Dame » von Vergangenheit « . Für diesen Adel mußte er sich bedanken , wenn er sein Glück im Auge haben und seine Zukunft bedenken wollte . Uebrigens - die Idee war gar nicht so übel , war im Gegentheile ganz famos : er verschaffte Irmers das Geld und - kaufte sich damit los . Natürlich ! So ließ sich die Geschichte dengeln - und Jeder machte seinen Profit dabei . Zudem waren ja auch noch tiefere psychische Gründe vorhanden , aus welchen eine Ehe mit Hedwig ein Experiment sehr problematischen Charakters war . Ergo ! Warum sollten denn diese » tieferen psychischen Gründe « nicht auch mitzusprechen haben ? Man hatte sie einmal ein Bissel ignorirt - eh bien ! einmal darf man sich das schon erlauben . Aber um so deutlicher nur fühlt und begreift man hinterher , daß jene Gründe berechtigt sind und berücksichtigt werden müssen , wenn man keine unfreiwilligen Karrikaturen in die Welt setzen will . Also er - Adam - besorgte die Loskaufungssilberlinge . So viel stand fest . Es war nur die Frage : wie ? Ja ! Wie - ? Aber eigentlich war es ja doch am Bequemsten , sich an Frau Lange zu wenden . Am Bequemsten ? Das allerdings gerade nicht . Allein was blieb ihm denn weiter übrig , als dieses Experiment zu machen , wenn er von der Leimruthe , auf der er vorläufig wirklich verflucht festsaß , überhaupt herunterwollte - ? Doch nein ! Das war doch Unsinn . Hatte er Frau Lange gegenüber denn nur ein Fünkchen von Recht zu dieser Bitte ? Und dann - : wollte er seine Beziehungen zu Hedwig nicht aufdecken , mußte er es sich gefallen lassen , daß Lydia annahm , selbst wenn er äußerlich noch so glaubwürdige Ausflüchte versuchte - : er selber sei der eigentlich Bedürftige - und in diesem Lichte durfte er unter keiner Bedingung vor ihr stehen , am Allerwenigsten , wenn er an seinen Hoffnungen , sie noch einmal als seine - nun ! eben als seine » Gattin « zu sehen , festhielt - was ja in seiner Absicht lag . Wie also aus der schweinemäßig impertinenten Zwickmühle herauskommen ? Es war wieder ' nmal rein zum Verzweifeln . Donner und Doria ! Jetzt ging Adam ein Talglicht auf . Er wollte doch - jawohl ! und jetzt stand ' s unwiderruflich fest - er wollte doch die gnädige Frau um die Lumperei anrempeln . Er wollte ein Märchen von einer Arbeiterfamilie , die am » Abgrunde ihres socialen Verderbens stände « - die » ein Opfer unglücklichster Verhältnisse geworden wäre « - und zweifellos » zu Grunde ginge « , wenn sich im letzten Augenblicke nicht noch ein » Menschenfreund « ihrer annähme - also ein derartiges pikantes Märchen wollte er erfinden - er konnte von seinem Talente zum Komödianten die exakte Durchführung der Rolle ruhig erwarten - und vor Lydia als freiwilliger Advokat der Armuth auftreten - : erstens würde , calculirte der Herr Doctor , die Thatsache der Noth als solche ihr weiches Herz rühren und sie zum Herausrücken der Summe bewegen - und tausend Mark waren wirklich nicht zu viel : es galt ja die Existenz einer ganzen Familie neu zu begründen ! - und dann mußte er doch , wenn er sich so als Anwalt des socialen Elends vor ihr gerirte , damit entschieden Eindruck auf sie machen - das war klar . Ergo - los denn ! ' rin ins Verjniegen ! - Einen Augenblick dachte Adam noch an Herrn Quöck . Aber nein ! Dieser Mensch , der also mit der Couponscheere auf die Welt gekommen war , besaß kein Verständniß für das Unglück Anderer . Wohl möglich , daß Herr Quöck ihm , Adam , aus persönlicher Gewogenheit die Summe lieh - aber der brave Mann blieb trotzdem der Herr Vetter von der Frau Lydia - und wer weiß ! - - es ist jedenfalls immer besser , immer praktischer und in der Regel auch bequemer , mit dem Egoismus und den ordinärsten Lebensinstinkten seiner » Nächsten « lieber etwas zu viel , als zu wenig zu rechnen . Ohne Andeutungen Frau Lange gegenüber würde es bei Herrn Quöck doch nicht abgehen . Andeutungen jedoch - na ! was da unter Umständen für ein edler Brei herauskommen kann , wenn man sotane » Andeutungen « sich selber überläßt - : Adam hatte das etzliche Male auf sehr kitzliche Art erfahren müssen in seinem Leben und an seiner höchsteigenen Person dazu . Also Vorsicht ! Eines Tages , darauf mußte er sich gefaßt machen , fand er sonst seinen Weg zu Lydia in einen rechtschaffenen Nesselacker verwandelt - und für die Posaunenengel seiner Hoffnungen und Erwartungen konnte er dann nur getrost ein halbes Dutzend tüchtiger , dauerhafter Särge bestellen , die auf den Läute-Apparat für den Fall eines Scheintodes aus bestem Wissen und Gewissen verzichten durften ... Das Märchen vom kaltgewordenen Ofen , vom zerbrochenen Uhrweiser , von den abgespielten Skatkarten ... Die Pointe blieb halt überall dieselbe . Nun - dann also auf zum Tournier mit Lydia ! Noch einmal schrak Adam auf das Heftigste zurück . Er glaubte sein zähes Festhalten an dem Gedanken , daß gerade er das Geld für Irmers zu beschaffen hätte , schon als idée fixe ansehen zu müssen . Eigentlich ging ihn das Alles ja gar Nichts an . Was mischte er sich da in fremder Leute Angelegenheiten - ? Warum war er nur so erpicht darauf , sich die Finger zu verbrennen - ? Und doch ! Es rumorte wirklich schon zu toll in ihm herum - es wucherte in ihm und wuchtete sich auf ihn , es fraß sich immer fester bei ihm ein - : er mußte vor Lydia - und eben gerade vor Lydia - ein so delikates Motiv wie das vorliegende es war , - Geldgeschichten sind ja immer » delikat « ! - endlich einmal aufs Tapet bringen - : das ging ohnedem gar