wohl nicht herausnehmen « , rief der Alte grinsend mir nach . » Aber eine hübsche Luft wird es immer nach solch einem Gewitter , Herr Langreuter ; und die paar Tropfen , die Sie jetzo unterwegens noch auf den Pelz kriegen , die können Sie sich darum schon gefallen lassen ; und , lieber Herr Fritz , bei Gelegenheit fragen Sie nur ganz dreist den Herrn Ewald danach , was gestern meine Meinung gewesen ist . « Nun glänzte und rauschte auf Stunden Weges um uns und über uns der erfrischte Hochwald . Die großen gelben und schwarzen Schnecken krochen auf allen Pfaden ; Menschen begegneten uns nicht . Wir gingen stumm zu , und nur wenn wir an einer außergewöhnlich schlüpfrigen und steilen Stelle unserer Begleiterin die Hand boten , sprach sie ein leises Dankeswort . Und wieder einmal lag , als wir endlich aus dem Walde hervortraten , Schloß Werden zu unserer Rechten im Sonnenuntergangsglanze da , und das scheidende Licht blitzte rot aus den hohen Fenstern des Oberstocks uns entgegen . Ich sah mit einigem Bangen auf die bleiche Frau mir zur Seite und fing einen ganz ähnlichen Blick des Vetters Just auf . Doch Irene Everstein sah nur einmal ganz fest und kurz nach den Giebeln des väterlichen Hauses und schritt dann gesenkten Hauptes rascher zu auf dem Wege gegen das Dorf . An dem ersten Hofe schon erführen wir von einem Kinde , daß der Herr Oberförster tot sei ; und ein junges Mädchen , das am Gartentore strickte , bestätigte die Nachricht und fügte hinzu : » Gerade , als das Unwetter anging . « Wir gingen nun durchs Dorf . Alle Leute vor den Türen grüßten uns herzlich , aber still . Auf Irene sahen sie scheu und steckten nachher die Köpfe zusammen und flüsterten miteinander . An den Vetter Just trat hier und da einer heran und gab ihm die Hand : » Also Sie haben es auch schon vernommen ? « - Jeder aber sprach viel leiser , als es sonst dort die Gewohnheit des Ortes ist . » Und der junge Herr Sixtus ? Und Fräulein Eva , Gevatter Reitemeyer ? « » Die sitzen ganz still auf der Bank vor der Försterei . Sie haben sich ja wohl gottlob ganz gut in das Geschick gefunden . Sein Alter hatte der alte Herr , vor Krankheit hat er immer sein Grauen gehabt und seinen Spaß darüber gemacht . Hier im Dorfe bei uns ist niemand , der ihm nicht das Beste wünscht , und solange man denken kann , kann man Werden nicht ohne ihn sich denken . Auf dem Wege zu seinem Unfall ist er mir heute morgen noch begegnet . Das mußte ja wohl so sein , denn er hatte es kurios eilig und war doch sonst ein recht ruhiger , langsamer und sedater Herr . Gehen Sie nur ruhig hin . Das Unwetter hat Sie wohl ein bißchen unterwegs aufgehalten ? Es ist aber wirklich recht angenehm danach geworden . Sie haben Ihr Heu wohl auch schon trocken herein auf dem Steinhofe , Herr Just ? « Wir blieben dieser Unterhaltung wegen nicht stehen , und so kamen wir zu dem Försterhofe und fanden , wie die Leute es uns berichtet hatten , Bruder und Schwester auf der Bank vor der Haustür im dämmerigen Ulmenschatten beieinandersitzend . Hinter ihnen standen die Stubenfenster wie immer weit offen und ließen den Regenduft und die Frische des nahenden Abends frei ein ; der alte Herr aber saß nicht mehr am Fenster , sondern lag ausgestreckt , » ruhig und sedate « , auf seinem Lager . Auch alle Türen standen in gewohnter Weise geöffnet ; die Hunde des alten Herrn lagen zu den Füßen des Geschwisterpaares , und nur von Zeit zu Zeit stand einer von ihnen auf , ging hinein und legte den Kopf auf das so schnell dort bereitete Bett und kam wieder heraus und legte den Kopf auf Evas Knie und sah wie fragend sie an . Das schreibe ich aber hier , weil es den ganzen Abend so blieb , nachdem wir uns zu den Geschwistern gesetzt hatten . Als wir in das Hoftor traten , schlug einer der Hunde leise an . Ewald und Eva standen auf , und der Ingenieur aus Irland legte die Hand auf die Fensterbrüstung hinter sich , wie um sich zu halten . Doch Irene verließ den Arm des Vetters Just , ging rasch hin und hielt die Jugendfreundin im Arm und küßte sie und sagte : » Da bin ich ... Nun sei nur still ... Du sollst mir alles erzählen ! « Eva Sixtus weinte heftig , und Ewald gab uns Männern stumm die Hand . » Er sieht aus , als ob er schliefe ! ... Oh , er sieht zu gut und schön aus für den Tod ! « schluchzte Eva ; und dann gingen wir alle , von den Hunden begleitet , in die Stube , und er sah freilich schön und gut aus in seinem weißen Haar , und gottlob nicht anders , als ob er schliefe ! ... » O Just , o lieber Just ! « schluchzte Eva Sixtus , und nun war sie mit ihm und war bei ihm gut aufgehoben in diesen tränenreichen Stunden und Tagen . Sie konnte auch das Haus verlassen , in welchem sie geboren worden war . Sechzehntes Kapitel Und Ewald und Irene ? Was sagten und taten die denn ? Das ward nun eine Nacht , in der viele Geister umgingen in Werden - Schloß und Dorf ; doch über miracula et portenta , von großen Wundern und » Wunderzeychen « am Himmel und auf Erden und auch in den Herzen der Menschen habe ich nicht das geringste zu berichten . Jene beiden Leute begrüßten sich zuerst , wie es sich nach der langen Trennung und bei der ersten Gelegenheit schickte , ernst und freundlich . Zu dem , was die Welt eine Auseinandersetzung