! « » Ich sah noch die Koffer und Korbsachen , die sie von hier mitgenommen hat , « erwiderte Marie , » die Herren reisten stets mit kleinem Handgepäck . « » Du hast recht ! Wie es der große Diätenfresser von Gauchlingen macht , der jahraus und -ein das Land mit einer alten ledernen Aktenmappe durchrutscht , in welcher ein Nachthemd steckt ! « » Übrigens möchte ich mitkommen , « nahm Marie wieder das Wort , » und meine , wir könnten einen Wagen nehmen , trotz der Eisenbahn , so müssen wir nicht mit Setti zu Fuß nach der Station wandern und können auch ihre Sachen sofort aufladen . Es schadet nicht , wenn sie dort sehen , daß sie noch wo zu Haus ist . Und hier kommen wir gerade recht mit der Dunkelheit an , so daß es auch gar nichts zu gaffen gibt . Etwas kaltes Essen wollen wir für alle Fälle mitnehmen , wer weiß , ob sie etwas hat ! Wir brauchen dann unterwegs nicht anzuhalten . « » Mit allem bin ich einverstanden , wie du es willst ! Die du eine Widersacherin dieser Unglücksheiraten gewesen bist , denkst jetzt an alles , worauf unsereiner nicht geriete ! « Sie führten den Plan aus , besorgt , in welchem Zustande sie die Tochter finden würden . Setti erschien etwas abgemagert und blaß , auch ermüdet , aber doch gefaßter , als die Eltern es sich vorgestellt . Das Gefühl der Befreiung aus selbstverschuldeten unwürdigen Fesseln mochte unbewußt die Wage halten gegen alle anderen Eindrücke , die sie erfahren . Auch war sie nicht allein im Lautenspiel , obgleich die Magd und der Schreiber ihres Weges gegangen . Wie in einem Hause , dessen Stütze durch jähen Todfall abgeschieden ist , sich die Nachbarinnen tröstend und helfend bei der Witwe einfinden , so hatten sich bereits zwei oder drei angesehene Frauen von Unterlaub eingestellt , welche täglich herbeikamen , der verlassenen Landschreiberin gefällig zu sein oder wenigstens die Zeit zu vertreiben . Zwei saßen auch jetzt strickend auf den Koffern , die sie füllen und schließen geholfen , während Setti aus den letzten Überresten die letzte Mahlzeit zusammenstoppelte , Tee , Butterbrötchen , Eierkuchen . Der von der Mutter mitgebrachte Imbiß war höchlich willkommen . Da die Pferde gefüttert werden mußten , sandte Martin den Kutscher in ein Wirtshaus zu Unterlaub und trug ihm zugleich auf , den dortigen Gemeindammann hinzusenden , damit er das Haus abschließe und in Gewahrsame der Behörde bringe . Die Dorffrauen nahmen an dem Stegreifmahle bescheidentlich teil , der Merkwürdigkeit wegen , und ließen sich hernach nicht hindern , das gebrauchte Geschirr zu reinigen und in der Küche alles an seinen Ort zu stellen . Dann gossen sie das Spülicht weg , putzten den Gußstein und lehnten den kleinen Besen säuberlich in die Ecke ; denn es war ein fast noch neues Binsenbeslein . Mit dem Reste des Wassers endlich löschten sie sorgfältig das glimmende Herdfeuer . So erschien der Ammann eben recht . Er ließ sich verständigen , an die letzten Räume und Behälter das amtliche Siegel zu legen , und hatte dazu das Erforderliche mitgebracht , Siegellack , Bandstreifen und Stempel , sogar einen Wachsstock , da er gewohnt war , zu dieser Verrichtung zuweilen nicht einmal ein brauchbares Licht vorzufinden . Hier standen zwar ein paar schöne Leuchter im Zimmer , die Frau Salander einst selber eingekauft hatte . Sie meinte , man könnte den einen davon oder beide nehmen und nachher in der Kutsche unterbringen , da sie ja der Frau gehörten ; dann möge man das Siegel anlegen . Allein der Gemeindammann erklärte , die Leuchter müßten bis zur Inventuraufnahme stehenbleiben , es sei schon genug Verwirrung in der Gegend , der ganze Besitzstand scheine zu schwanken wie bei einem Erdbeben ; viele fürchteten , von Haus und Hof zu kommen , ohne zu wissen wie . Die Bevölkerung sei ganz erhitzt und fabele von Millionen , die verloren seien . » Zünden Sie Ihren Wachsstock an ! « sagte Salander und reichte dem Amtsmann ein Streichhölzchen . Dieser ging an sein Geschäft und gelangte so mit der kleinen Gesellschaft Schritt für Schritt bis vor die Haustüre . Martin Salander drehte den Schlüssel um und übergab ihn dem Gemeindammann . Hierauf nahmen sie Abschied von den zwei Frauen und dankten ihnen für die erwiesene Teilnahme und Freundlichkeit , so daß sie gerührt die Augen wischten . Setti vermochte keine Träne zu vergießen ; halb gelähmt von den Worten des Amtsmannes , bestieg sie mühselig mit den Eltern den bereitstehenden Wagen , der rasch davonfuhr . Die zurückgebliebenen drei Personen blickten ihm nach und gingen langsam nach dem Dorfe zurück . » Das sind gutstehende Leute , « sagte eine der Frauen , » der Herr vermöchte gewiß dem Schaden abzuhelfen , wenn er wollte ; und es sind jedenfalls auch rechtdenkende Leute ! « » Er wäre ein Narr , wenn er einen Franken hergäbe ! « versetzte der Herr Gemeindammann . » Eigentlich müßten mir diejenigen den Schaden gutmachen , die einen solchen Menschen zu ihrem Notar wählen und das Recht dazu an sich gerissen haben ! Jetzt wird die Staatskasse herhalten und das Wahlvergnügen bezahlen müssen ! « Im Wagen blieb es zwischen den drei anderen Personen eine gute Weile still , bis Salander melancholisch zu sprechen anhub : » Das wäre jetzt das Lautenspiel gewesen ! Armes Kind ! Und ich hatte mir gedacht , als der schöne Eidam vom Bäumeschlagen und Verkaufen des Gütchens faselte , ich könnte den reizenden Sitz ihm wohl abnehmen und zum stillen Asyl für unsere alten Tage bestimmen ! Jetzt möchte ich es nicht geschenkt haben ; denn es wäre ja unmöglich für uns , dort zu wohnen ! « » Setti schläft jetzt , « sagte Frau Marie leise , » wir wollen sie ruhen lassen ! « In der Tat war die Tochter neben der Mutter eingeschlafen , da sie