und , wie er sich ausdrückte , die Nahrungslieblichkeit beeinträchtigen konnte , mußte strenge hintan gehalten werden , und wo durch Versehen oder Ungunst der Zeitverhältnisse doch dergleichen eintrat , mußte das minder Taugliche ganz beseitigt oder zu andern Wirtschaftszwecken verwendet werden . Darum konnte man aber auch keine schöneren , glatteren , glänzenderen und fröhlicheren Tiere sehen als auf dem Asperhofe . Der Wirtschaftsvorteil lag außerdem noch als Zugabe bei ; denn da das Schlechtere gar nicht verwendet werden durfte , wurde bei der Behandlung und Einbringung die größte Sorgfalt von den Leuten beobachtet , abgesehen davon , daß mein Gastfreund bei seiner Kenntnis der Witterungsverhältnisse weniger Schaden durch Regen oder dergleichen erlitt als die meisten Landwirte , die sich um diese Kenntnis gar nicht bekümmerten . Und der Nachteil der Nichtanwendung des Schlechteren wurde weit durch den Vorteil des besseren Gedeihens der Tiere aufgewogen . In dem Asperhofe konnte man immer mit einer geringeren Anzahl Tiere größere Arbeiten ausführen als in anderen Gehöften . Hiezu kam noch eine gewisse Fröhlichkeit und Heiterkeit der untergeordneten Leute , die bei jeder sachgemäßen Führung eines Geschäftes , bei dem sie beteiligt sind , und bei einer wenn auch strengen , doch stets freundlichen Behandlung nicht ausbleibt . Ich hörte bei meiner jetzigen Anwesenheit öfter von benachbarten Leuten die Äußerung , das hätte man dem alten Asperhofe nicht angesehen , daß das noch heraus kommen könnte . Es wurde , da wieder mehrere Gewitter niedergegangen waren , die Luft sich gereinigt hatte und einige schöne Tage erwartet werden konnten , die Reise zu der Kirche mit dem sehenswürdigen Altare festgesetzt . Im Norden unseres herrlichen Stromes , welcher das Land in einen nördlichen und südlichen Teil teilt , erhebt sich ein Hochland , welches viele Meilen die nördlichen Ufer des Stromes begleitet . In seinem Süden ist eine acht bis zehn Meilen breite , verhältnismäßig ebene Gegend von großer Fruchtbarkeit , die endlich von dem Zuge der Alpen begrenzt ist . Ich war bisher nur vorzugsweise in die Alpen gegangen , die nördlichen Hochlande hatte ich bloß ein einziges Mal betreten und nur eine kleine Ecke derselben durchwandert . Jetzt sollte ich mit meinem Gastfreunde eine Fahrt in das Innere derselben machen ; denn die Kirche , welche das Ziel unserer Reise war , steht weit näher an der nördlichen als an der südlichen Grenze des Hochlandes . Wir fuhren in der Begleitung Eustachs von dem Stromesufer die staffelartigen Erhebungen empor , und fuhren dann in dem hohen , vielgehügelten Lande dahin . Wir fuhren oft mit unserm Gespann langsam bis auf die höchste Spitze eines Berges , empor dann auf der Höhe fort , oder wie senkten uns wieder in ein Tal , umfuhren oft in Windungen abwärts die Dachung des Berges , legten eine enge Schlucht zurück , stiegen wieder empor , veränderten recht oft unsere Richtung , und sahen die Hügel , die Gehöfte und andere Bildungen von verschiedenen Seiten . Wir erblickten oft von einer Spitze das ganze flache gegen Mittag gelegene Land mit seiner erhabenen Hochgebirgskette , und waren dann wieder in einem Talkessel , in welchem wir keine Gegenstände neben unserem Wagen hatten als eine dunkle , weitästige Fichte und eine Mühle . Oft , wenn wir uns einem Gegenstande gleichsam auf einer Ebene nähern zu können schienen , war plötzlich eine tiefe Schlucht in die Ebene geschnitten , und wir mußten dieselbe in Schlangenwindungen umfahren . Ich hatte bei meinem ersten Besuche dieses Hochlandes die Bemerkung gemacht , daß es mir da stiller und schweigsamer vorkomme , als wenn ich durch andere , ebenfalls stille und schweigende Landschaften zog . Ich dachte nicht weiter darüber nach . Jetzt kam mir dieselbe Empfindung wieder . In diesem Lande liegen die wenigen größeren Ortschaften sehr weit von einander entfernt , die Gehöfte der Bauern stehen einzeln auf Hügeln oder in einer tiefen Schlucht oder an einem nicht geahnten Abhange . Herum sind Wiesen , Felder , Wäldchen und Gestein . Die Bäche gehen still in den Schluchten , und wo sie rauschen , hört man ihr Rauschen nicht , weil die Wege sehr oft auf den Höhen dahin führen . Einen großen Fluß hat das Land nicht , und wenn man die ausgedehnte südliche Ebene und das Hochgebirge sieht , so ist es nur ein sehr großer , aber stiller Gesichtseindruck . In den Alpen geht der Straßenzug meistens nur in den Talrinnen an den Flüssen oder Wildbächen dahin , er kann sich wenig verzweigen , der Verkehr ist auf ihn zusammengedrängt , und es regt sich auf ihm , und es wehet und rauscht an ihm . In diesem Lande sind noch viele wertvolle Altertümer zerstreut und aufbewahrt , es haben einmal reiche Geschlechter in ihm gewohnt , und die Krieges- und Völkerstürme sind nicht durch das Land gegangen . Wir kamen in den kleinen Ort Kerberg . Er liegt in einem sehr abgeschiedenen Winkel und ist von keinerlei Bedeutung . Nicht einmal eine Straße von nur etwas lebhaftem Verkehre führt durch , sondern nur einer jener Landwege , wie sie zum Austausche der Erzeugnisse der Bevölkerung dienen , und von dem guten Sand- und Steinstoffe des Landes sehr gut gebaut sind . Nur die Lage ist schön , da hier die Bildungen etwas größer sind und , mit dämmerigem Walde teilweise bekleidet , anmutig zusammentreten . Und doch steht in diesem Orte die Kirche , zu welcher wir auf der Reise waren . Hinter dem Orte ungefähr nach Mitternacht liegt ein weitläufiges Schloß auf einem Berge , welches große Garten- und Waldanlagen um sich hat . Auf diesem Schlosse hat einmal ein reiches und mächtiges Geschlecht gewohnt . Einer von ihnen hatte in dem kleinen Orte die Kirche bauen und auszieren lassen . Er hat die Kirche im altdeutschen Stile gebaut , Spitzbogen schließen sie , schlanke Säulen aus Stein teilen sie in drei Schiffe , und hohe Fenster mit Steinrosen und ihren Bögen und mit den kleinen vieleckigen Täfelchen geben ihr Licht . Der