, » z.B. in der Ehe . « Sie war nicht trübe , nicht unzufrieden , nicht erkaltet gegen mich , nur von einer unbesieglichen Schwermuth . Ich bat , ich beschwor sie zu malen , zu dichten . » Wozu ? « antwortete sie . » Was nicht erster Ordnung ist , braucht gar nicht zu sein , und erster Ordnung sind etwa zwei oder drei Bücher und ebenso viel Kunstwerke : sie bestimmten eine Zeit , sie brachen eine Bahn , sie gaben eine Richtung . Dies hängt nicht sowol von dem ab , der sie schrieb , malte oder baute , sondern davon , daß Gott ihn im rechten Moment , als er ein tüchtiges Werkzeug brauchte , auf die Welt schickte . Ein solcher Genius ist für alle Zeiten groß ; nur für eine Epoche es zu sein , ist demüthigend ! denke doch : Gluck wird unsterblich genannt , aber von 1000 Menschen gähnen 999 bei seiner Musik . « » Nach dem Urtheil der Menge darfst Du nicht hören , denn zuweilen beherrscht falscher Geschmack , durch irgend welche Laune einer Sommität sanktionirt , lange Epochen . Während des Baustyls der Renaissance war der gothische verachtet ; erst jetzt lernt man allmälig ihn bewundern . « » Freilich , er ist erster Ordnung ! « sagte sie traurig . Wie diese Muthlosigkeit mich grämte ! wie ich sie anflehte , mir deren Grund zu sagen ! ich warf ihr Mangel an Vertrauen vor . » Nein ! « rief sie , » meine Seele liegt offen vor der deinen ! aber Du , Mario , Du willst nicht sehen , was ich doch ganz klar und deutlich sehe , daß meine Zeit aus ist . Schweig ! schweig ! « rief sie , als ich antworten wollte ; » weshalb sollte ich das nicht sehen ? weiß doch die Wasserlilie ihre Zeit , steigt zum Blühen auf die Wellen empor , und sinkt dann in die Tiefe zurück , befriedigt , still , mit dem Schatze seliger Erinnerungen . Die Blume weiß , wann ihre Zeit vorüber ist , und der Mensch bemüht sich , es nicht zu wissen ! Diese Jahre mit Dir , Mario , waren meine höchste Blütezeit ! « » Du liebst mich nicht mehr ! « rief ich mit bitterm Schmerz . » Thor ! « sagte sie ruhig , mit jenem extasischen Lächeln , das ich nur auf ihrem Antlitz gesehen habe ; » Thor ! hast Du nicht das Tabernakel meines Herzens berührt ? ist nicht Bonaventura Dein Sohn ? Nein , Mario , ich liebe Dich , ich habe nichts so wie Dich geliebt , ich werde nach Dir nichts lieben , aber über Dir - Gott ! O Engel , meine Seele hat mit der deinen in solchen Extasen der Liebe und Begeisterung geschwelgt , daß Alles , was ihr in dieser Region widerfahren kann , nur Wiederholung , und vielleicht .... eine matte sein dürfte . Wir haben mein Herz so nach seinen Schätzen durchgraben , daß die Goldminen .... vielleicht erschöpft sind . Ehe die trostlose Gewißheit uns kommt - « » Faustine ! « sagte ich - ich weiß nicht , mit welchem Ton ; denn sie fiel mir zitternd in die Arme und sprach ganz , ganz leise : » Ah , wenn Du mir zürnst , hab ' ich keinen Muth Dir meine Seele zu entfalten . « Ich erkannte wohl , daß ich sie nicht einschüchtern durfte , umarmte sie und fragte gelassen , was sie denn zu thun gesonnen sei . Sie erwiderte : » Ich will die Minen verschütten ! ist noch edles Metall darin , so mög ' es in der Tiefe ruhn ! oben darauf will ich Blumen pflanzen . « » Aber was mögtest .... was willst Du thun ? « rief ich in Todesangst . » Ganz Gott angehören und in ein Kloster gehen , « sagte sie ; ich aber sprach bestimmt : » Nie , Faustine ! nie , niemals . « Ich bemühte mich , die Sache für eine momentane Aufregung zu halten , zu glauben , daß irgend ein Buch , irgend ein Gespräch mit ihrem Beichtvater sie lebhaft erschüttert habe ; doch ihre Lektüre bestand grade jetzt aus den alten römischen Geschichtschreibern , und ihr Beichtvater , der zugleich der der halben Florentiner Welt war , Pater Gerolamo , war mir sehr wohl bekannt als ein ruhiger , milder , kluger Mann , ohne alle ascetische Anforderungen . Wir waren dazumal in Pisa , theils weil der Hof sich für einige Monate dort aufhielt , theils weil Faustine eine besondere Vorliebe für diese melancholische Stadt hatte . Wir bewohnten den Palast Lanfranchi am Lung ' Arno , wo Lord Byron während seines Aufenthalts in Pisa wohnte , und bei uns lebte Graf Kirchberg , ein alter Freund Faustinens , der so eben nach Italien gekommen war . Zufällig oder absichtlich - ich weiß es nicht - äußerte er einmal im Gespräch mit mir , Andlau sei von den Aerzten seiner Gesundheit wegen nach Italien geschickt , er glaube nach Rom . Ich bat Kirchberg , nichts davon gegen Faustine zu erwähnen , sie sei ohnehin in einem krankhaft erregten Zustand . Er fand das auch , denn er hatte sie wirklich lieb . Nur Gleichgültige sahen uns mit immer gleichem Auge an . Wir machten täglich weite Spazierritte mit ihr , daran fand sie viel Vergnügen ; und fast täglich auch ging sie in das Campo santo , » um Studien zu machen , « wie sie sagte . Doch umsonst begehrte ich , daß sie dort Zeichnungen und Skizzen entwerfe . » Ich sehe und denke - ist denn das nicht genug ? sehen nicht die meisten Leute , ohne zu denken ? « fragte sie . » Für Dich ist ' s nicht genug , Du mußt schaffen ! « rief ich , und wie aus