drüben diese Botschaft . Geschwiegen haben wir bis jetzt , weil wir das für das Bessere hielten . Die Zeit sollte erst die Wunden , welche nicht wir geschlagen hatten , verharschen machen . Wir hoffen , daß die Zeit ihre lindernde Kraft bewiesen hat ! Ich kann dem wackern Mann , der meinem armen Bruder so hülfreich die Hand reichte , nur immer von neuem danken . Eva schreibt selbst an Robert . Ich habe meine Frau wild und weit durch die Welt geführt ; die Kinder aus dem Winzelwalde haben ihr eigenes Schicksal , und wechselnde Sterne leuchten über ihnen . Nun stehen wir wieder vor einer großen Wanderung . Den Reichtum , welchen mir das Glück unaufgefordert in den Schoß warf , hat es mir in einem Anfall übler Laune wieder bis auf ein Bruchteil genommen , und meine Angelegenheiten befinden sich jetzt ziemlich vollständig , wie man hierzulande sehr geistreich sagt , out of fix . Die Stimmung haben wir uns jedoch nicht verderben lassen und bereiten uns jetzt zu einer marooning party , das heißt eine Landpartie auf mehrere Tage mit Proviant , vor ; das heißt wiederum , wir gehen einige tausend Meilen weit , nach Texas . Es weht hier eine ungemein gesunde Luft , und wir atmen den Hauch des Weltmeeres zugleich mit dem Hauch des Urwaldes und der Prärie ein ; man verliert dabei nicht so leicht den Mut . Die eigene Kraft , die in Europa so manches Mal nur eine Phrase ist für ein von tausenderlei Staatsgewalten gezügeltes , zurückgehaltenes , niedergedrücktes , vergebliches Abkämpfen , ist hier für den echten Mann noch immer eine Wahrheit , was auch die nächsten Zeiten bringen werden . Wenn man nur nach den Sternen sieht , so findet man immer seinen Weg ; - mit frischem Mut westward ho , und - Gott befohlen ! Eva Wolf ist wohl und fröhlich , von fixings keine Spur ; - sie weiß vortrefflich mit dem Revolver umzugehen und wird , eine herrliche stolze Jägerin , mit den Jägern und Handelsleuten reiten . Die Frau wird sich weitläufiger in ihrem Schreiben auslassen ; meine Zeit ist gemessen , rastlos muß ich den Schleifstein drehen , auf dem ich die Waffen und Werkzeuge schärfe , welche uns den Weg weiterbahnen sollen . Die Funken springen im feurigen Kreise , das Leben wartet auf niemand ; morgen sind wir auf dem Wege der Sonne vom Orient zum Okzident ! Was kümmert uns die Nacht ? Wir sehen nach den Sternen , an die wir glauben ! Lebt wohl ! Friedrich Wolf New Orleans , Saint Charles Hotel , am 28. Febr . 184- . « » So ist es ! « murmelte der Polizeischreiber . » Der eine sitzt in der Höhe , zum Exempel drüben auf dem Giebel des Nikolausklosters , hoch über dem Getriebe der Menschen und sagt : Seht nach den Sternen . Der andere marschiert im Getümmel mit , tritt seinem Vordermann auf die Hacken , läßt sich von seinem Hintermann auf die Hacken treten und faßt seine Lebensweisheit in dieselben Worte zusammen . Phantasten sind sie beide ; aber es ist doch ganz nobel , sich solchen Phantastereien hinzugeben . Übrigens hat der Mann im Giebel den Vorteil , daß er wenigstens so ziemlich sicher sitzt ; dieser hier « - der Schreiber legte die Hand auf den Brief Friedrich Wolfs - , » dieser hier beschreitet einen gefährlichen Pfad und führt , was das schlimmste ist , ein anderes , schwächeres Wesen auf demselben Pfade mit sich fort . Es ist wahr , sie haben viel Glück , diese phantastischen Abenteurer , die in lächelnder Sorglosigkeit keinen Zweifel kennen und sich allen feindlichen Gewalten gewachsen glauben ; die Welt bedarf ihrer , die Poeten , die Helden jeder Art rekrutieren sich aus ihnen . Dieses nach seinen Sternen sehende Abenteurertum schiebt die Geschichte vorwärts ; überall ist es am Werk beschäftigt , hinter der Bühne und auf der Bühne . Wer zieht die Seile und haspelt an der Maschinerie , wenn die Szene sich verändern soll ? Diese sternguckenden Gesellen sind es . Wenn nur ihre Sterne nicht so oft sich in Sternschnuppen verwandelten ! Arme Burschen ! Was ist das Ende der meisten ? O Friedrich Wolf , mein tapferer , mein lieber , mutiger Junge , wohin wirst du von deinen Sternen geführt werden ? Wohin wirst du dein mutiges , edelherziges Weib führen ? « Kopfschüttelnd erhob sich Fritz Fiebiger und legte den Brief Evas auf den » Phädon « , Robert Wolf vor die Nase . Auch der Jüngling erkannte sogleich die Handschrift ; er stieß einen erschreckten Laut hervor , eine hohe Röte überflog sein Gesicht , die Hand , mit welcher er das Siegel zerbrach , zitterte nicht wenig ; aber dieses Mal zerriß er den Brief Evas nicht ungelesen . Das geöffnete Schreiben in der Hand , wollte er aus der Tür stürzen , als der alte Fiebiger lächelnd rief : » Halt ein wenig ! Hier ist noch eine Epistel an Fräulein Luise Tellering ; nimm sie mit und gib sie ab . « Robert griff nach dem Dargebotenen und eilte jetzt davon ; den Brief an Luise legte er auf dem Hofe in die Hand Ludwig Tellerings , mit dem Schreiben Evas sprang er in die Gasse und durcheilte sie fast so schnell wie an jenem Abend , wo er von Julius Schminkert und dem Polizeischreiber gejagt wurde . Manche Straße mußte er durchlaufen , ehe er sich so weit gefaßt hatte , daß ihm die Buchstaben nicht mehr verworren vor den Augen durcheinandertanzten . Es regnete leise , aber er merkte es nicht ; zuletzt stand er , an eine Hauswand gelehnt , mitten in dem an ihm vorübertreibenden Getümmel und las : » Lieber , lieber Robert ! Ich schreibe Dir wieder einen Brief . Ein Jahr und ein halbes ist vergangen , seit wir uns zuletzt sahen , das