leben noch - eine breiige , blutige Masse , aber » leben noch « . Und noch gibt es Höllischeres als Alles dies : es ist das Erscheinen des niederträchtigsten Abschaums der kriegführenden Menschheit - der Schlachtfeld-Hyäne . » Das schleicht herbei , das die Leichenbeute witternde Ungetüm , beugt sich über Tote und noch Lebende herab und reißt ihnen die Kleider vom Leibe . Erbarmungslos . Die Stiefeln werden vom blutenden Bein , die Ringe von der verwundeten Hand gezogen - oder um den Ring zu haben , wird der Finger einfach abgeschnitten ; und wenn sich das Opfer wehren will , dann wird es von der Hyäne gemordet oder - um nicht einst wieder erkannt zu werden - sticht sie ihm die Augen aus ... « Ich schrie laut auf . Bei des Doktors letzten Worten hatte ich die ganze Scene wieder mitangesehen , und die Augen , in welche die Hyäne ihr Messer gebohrt , das waren Friedrichs blaue , sanfte , geliebte Augen ... » Verzeihen Sie mir , gnädige Frau , aber Sie haben es gewollt ... « » Ja , ja - ich will Alles hören . Was Sie da beschrieben haben , war die Nacht , welche auf die Schlacht folgt - diese Scenen haben sich bei Sternenschein abgespielt - « » Und bei Fackelschein . Die vom Sieger zum Durchsuchen des Schlachtfeldes ausgeschickten Patrouillen tragen Fackeln und Laternen . Und rote Laternen ragen an Signalstangen empor , um die Orte zu bezeichnen , an welchen fliegende Hospitäler errichtet worden sind . « » Und der nächste Morgen - wie zeigt der die Wahlstatt ? « » Beinah noch fürchterlicher . Der Gegensatz von dem helllächelnden Tagesgestirn zu der grausigen Menschenarbeit , die es beleuchtet , wirkt doppelt schmerzlich . Des Nachts hatte das ganze Schreckbild etwas gespensterhaft-phantastisches , bei Tag ist es einfach - trostlos . Jetzt erst sieht man die Massenhaftigkeit der umherliegenden Leichen : auf den Straßen , zwischen den Feldern , in den Gräben , hinter Mauertrümmern ; überall , überall Tote . Geplündert , mitunter nackt . Eben so die Verwundeten . Diese , welche trotz der nächtlichen Arbeit der Sanitätsmannschaften noch immer in großer Zahl umherliegen , sehen fahl und verstört aus , grün und gelb , mit stierem , stumpfsinnigem Blick ; oder aber unter wütenden Schmerzen sich krümmend , flehen sie Jeden an , der in die Nähe kommt , daß er sie töte . Schwärme von Aaskrähen lassen sich auf die Wipfel der Bäume nieder und verkünden mit lautem Gekrächz das lockende Festmahl ... Hungrige Hunde aus den Dörfern kommen herbeigerannt und lecken das . Blut der Wunden . Noch sieht man einige Hyänen , welche noch immer hastig weiter arbeiten ... Und jetzt kommt das große Begraben - « » Wer thut das ? - Die Sanität ? « » Wie könnte die zu solcher Massenarbeit ausreichen ? Die hat bei den Verwundeten vollauf zu thun . « » Also kommandierte Truppen ? « » Nein : herbeigeschafftes oder auch freiwillig heranlaufendes Gesindel : Landstreicher , Leute vom Troß , welche sich bei den Marketenderbuden , bei den Bagagewagen aufhielten , und welche jetzt neben den Bewohnern der Armenhäuser und der Hütten von den Militärgewalten herbeigetrieben werden , um Gräber zu graben - recht große , das heißt - weite Gräber , denn tief werden sie nicht gemacht . Dazu wäre keine Zeit . Dahinein wirft man die toten Körper - kopfüber , kopfunter , wie es gerade kommt . Oder man macht es so : über einen aus Leichen gebildeten Haufen wirft man ein bis zwei Fuß hoch Erde hinauf ; das sieht dann auch aus wie ein Tumulus . Ein paar Tage darauf kommt ein Regen und spült die Hülle von den verwesenden Leichnamen weg - aber was liegt daran ? Die flinken und lustigen Totengräber denken nicht so weit . Lustige und flotte Arbeiter sind sie , das muß man ihnen lassen . Es werden da Lieder gepfiffen und allerlei zweideutige Witze gemacht - ja mitunter tanzt eine Hyänenrunde um das offene Grab . Ob in manchen Körpern , die da hinabgeschleudert oder mit Erde verschüttet werden , noch Leben sich regt - darum kümmern sie sich auch nicht . Der Fall ist unvermeidlich , denn Starrkrampf tritt bei Verwundungen häufig auf . Manch zufällig Errettete haben von der Gefahr des Lebendig-begraben-werdens , der sie entronnen , erzählt . Aber wie Viele giebt es derer , die nichts erzählen konnten ? Wenn man einmal ein paar Fuß Erde über dem Mund liegen hat , so muß man den Mund wohl halten . « ... O mein Friedrich , mein Friedrich ! stöhnte es in meiner Seele . » Das ist das Bild des nächsten Morgens , « schloß der Regimentsarzt . » Soll ich noch weiter erzählen , was den nächsten Abend geschieht ? Da wird - « » Das will ich Ihnen sagen , Herr Doktor , « unterbrach ich . » In eine von den beiden Hauptstädten der beteiligten Reiche ist die telegraphische Nachricht des glorreichen Sieges angelangt . Da wurde vormittags - während des Hyänentanzes um die Gruben - in den Kirchen » Nun danket Alle Gott « gesungen und abends - da stellt die Mutter , oder das Weib eines lebendig Begrabenen ein paar brennende Kerzen auf den Fenstersims , denn die Stadt wird beleuchtet . « » Ja , gnädige Frau , diese Komödie wird zu Hause aufgeführt . Indessen , auf dem Schlachtfeld selber ist mit dem zweiten Sonnenuntergang die Tragödie noch lange nicht abgespielt . Außer Denjenigen , welche in die Lazarethe und in die Gräber untergebracht worden , gibt es noch die Ungefundenen . Hinter dichtem Gebüsch , in hohen Ährenfeldern , oder zwischen Bautrümmern verborgen , sind sie den Blicken der Krankenträger und Totengräber entgangen . Für jene Unglücklichen beginnt nun das Martyrium einer mehrere Tage und mehrere Nächte langen Agonie : in der sengenden Hitze des Mittags , in den