, ebenso ein Theil der Nürnberger Rathsherren , darunter auch Herr Muffel . Unter ein paar Stunden war wohl noch Niemand zurück zu erwarten . Ursula konnte sich einmal ihrem Schmerze überlassen . Von innerem Frost geschüttelt saß sie am Kamin , dessen nicht mehr hell lodernde Gluth einen milden Schimmer auf ihr bleiches Antlitz warf . Wehmüthig blickte sie auf das helle Grün ihres Kleides , dessen Farbe der Hoffnung sie zu höhnen schien . Ihre kleinen Hände , zart und durchsichtig wie Milchglas , ruhten gefaltet in ihrem Schooß . Es war immer dasselbe Gebet , das sie betete zur Mutter Gottes und zu allen Heiligen : ihr Stephan wiederzugeben oder sie abzurufen von der verödeten Erde ! Und wie sie schon hundertmal gethan , zog sie die goldene Kapsel hervor , die Stephan ' s von Meister Wohlgemuth in Miniatur gemaltes Conterfei verschloß , das er ihr beim Abschied geschenkt . Sie küßte das Bild und flehte , ihn nur noch einmal wiedersehen , noch einmal so küssen zu können - und dabei lächelte sie unter Thränen - - Da klangen draußen hastige Männertritte - sie näherten sich ihrem Gemach - vielleicht Einer von des Grafen Leuten , der im Dunkeln fehl gegangen , denn diesem abgelegenen Zimmer kam Niemand nahe , der nicht ausdrücklich zu ihr gesandt war - schon ruckte die Thürklinke - oder war es ihr Vater , der früher zurückkam ? - vor ihm hatte sie Stephan ' s Bild , das Tag und Nacht tief verborgen an ihrer Brust ruhte , immer sorgsam verhehlt - sie wollte es schnell verstecken , aber das Kettlein verwickelte sich in die steifen Zacken des Spitzenkragens , der ihren Busen umgab - die Thür sprang auf und ein Mann in einem schwarzen Mantel gehüllt stand vor ihr . Sie fuhr empor und rief : » Was dringt Ihr hier ein - Niemanden geziemt hier der Zutritt ! « Aber ungestüm faßte er sie in seine Arme und rief : » Auch mir nicht ? « Der Mantel sank von seinem Haupt wie von seiner Schulter und zeigte Stephan ' s ritterliche Gestalt . » Stephan ! « rief Ursula mit dem Jubellaute des Entzückens mitten im Schrecken ; aber jener war noch mächtiger bei der durch Gemüthskämpfe körperlich leidend gewordenen zarten Jungfrau - ohnmächtig lag sie in seinen Armen . Er trug sie auf das Sopha und lehnte sie an sich . Er sah sein Bild offen vor sich , das Zeichen ihrer Treue - einen Augenblick sah er voll Mitleid und aufsteigender Selbstvorwürfe auf die bleiche Geliebte , die der Gram um ihn vielleicht bald ganz zu Grunde gerichtet ; aber schnell schützte er sich vor jedem Gewissensskrupel mit der eitlen Meinung , daß er wieder gut machen könne , was er verbrach , und mit dem würdigen Vorsatz , es wirklich zu thun . Er rief Ursula mit den zärtlichsten Namen und bedeckte sie mit seinen Küssen . Da schlug sie die Augen auf und rief : » Stephan - Du bist es wirklich - Du bist noch wie einst ! « Er antwortete ihr mit Liebkosungen und rief : » O wohl mir , wenn Du auch bist wie einst ! - Ich konnte es nicht länger ertragen , ich mußte Dich sehen , geschah es auch , indem ich ein gegebenes Wort gebrochen . « » Du hast Dein Wort gegeben , mich nicht zu sehen ? « rief sie und machte sich von ihm los . » Du hast mir nicht geschrieben - Du bist schon einige Tage hier - Andere sagten es mir - ich sah Dich nicht - ich hoffte umsonst auf ein Zeichen ach ! ich weiß es wohl , die Väter nähren noch den alten Groll - aber Du selbst , Du hast mich gelehrt , daß Liebe stärker sein soll als väterliche Gewalt - « » Und darum bin ich hier ! « rief er ; » nur einen kurzen Augenblick . Ich benutzte die Dunkelheit und die Abwesenheit Deines Vaters wie der Andern , um zu Dir zu dringen . Niemand darf es wissen - nur Elisabeth Scheurl . « » Ach , ich habe auch vergeblich auf sie gezählt ! « rief Ursula ; » seit der König hier ist , habe ich auch kein Wort von ihr gehört , und sie hatte mir doch gleich Nachricht geben wollen - über Dich . « » Erst gestern habe ich mit ihr vertraulich sprechen können , « sagte Stephan , » und sie ist wohl auch viel mit sich selbst beschäftigt - Alles erklärt sich später . Nur wenige Minuten kann ich bei Dir weilen , ich konnte es nur nicht länger ertragen Dich nicht zu sehen - ich mußte die Gewißheit Deiner Liebe von Deinen Lippen holen ! « » Hast Du je an mir zweifeln können ? « fragte sie unter seinen Küssen . » Man sagte mir , daß Du eine Braut des Himmels geworden , « antwortete Stephan ; » Du hattest mir mit diesem Entschluß schon früher gedroht , ich mußte daran glauben , da ich kein Lebenszeichen von Dir empfing . « » Aber wie war es möglich , daß Du - « Er ließ Ursula nicht ausreden . » Wir haben jetzt keine Zeit zu Fragen und Erklärungen ; lesen wir nicht Eines in den Augen des Andern , fühlen wir nicht am Schlagen unserer Herzen , daß wir einander angehören wie einst ? In drei Tagen sehen wir uns beim Schönbartlausen , und dann wird sich Alles erklären und entscheiden . Du wärest doch dazu gekommen ? « » Nur wenn mich mein Vater gezwungen , « antwortete sie : » ich habe mich bis jetzt geweigert ! « » Nun , so laß Dich zwingen ! « antwortete er heiter , » und zu dem Maskenfest am Abend erlaube mir , daß ich Dir selbst den Maskenanzug schicke , damit ich Dich aus Tausenden sogleich erkenne