an seine Stirn . » Hornegger ? Was ist Ihnen ? « fragte Tassilo . Taumelnd erhob sich Franzl . » Ich bin verruckt ! In mir steigen Gedanken auf - ich kann mir nimmer helfen . Und da soll ich nunter ins Ort und soll - « Die Stimme versagte ihm fast . » Was wird d ' Mutter sagen ! Mar ' und Josef ! Den Vater haben s ' ihr am Schragen bracht . Und ich komm so daher ! Davongjagt mit Schimpf und Schand , als hätt ' ich ' s ärgste Verbrechen angstellt ! « Tassilo hatte Mühe , die Erregung zu beschwichtigen , die aus dem Jäger herausbrach . Franzl wurde ruhiger , je länger Tassilo zu ihm redete , und schließlich bat er reumütig : » Sind S ' mir net harb , Herr Graf , daß ich Ihnen solche Unglegenheiten mach ! « Aber die Gedanken , die ihn vor dem Marterl seines Vaters befallen hatten , wollten nicht mehr von ihm lassen . Während des Niederstieges zum Wetterbach hörte Franzl nur mit halbem Ohr auf Tassilos Zusage , daß er einen guten Posten für den Jäger zu finden hoffe . Franzl erwachte erst aus seiner Verlorenheit , als er das Dorf überblicken konnte ; das erste Gehöft , das ihm in die Augen fiel , war das Brucknerhaus . Ein schwerer Atemzug hob seine Brust . » Da wird ' s jetzt schlecht ausschauen ! Mit uns zwei ! « Trotz dieser hoffnungslosen Stimmung fuhr ihm eine merkwürdige Eile in die Beine . » Ich lauf a bißl voraus , « sagte er ,