wo des Sonntags Kellerjoggi gewöhnlich seinem Namen Ehre machte und welches zwischen Schüliwyl und Aufbigehrige lag . Unwillkürlich zog es Anne Mareili dem Vater nach , aber bis es sich zweggemacht , war er seinen Augen längst entschwunden , aber dennoch mußte es gehen . Es werde ihm neue so angst , sagte es der Mutter , es düechs , es müsse ein wenig voruse . » He nun , so geh « , sagte die Mutter , » aber mach , daß du heim bist für dSach z ' mache ! Auf die Jungfrauen kann man sich nicht mehr verlassen , gäb wie man es ihnen sagt ; wenn die hinter sieben Zäunen ein Bubenbein sehen , so bringt man sie mit keinem Lieb mehr ab Platz . « Anne Mareili ging der Richtung nach , in welcher der Vater gegangen war , aber keine Spur vom Vater fand sich mehr . Wege liefen nach allen Richtungen aus , es wählte nicht , lief den geradesten ; bald stand vor ihm das Dorf , wo ihre Kirche stund , und nun fiel auf einmal ihm die Verlegenheit aufs Herz , was es dort machen , was es zWort haben wolle , und wenn es durchs Dorf durch sei , wohinaus es dann wolle . Wenn es gesagt hätte , es wolle ein Kehrli machen , spazieren gehen , man hätte es angesehen wie einen Stier ohne Hörner , ein Schwein ohne Ohren , und bis dato noch schämen ehrbare Mädchen auf dem Lande sich des Kehrlis und Spazierens ohne Ziel ; sie spazieren auch , aber sie haben entweder etwas beim Schuhmacher zu verrichten oder möchten sehen , was ihr Flachs mache oder der Hanf auf der Rösti . Dann war es so früh , und es kam daher wie aus einer Kanone ; so wegen mir nichts und dir nichts kömmt man aber nicht so früh und so wie aus einer Kanone . Da fing es an zusammenzuläuten zur Kinderlehre . Beruhigend klangen die Töne in sein verwirrt und ängstlich Herz hinein , sie waren wie das Öl , das Aarons Haupt umfloß und Ruhe in sein Herz ihm goß ; vor ihm ging es auf wie ein groß und herrlich Tor , das in kühle , friedliche Hallen führt aus heißem Gewühle . In die Kinderlehre , düechte es ihns , möchte es einmal wieder ; seit es die Erlaubnis zum heiligen Abendmahl erhalten , war es nie in derselben gewesen . Daß Baurentöchter dieselbe besuchen , ist nicht Mode , kein guter Schick ist dort zu machen , keine Kurzweil ist darin zu treiben , und wo es nicht Mode ist , geht man nicht hin , so ume vo wege nüt mag man sich nicht auslachen lassen . Nur so arme Mädchen und zuweilen auch ein sinniger Bube kommen her , die es einsam anweht draußen in der Welt , die Heimweh haben nach dem Orte , wo sie die Liebe Gottes angeweht , wo sein Licht helle Strahlen in ihre Herzen geworfen , die ein Heimweh haben nach dem Lehrer , der ihre Herzen einem höhern Sinne aufgeschlossen , dessen Worten sie es angefühlt , daß er ein Herz für sie habe , wie keines auf Erden für sie geschlagen , daß sie ihn so recht aus Herzensgrund erbarmen , daß er sie retten möchte aus des Verderbens Schlund mit allen Kräften und von ganzer Seele . Wie wohl tut es ihnen , wenn sie ihn sehn , wenn sie die alten und doch immer neu werdenden Lehren hören ! Und wenn sie fühlen , daß unter ihnen der Boden wankt , daß die Wellen der Welt die Scholle , auf der sie stehen , vom Ufer reißen , so wenden sie nur um so inniger ihre Blicke nach dem treuen Lehrer , und Tränen drängen sich ins Auge , und jede Träne ruft : Wenn der es wüßte , was würde er sagen ! Da wird oft das Herz so heiß , Bekenntnis um Bekenntnis drängt sich hervor bis an die Schranke der üblichen Sitte ; da erkalten sie wie Lava in des Meeres Schoß , und was der Lehrer wohl im Auge sah , das überschritt die Lippen nicht , das versteinerte nach und nach . Wenn dann im Herzen die Welt erkaltet , da taut wohl das versteinert Gewesene wieder auf ; er hätts gut mit mir gemeint , heißt es dann , aber was will me ? Ih ha mih gschoche , u du ischs gange , wies gange ist . Wenn ich ihn nur noch einmal sehen könnte und der liebe Gott mir verzöge , so wärs , was ich wünschte . So dünkt es manches arme Mädchen und zuweilen auch einen Buben , die fühlen , daß kein Herz so warm für sie schlägt als das da innen . Diese haben eben kein Vorwort nötig , wenn sie in die Kinderlehre gehen wollen ; die , wenn sie nicht narrochtig tun , laufen unbeachtet . Anne Mareili hatte den Pfarrer auch geliebt , es düechte ihns immer , er meine es so gut , kein Mensch so auf der Welt ; mit keinem Lieb hätte man es von einer Unterweisung abgehalten , und als sie zu Ende waren , düechte es ihns , es wäre ihm jemand gestorben und zwar das Liebste , welches es auf der Welt hatte . Es hatte darauf einige Male gesagt : » Es düecht mih , ih möcht zKingelehr . « Dann hatte die Mutter gesagt : » Was witt doch , du Göhl , es düecht mih , du söttisch gnue Kingelehr übercho ha . Es geyht ja ke Mönsch , was witt doch ? DLüt lache dih ume us . « So hatte es die Mutter abgehalten , und Anne Mareili ließ sich abhalten , es hatte es nicht besser gesinnet . So halten noch viele Eltern ihre Kinder vom Gottesdienst ab , und nicht nur vom Gottesdienst , sondern