das wußte man , so schön aber wie an dem Tage ihrer zweiten Trauung hatte sie noch keiner gesehen . Das erste Mal war sie gedrückt in die Kirche gekommen und ebenso aus derselben gegangen , diesmal schritt sie stolz und selbstbewußt einher , nicht anders , wie wenn das , was ihr nun geworden , ihr Rechtens zukäme , doch hielt sie die Lider bescheiden gesenkt , als meide sie , mißgünstigen Blicken zu begegnen , und scheue sich , solche herauszufordern , und wenngleich manchmal über den blühenden Wangen , deren Grübchen ein stilles Lächeln vertiefte , die leuchtenden Augen flüchtig aufblitzten , so sah sich das so unschuldsvoll an wie der Blick eines Kindes , den die greifbaren Herrlichkeiten eines Augenblickes fesseln ; kein Schatten der Vergangenheit , keine Wolke , einem bangen Ausblicke in die Zukunft entsteigend , trübte dieses glücksfrohe , heitere Gesicht , und der einzig lesbare Gedanke in demselben : » Erreicht « , zuckte auch nicht durch die Muskeln als unterdrückter Jubelschrei , sondern barg sich hinter einer stillfreudigen , selbstbegnügten Miene . Die Leute hatten über die Sternsteinhofbäuerin , die , so selbstverständlich sich als solche gebend , an ihnen vorübergeschritten war , die Herrgottlmacherswitwe und die Zinshoferdirn ganz vergessen , und als sich die Boshaftesten auf die längst für diese Gelegenheit » ausgetipfelten Trutzliedeln « besannen , waren die Wägen mit den Hochzeitern und den Gästen schon aus aller Gehör-weite . Unter den Geladenen befand sich auch der Käsbiermartel , und daß er gekommen , konnte nur den befremden , der den Alten nicht genauer kannte und somit nicht wußte , daß sich dieser keine Gelegenheit entgehen ließ , seinem Spitznamen alle Unehre zu machen , Bier ganz zurückzuweisen und Wein - je besseren , um so lieber - zu trinken und Käse , wenn er welchen aß , nur als Magenschluß zu nehmen , wenn nichts mehr voranzuschicken da war . In der Kirche hatte er sich aber doch nicht blicken lassen und , während der Trauakt unten im Dorfe stattfand , oben auf dem Gehöfte dem alten Sternsteinhofer , der sich gleichfalls fernhielt , Gesellschaft geleistet . Als nun die neue Bäuerin an der Seite ihres Mannes die Feststube betrat , fand sie sich den beiden Alten gegenüber . Sie trat auf ihren nunmehrigen Schwiegervater zu . Mit leuchtenden Augen , in denen etwas schalkhafte Bosheit lauerte , und mit einem freundlichen Lächeln , von dem er wohl fühlte , es gelte nicht ihm , sondern poche auf das Unbestreitbare ihrer Schönheit , bot sie ihm die Hand . Da er sie nicht ergriff , sagte sie nach einer Weile leise : » No , bin ich halt doch da . Sei gscheit . Willst mir feind bleiben ? « Der Alte schob die Rechte , gleich der Linken , in die Hosentasche und wandte sich an den Käsbiermartel . » Wieder eine . Bin neugierig , wieviel Bäuerinnen ich da noch erleb . « Rot bis unter die Augenränder , ging Helene von ihm hinweg . Als während des Tafelns der alte Bauer die Stube verließ , folgte bald darauf die junge Bäuerin ihm nach , sie wartete im Flur , bis er vom Garten zurückkam . » Ich hab dir vorhin d ' Hand gboten « , sagte sie . » So ? « » Blind stell dich nit ! Bemerkt habn mußt es . « » Mag sein . « » Du hast mir die deine verweigert . « » Bist auch nit blind . « » Vor ' n Leuten , allen ! « » No ? « » Das is a Grobheit . « » Ich bin halt nit fein . « Er wollte an ihr vorüber , sie aber verstellte ihm den Weg . » Kein Schritt ! « rief sie . » Du hörst an , was ich dir z ' sagen hab ! Meinst , weil du ' s bist , ich ließ mich da im Haus wie der Niemand behandeln ? Da irrst dich gwaltig . Mich lern erst kennen . Weil mir heut in der Kirchen vorm Altar der Gedanken kommen is , da sich ja endlich doch alls wie recht und ghörig gschickt hätt , wär a Unsinn , wegn ' m Frühern einander was nachztragen , so hab ich dir mein Hand dargreicht , nit um dein Freundschaft zu erbetteln , sondern im guten Glauben , auch dir würd dasselbe so christlich wie vernünftige Absehn einleuchten . « » Stell du zwei Falln auf und leg in jede ein extraichen Speck , ich geh dir in keine . « » Daß ich dich fangen wollt , das bild dir nit ein . Mir war nur ums gegnseitig gute Drauskommen . Gäbst du mir mein Respekt , gäb ich dir auch ' n dein . Hättst du mit mir a Einsehn , wurd ich auch eins mit dir habn . Du aber willst ' s anders , und so kann dir ' s auch werdn ! Du sollst nit umsonst die Gedanken in mir aufgriegelt habn , wie mir Sünd und Schand , jeds Unterkriechen und Verstelln , alls , was mich d ' siebnthalb Jahr her gpeinigt hat , erspart gblieben wär , hättst du dich seinzeit nit in gleich herzloser wie unnötger Weis dawidergsetzt und damal schon zugebn , was d ' heut nit verhindern konntst ! Du sollst mich nit umsonst erinnert haben an die Stund , wo ich , mehr tot wie lebendig , die Stiegn da heruntergschlichen bin und zu unserm Herrgott gebet ' t hab , er möcht mich ' n Tag erlebn lassen , wo ich dir dein erbarmlose Hochfahrt heimzahlen könnt . Derselb Tag is hitzt da , und ich will dir weisen , daß er da is ! « Der Alte sah sie mit zusammengekniffenen Augen und breitgezogenem Munde an . » Was willst mer denn weisen ? Du ? « » Was ich dir weis ? Dein