konnte sie sterben . Mit Löwenmuth fiel die arme Frau über , das hoffnungschlagende Herz des Geliebten her und entblätterte alle seine Blüthen . - Vergebens wiederholte er ihr , daß die Trennung von ihrem Gemahl bereits hinter ihr liege , daß es Raserei sei , einem bloßen Begriff ein ganzes Leben zu opfern . Sie schüttelte stumm und traurig den Kopf , aber seine Worte schmerzten sie , ohne sie irre zu leiten . Anna ! rief Gotthard endlich verzweifelnd , seit sechs Jahren habe ich eine freudenlose Existenz von Tag zu Tage hingeschleppt ; im Edelsten , Erfolgreichsten , das ich zu leisten versuchte , klang immer die Todtenstimme meines Herzens vernichtend durch ; ich fühle , daß mir der Boden unter den Füßen fehlt . Anna , lassen Sie mich meine Aufgabe vollenden ! Gewähren Sie mir Frieden ! Enden Sie diese rastlose Pein , dieses stachelnde Glückverlangen , dieses verzehrende über einer Unmöglichkeit Sinnen und Brüten , an welche zu glauben , der männlichen Natur eine schlimmere Vernichtung ist , als Krankheit oder Tod . Der Zwiespalt zerfrißt mit seinem Rost mein Herz , meine Sinne . Was zu thun Menschen möglich war , ist von beiden Seiten geschehen , und jetzt , da eine unbegreifliche Barmherzigkeit des Zufalls die Möglichkeit einer innern Vollständigkeit , einer geistigen Genesung uns gewährt , jetzt wollen Sie in kränkelndem Pflichtgefühl einer unwahren Ueberzeugung , einer gemachten Nothwendigkeit sich und mich opfern ? Bis in ' s Tiefste erschüttert , hörte sie ihn an , dann begann sie zu erzählen . Je länger sie sprach , desto trüber wurde Gotthard . Sie sprach über Egon , über dessen richtenden Blick , der schon jetzt mit schneidender Schärfe den Vater getroffen , über die beiden Briefe , die sie selbst von Brandenburg aus an Kronberg geschrieben . Im Reden ward sie muthiger . O , mein Freund ! sagte sie fest , wir können uns einander opfern , denn wir sind eins ; aber kann ich den Knaben beider Eltern berauben ? Hat meine Liebe zu Ihnen , Gotthard , des Vaters Herz ihm entfremdet , darf ich die Mutter auch von ihm trennen ? Verlangen Sie nicht , was wir Beide nicht ertrügen . Leben Sie wohl , Anna ! sagte Gotthard , bebend vor Schmerz , aber rasch entschlossen . Es war das letzte träumerische Aufflammen meiner Jugend , es war ein wundersüßer , schöner Traum , der , wie alle Morgenträume , in blasses Tagesgrau verweht ! O Anna , Anna ! nun darf ich dich niemals wieder sehen ! Er zog sie einen Augenblick an seine Brust , ihr war , als breche ihr Leben . O Gotthard ! hauchte sie leise , sein Sie nicht allzu hart gegen uns Beide ! Können wir denn wissen , was Gott über uns verhängt ? Lassen Sie uns treu sein und still halten ! Es lag eine so tiefe , demüthige Gottergebenheit in Anna ' s Worten , wie in ihrem ganzen Wesen , daß plötzlich Gotthards milde Natur , wie wach gerufen , aus dem Dunkel des eigenen Innern sich erhob . Still hielt er sie in seinen Armen , sah sie weich und innig an und strich ihre seidenen Locken zurück , die ihr in ' s Gesicht gefallen . Nun denn , mein Engel , lebe wohl ! Lebe tausendmal wohl ! Nicht auf immer . Aber weine nicht , o weine nicht , Anna ! Leise bog er sich nieder - Beide saßen noch auf dem Sopha - seine Lippen berührten kaum , sie streiften nur ihren goldnen Scheitel . Monsieur de St. Luce , Madame ! rief Auguste ' s Stimme . Die Thüre ward aufgerissen , Leontine , Viatti , Otto , St. Luce und - Kronberg standen vor den Unglückseligen . Ein dumpfer ächzender Laut , kein Schrei , kein Seufzer - ein schneidendes Wimmern durchdrang das Zimmer . Kronberg lehnte sich wie bewußtlos an die Thür , Viatti unterstützte ihn . Leontine war auf Anna zugesprungen , die in todtenähnlicher Ohnmacht am Boden lag ; St. Luce und Otto hatten sich hastig zwischen Gotthard und Kronberg gestellt . Wortlos , zitternd vor Grimm und wahnsinniger Verzweiflung starrten beide Männer einander an . Kronberg faßte sich zuerst , an Viatti ' s Arm verließ er das Zimmer . Leontine trat entschlossen auf St. Luce zu . Sind Sie Auguste ' s gewiß ? fragte sie , convulsivisch zitternd . Wie meines Lebens , Frau Marquise ! So ist nichts verloren , denn unschuldig ist sie , so wahr Gott lebt ! Aber jetzt schaffen Sie mir Sophie , lieber General , dann verlassen Sie uns . Bereden Sie mit Otto , was gethan werden muß . Vor Allem , sagte der graue Invalide , ist die äußere Ehre , der Ruf der Unglückseligen vor einem unauslöschlichen Flecken zu wahren . Still legte er sie mit Leontinens Hülfe auf ' s Sopha . Otto stand wie versteinert ; etwas Furchtbares war geschehen . Er verstand diese Möglichkeit nicht ; eine Secunde lang war er an Annen irre geworden . Kronberg war mit Viatti sogleich in den noch unten haltenden Wagen eingestiegen und fortgefahren ; Niemand wußte wohin . Gotthard stand im Vorhause und starrte mit gekreuzten Armen düster vor sich hin , als suche sein Geist die Möglichkeit einer Ausgleichung des Geschehenen , an die er selbst nicht glaubte . So fand ihn Otto . In zwei Worten hatten sich Beide verständigt , St. Luce ' s Brief hatte ja ihn hergelockt , wie Duguets Schreiben früher Otto . Er wird mich fordern ! sagte kalt und ingrimmig Gotthard . Er wird mich hören ! erwiderte Otto . Unterdessen war St. Luce die Treppe herabgekommen ; als Offizier sah auch er einen blutigen Ausgang der Sache als unvermeidlich voraus . Alle Drei gingen in den Gasthof , den Gotthard und Otto bewohnten . Sie erwarteten dort Nachricht von Kronberg . Gotthard war trübe