und Ausgänge sein ganz Leben lang alle geschehen in Gottes Namen , das wolle Gott . « Wie nötig das arme Würmlein das hätte , mußte Vreneli denken den ganzen Weg entlang , während die andere Gotte alle möglichen Manövers machte , damit die Leute nicht meinten , sie gehöre zum Kinde ; sie dachte nicht daran , wie wenig ihr alle Künste hülfen , da sie in der Kirche vor aller Leute Augen doch zum Kinde stehen mußte . Man kann allerdings nicht genug daran denken , wenn man ein arm Kind zur Kirche trägt , wie nötig dasselbe Gott habe , wenn das Elend der Sünde es nicht verschlingen soll . Der Taufschmaus oder , wie man merkwürdigerweise sagt , die Kindbetti ( wahrscheinlich , weil der Mann die Kosten dazu mit Weh und Schmerzen aufbringt ) wurde im Wirtshause ausgerichtet . Die eigentliche Kindbetterin blieb zu Hause , wohin auch das Kind getragen wurde . Vreneli verarbeitete grausam viel Langeweile , ehe die Mahlzeit aufgetragen wurde . Mit seiner Mitgevatterin stund es auf gespanntem Fuße , mit den Andern war nicht viel zu reden , die Wirtin war nicht redselig und der Wirt handelte mit Juden um Kühe . Der Wirt gehörte nämlich unter die Wirte , welche weder Sonntag noch Sabbat kennen , um alles handeln und die eigne Seele verschachern würden , wenn man sie an einen vierkreuzerigen Strick binden und weiterführen könnte . Wahrscheinlich um solcher Wirte willen wird der liebe Gott die Seele unsichtbar gemacht oder keinen Strick geschaffen haben , an dem man sie halftern kann . Der kleine Bauernsohn war ein Dorfrenommist . Ungeheure Heldentaten hatte er vollbracht , aber alle waren mit Schmutz angemacht oder nahmen ein schmutziges Ende . Vreneli kriegte großen Ekel darüber . Sobald es das Nötigste gegessen und getrunken hatte , verschwand es ganz in großem Stile . Der Wirtin trug es auf , später seine Entschuldigungen zu machen , nahm noch Wein und Fleisch mit sich , versteht sich für sein Geld , und machte dem verlassenen Fraueli sich zu . Über den so frühen Besuch war dieses fast erschrocken , denn so früh verläßt sonst selten eine Gotte den Patenschmaus ; es fürchtete , der Mann könnte es an ihm zürnen , daß Vreneli so frühe fortgelaufen . Indessen verlor sich dieser Schreck in der Freude , die alte Gespielin vor sich zu haben . Das Herz ging ihm auf , es erzählte Vreneli seine Geschichte . Diese war nicht viel anders als die Geschichte von Tausenden , aber sie ging Vreneli doch zu Herzen , als sei sie ihm neu von Anfang bis zu Ende . Leichtsinnig hatte sie sich mit einem Nebenknechtlein eingelassen , mußte ihn heiraten , hatten nichts erspart , bekamen ein Kind nach dem andern ; sie konnte nichts verdienen , er war von den Mittelmäßigen einer , welche nur geringen Lohn erhalten . Er war wohl fleißig , aber er war kein Meister in irgend einer Arbeit , konnte nur taglöhnern oder als Nebenknecht in einem Dienste stehen , wo er keinen besondern Zweig der Landwirtschaft eigen zu beschaffen hatte ; er war von denen einer , welche einen Tag nach dem andern hinnehmen , wie er kömmt , ohne Streben und Anspannung , durch Ausbildung seiner Kräfte oder tüchtigere Anwendung derselben seine Lage zu verbessern . So erzählte nun das Weib Vreneli so ganz ins Einzelne hinein , wie kümmerlich sie sich durchbringen müßten , wie Kreuzer um Kreuzer abgezählt werden müßte , welche Angst und Sorgen es verursache , wenn unerwartet Schuhe geflickt werden müßten , und welche Freude , wenn unerwartet ein Stück Brot ins Haus käme oder ein altes Kleidungsstück . Vreneli kannte diese Art von Haushaltungen im allgemeinen ganz gut , aber so ganz ins Kleinste hatte es sie nicht verfolgt , die ängstliche tägliche Pein nie so anschaulich vor Augen gehabt , als sie ihm jetzt durch seine Freundin dargestellt ward , so daß es ihm wurde , als sei es selbst mitten drin und müßte sie mitmachen Tag für Tag . Es hatte unsägliches Erbarmen mit dem armen Weibe , es fühlte , wie es in solchem Zustande , in welchem man zu wenig hat , um zu leben , und zu viel , um zu sterben , wo man keine Aussicht hat , ihn zu verbessern , die höchsten Hoffnungen nicht einmal mehr bis an eine Ziege reichen , höchstens bis an ein Huhn , namenlos unglücklich wäre , ihn nicht ertragen könnte . In einem solchen Zustande , gleichsam mit gebundenen Händen und Füßen , jahrelang bis ans Lebensende zu zappeln , in täglicher endloser Not zu verkümmern , die Brosamen zählen zu müssen und immer zu wenig zu haben , den eigenen und der Kinder Hunger zu stillen , das ist das Schrecklichste unter der Sonne . Es schauderte zusammen bei dem Gedanken , wenn es doch das erleben müßte , es konnte nicht begreifen , wie die arme Frau das so erzählen konnte ohne Jammer und Weinen . Es konnte nicht begreifen , wie sie fast noch mit einer Art von Behagen erzählen konnte , wie sie ihre Armütigkeit verwalte , es dachte nicht daran , wie der Mensch nach und nach an alles sich gewöhnt und auch daran , im engsten Raume sich zu bewegen und seine Tätigkeit in die kleinsten Schranken gebannt zu sehen . Wer an weite Aussichten gewohnt ist , an großen Geschäftsverkehr und weithin reichendes Wirken , dem scheint ein so eng beschränktes Dasein die schrecklichste Pein auf Erden , und doch würde er sich im Laufe der Jahre vielleicht daran gewöhnen , es erfahren , daß die Bürden , welche alle Menschen tragen , wohl anders aussehen , aber nicht so verschieden sind , als sie scheinen , daß ihre Schwere oder ihre Leichtigkeit nicht vom eigenen Gewicht abhängt , sondern von der Gewohnheit und dem Gemüte , welches sie trägt . Schwer trägt ein Kind an einem Pfunde , leichter