sofort . Diese Ahnung verstärkte den abenteuerlichen Reiz . Etwas Unerklärliches , Überraschendes ! Eine Begegnung mit einem geheimnisvollen Märchenprinzen ? ... Sie hatte eine schrecklich unruhige Nacht ... Ohne daß Mutter und Bruder davon erführen , hielt Leopoldine Wort . In sehr aufgeregtem Zustande kam sie in das bezeichnete Haus - sie schützte daheim Theaterprobe vor - und wurde von der fremden Dame mit bestrickender Liebenswürdigkeit empfangen . » Himmlisch , daß Sie gekommen sind , ich fürchtete fast schon , daß Sie mich umsonst warten ließen . Aber dann sagte ich mir : nein , sie ist viel zu nett und zu klug , ihrem Glück aus dem Wege zu gehen , auch wenn es sich unter ungewöhnlichen und geheimnisvollen Umständen ankündigt . Ich bin entzückt , Sie zu sehen . Lassen Sie sich umarmen ! Und nun zur Sache ! « In den knospentreibenden Bosketts des Gartens flüsterte der Frühling , aus den Wipfeln der Ahornbäume rief die Amsel , aus den Veilchenbeeten wehte süßer Duft . Dazu das hohe Gemach mit der kostbaren Vertäfelung , den schweren Teppichen , auf welchen das Geräusch der Schritte erstarb , den Portièren und dichten Vorhängen , welche nur spärliche Helle eindringen ließen , und den künstlich bereiteten Wohlgerüchen , welche betäubend den wohlig schlummernden Raum erfüllten : das alles vermehrte Leopoldinens Aufregung . Bald überkam es sie wie eine schmerzlich süße Betäubung , welche jeden Willen lähmte , dann wieder wie Gewissensangst und Mahnung , doch ja auf ihrer Hut zu sein und jeder Überrumpelung ihrer Sinne zuvorzukommen . Ihr Blick verschleierte sich , ihr Herz schlug bis zum Halse herauf . Die Dame redete in sie hinein mit den holdesten Worten der Verführung . Bei diesem Wortgeplätscher fuhr Leopoldine plötzlich auf wie aus einem Traume . Am liebsten wäre sie davongeeilt . Allein aus dem Banne der funkelnden Schlangenäuglein der zärtlichen Dame gab es kein Entrinnen . Mit dem Blicke drückte sie Leopoldine auf den schwellenden Sitz des niedrigen Eckdivans . Sie setzte sich an ihre Seite und faßte ihre Hand . » Ein hoher Herr verehrt Sie , bewundert Sie , liebes Fräulein . Seine Stellung verbietet ihm , sich Ihnen in der gewöhnlichen Weise zu nähern und Ihnen seine Gefühle auszudrücken . O fürchten Sie nichts ! Seine Absichten sind die edelsten . Er leidet schwer unter der Entsagung , welche ihm sein Lebensstand auferlegt , unter der Zurückhaltung , welche ihm seine hohe Würde gebietet . Und er fühlt so heiß für Ihre Schönheit , Ihre Jugend , Ihr Talent ... Erweisen Sie sich ihm freundlich , großmütig ... « » Es ist doch nicht ein - « » Ein geistlicher Herr , wollen Sie sagen , liebe Seele ? Und wenn ? Und der höchsten geistlichen Aristokratie angehörend und aus dem Wälschlande stammend , wo eine feurigere Sonne scheint , als in unserem trüben Norden ? Ein genialer Freund aller Kunst und Schönheit , dem auch unter dem priesterlichen Kleide das Herz für die Wunder reiner Liebe schlägt ? Schreckt Sie das ? Ich will Sie zu ihm geleiten ; Sie sollen ihn zunächst nur sehen und ihm Ihren Anblick verstatten . Was ihm ein Fest der Augen , soll Ihnen eine Gelegenheit zur Prüfung sein ... Gefällt er Ihnen nicht , je nun , Sie sind frei , Ihre Meinung zu äußern und zu thun was Ihnen beliebt . Ich will Sie zu ihm geleiten ... « » Heute ? Jetzt ? O Gott ! « » Diesen Augenblick ... Ach , da ist der hohe Herr selbst . Ich ziehe mich zurück . Seien Sie recht , recht gütig mit ihm ... « Leopoldine hat später die Szene ihrem alten Beichtvater zähneknirschend mit allen Einzelheiten geschildert und nicht achtend der väterlichen Abwehr des entsetzten ehrwürdigen Greises mit den bitteren Worten geschlossen : » So , da habt Ihr Euere Heiligkeit in Kirche und Haus - ! Rein und weiß wie das Kaschmirkleid , das ich an jenem verdammten Tage trug , war mein Herz , und besudelt habe ich die Stätte verlassen , in die mich wälsche geistliche Wollust gelockt , um mich meines köstlichsten Gutes , der Unschuld , mit den Teufelskünsten eines ausstudierten Don Juans zu berauben . « Und als sie einige Jahre hernach dem nämlichen würdigen Seelenarzt als verheiratete Frau Kommerzienrat ihre Osterbeichte ablegte , schloß ihr Schuldbekenntnis nicht weniger bitter : » Was der geweihte Zölibatär an mir begonnen , hat der Weltmensch in kirchlich eingesegneter Ehe an mir vollendet ; wenn meine Phantasie vergiftet ist , werfen Sie den Fluch nicht allein auf das sündige Weib , dem Gott in Zukunft gnädiger sein möge , als er ' s in der Vergangenheit gewesen . Wenn der Himmel das Herz eines Weibes verderben will , gibt er sie einem thöricht schamlosen Manne zur Gattin . « Einmal , in einer Plauderstunde mit Bertha , als diese die Künste der Männer analysierte , ernsthafte und scheue Frauen zu willigen Werkzeugen sinnlicher Gier zu machen , fand Leopoldine das harte Wort : » In der Liebe scheinen Götter und Bestien Brüder zu sein . Und da soll ein Weib seine Ehre wahren ! « Da wurde Bertha Feuer und Flamme . » Weißt Du , Leopoldine , wer meiner jugendlichen Unerfahrenheit in bezug auf den Umgang mit dem männlichen Geschlecht eigentlich die unverschämteste Aufklärung gegeben hat ? Du wirst ' s nicht glauben : ein Geistlicher im Beichtstuhl , ein fetter Mönch in den Dreißigern . Ich habe niemals in den verrufensten Büchern so schamlose Dinge gefunden wie ich sie als frühreifes fünfzehnjähriges Mädchen im Beichtstuhl zu hören bekam . War das ein Lasterkasten ! Als ich alle seine anzüglichen Fragen , die mir das Blut in die Wangen trieben und mich furchtbar aufregten , mit gutem Gewissen verneint hatte , sagte der Mensch , das sei keine Tugend , ich soll ' s erst einmal probieren - und erst wenn ich aus Erfahrung die wunderbar süße Sünde und