Sprachton : » Uriel , Du kennst mich ! Du kannst Dich verlassen auf mein Wort und Du weißt es . Nun wohlan , lieber Uriel : Warte nicht ! « » O Regina , « entgegnete Uriel ebenso sanft und ebenso bestimmt als sie , » von den festgesetzten zehn Jahren ist noch nicht die Hälfte verflossen und Du wirst schon ungeduldig , während ich geduldig warte ! Wir sind noch lange nicht bei der letzten Entscheidung ! « Mit einem Ausdruck von unaussprechlichem Schmerz schloß Regina eine kleine Weile ihre Augen , als wolle sie vor Uriel verschleiern , wie weh er ihr tue ; dann sagte sie gefaßt : » Gottes Wille geschehe . « » Ist er Dir noch immer nicht klar ? « fragte er . » Mir - vollommen ; aber leider nicht Dir , « sagte sie und setzte rasch hinzu mit einem schmerzlichen Lächeln : » Wie traurig , daß wir beide solche eigensinnige Köpfe haben , und wie gut Gott ist , sie gründlich zu brechen . « Uriel war nicht so lebhaft von dieser Güte Gottes durchdrungen . Die Hauptabsicht Gottes in der Lenkung der Schicksale : die Erziehung des Menschen für das ewige Leben , entschwand sehr oft seinem inneren Auge . Für Regina war sie immer ganz klar , wie die Feuersäule , welche dem nächtlichen Zuge der Kinder Israels durch die Wüste vorleuchtete . - Baron Stamberg war früher aus diesem Leben abgerufen , als seine Frau . Während sie sich von ihrem Schlaganfall erholte , begann er zu kränkeln , und vermochte sich nicht aufzureißen aus seinem Kummer über die verlorenen Jagdrechte . Die Tiefe der Ungerechtigkeit , welche einer solchen Maßregel zum Grunde lag , war es nicht , die ihn so heftig erschütterte , nur sein persönlicher Verlust . Er hatte sich während seines Lebens nie über die niedrigste Stufe der Selbstsucht erhoben und so starb er auch auf ihr . Die Baronin , immer kalten Herzens - und noch kälter durch das höhere Alter das nur dem himmelwärts gewendeten Sinn himmlische Innigkeit verleiht , aber die irdische absterben läßt - war höchst gefaßt bei diesem Ereignis und blieb nur ihrer alten Gewohnheit treu , sich als eine Verfolgte des Schicksals zu betrachten und zu beklagen . Indessen kam doch auch an sie die Mahnung , daß jedes Leben zu Ende gehe . Sie erkrankte an einem abzehrenden Leiden . Nun war Regina nicht länger zu halten . Sie bat ihren Vater so flehentlich und so wiederholt , die Pflege der Großmama übernehmen zu dürfen und stellte es ihm als eine so heilige Pflicht vor , daß er endlich einwilligen und sie nach Stamberg bringen mußte . Zum Glück konnte Corona jetzt vollkommen ihren Platz in Windeck ausfüllen , am Piano , am Billard , am Teetisch , bei dem Spazierritt ; sonst hätte der Graf schwerlich dies Opfer gebracht . Was es Regina koste , sich von der lieben Kapelle zu trennen und am einsamen Krankenbett auf alle Tröstungen zu verzichten , die für die gläubige Seele aus der Nähe des Sanktissimums strömen - das ahnte der gute Graf freilich nicht . Er sagte zu Levin : » Es ist merkwürdig , was das Mädchen für eine Passion hat , sich zu opfern ! Was ihr schwer wird - gerade das sucht sie sich aus ! Ich bezweifle sehr , daß die gute Mama ihr diesen Liebesbeweis danken wird . « » Ich auch , « entgegnete Levin , » aber desto besser ist ' s für Regina . Es gibt noch immer Seelen hienieden , die das tun , was einst die heilige Katharina von Siena tat : als der göttliche Heiland ihr zur Auswahl einen Blumenkranz und eine Dornenkrone darbot , nahm sie die letztere , weil sie sicher war , unter den Dornen ihren gekreuzigten Gott zu finden - unter den Blumen nicht . Zu diesen Seelen gehört durch Gottes Gnade auch Regina . « » Ja , es muß wohl Gottes Gnade und Ihr Beispiel sein , lieber Onkel ! Ich muß mir das Zeugnis geben , nichts getan zu haben , wodurch Regina in die Nachfolge der Heiligen hätte geraten können , « sagte der Graf ehrlich . » Es beweist zugleich , wie ernst und fest sie an ihrem Klosterberuf und Gelübde hält , « sagte Levin . » Glauben Sie wirklich ? « rief der Graf beängstigt . » Sie macht nie die leiseste Andeutung , und so hab ' ich gehofft , die Sache werde allmählig einschlafen . « » Regina - und einschlafen ! « rief Levin . » Lieber Damian , kennst Du so wenig das kräftige Herz Deiner Tochter ? Glaubst Du so wenig an die Gnadenwirkung in einer Seele , die nach Gott verlangt ? Das ist richtig : sie schweigt . Aber was sollte sie auch noch weiter sagen ? sie hat uns ja alles gesagt - und dabei bleibt sie . Ich habe die Überzeugung , daß Regina nicht abfällt von ihrer ersten Liebe - und daß diese Liebe die erste und die letzte und die einzige bleiben wird . « » Entsetzliche Vorstellung ! « seufzte der Graf ; » und aufrichtig gestanden - es ist auch die meine ! ich suche sie nur immer zu unterdrücken . Bemerkten Sie wohl , wie ihre Augen aufleuchteten , als kürzlich von Kloster Himmelspforten bei Würzburg gesprochen wurde , das früher aufgehoben und in eine gemeine Schenkwirtschaft verwandelt - nunmehr aber von einer Ordensgenossenschaft angekauft und ein Kloster von Karmelitessen sei ? Wenn diese Illumination in ihre Augen tritt , dann hat sie eine grenzenlose innere Freude - das kenne ich an ihr ! Gewiß hofft sie als Karmelitesse durch Himmelspforten in den Himmel einzuziehen . « » Es ist mir sehr lieb , daß Du anfängst , Dich mit diesem Gedanken vertraut zu machen , « entgegnete Levin . » Ja , wenn Uriel sich nur statt in Regina