von den heftig auf ihn einstürmenden Ereignissen der vorigen Nacht , war er durch die unverhoffte Ankunft des Fürsten Andreas plötzlich aus einem Extreme in das andre geworfen worden . In seiner damaligen Stimmung wirkte überraschende Freude auf ihn , wie ein Rausch auf einen durch langes Entbehren aller Kraft Beraubten wirken mag ; lieber noch möchte ich einem hartbeängsteten Kinde ihn vergleichen , das , obgleich noch immer in drohender Gefahr schwebend , jubelnd meint , nun wäre alles gut , weil es die Mutter kommen sieht . Auf das ihm eingeräumte Sohnesrecht sich verlassend , eilte Richard lange vor der üblichen Besuchsstunde zum Fürst Andreas , und kam doch nur eben zeitig genug an , um die Hinterräder der Staatskutsche desselben um die Ecke beugen zu sehen . Bei der kräftigen , keine Ermüdung kennenden Natur des alten Herrn , und der unermeßlichen Anzahl von Besuchen , die nach so langer Abwesenheit abzustatten ihm oblag , konnte niemand etwas Auffallendes hierin finden ; dennoch fühlte Richards leicht verletzbare Empfindlichkeit durch das , was gewiß nichts weiter als Zufall war , sich unangenehm berührt . Sinnend stand er ein paar Augenblicke im Portal , und überlegte ob er versuchen solle den Fürstinnen seinen Glückwunsch zu bringen , obgleich er wohl im voraus wissen konnte , daß sie in dieser frühen Morgenstunde noch nicht sichtbar wären ; ein leises Geräusch bewog ihn sich umzuwenden , hinter der großen Treppe in Dunkelheit verborgen , öffnete sich eine kleine Thüre ; Richard kannte sie wohl , sie führte gerade in ' s Kabinet des Fürsten und nur seine Vertrautesten hatten den Schlüssel dazu . Jetzt schlich eine in ihren Mantel gehüllte Gestalt vorsichtig hinaus , und suchte durch die in den hintern Theil des Gebäudes führenden Gänge sich zu verlieren . Mit leisen weit ausholenden Schritten eilte Richard dem Manne im Mantel nach , der ihn erwartend stille stand , sobald er ihn kommen sah . Es war Sergius . Du schon hier ? wie hast Du seine Ankunft so frühe schon wissen können ? fragte Richard hastig auf ihn einfahrend . Ich war weit früher hier als er selbst . Seine fürstliche Gnaden ließen sich erwarten , und das war mir eigentlich ganz recht ; ich gewann dadurch Zeit den kleinen Rausch auf seinem Diwan verdampfen zu lassen , den Du vermuthlich mir wirst gestern Abend angemerkt haben : erwiederte Sergius sehr heiter . Aber wie kamst Du denn dazu ihn hier erwarten zu wollen : rief Richard aufs Höchste gespannt . Wie ich dazu kam ? lustige Frage ! lachte Sergius : wie kommt man dazu einer Einladung Folge zu leisten ? ich erwartete ihn hier , weil er wünschte , daß ich ihn erwarten sollte , und Ort und Zeit mir dazu bestimmt hatte . Weil er es wünschte ! Ort und Zeit bestimmt , Dir ? wiederholte Richard , ganz außer aller Fassung . Aber wie kommst Du mir denn heute vor ? krank bist Du nicht , und an ein Räuschchen ist bei Dir nüchterner Seele besonders in so früher Tageszeit gar nicht zu denken ; erwiederte Sergius , und sah sehr verwundert ihn an . So wie Du zu Andreas stehst , kann es Dir doch kein Geheimniß geblieben sein , daß er dem Bunde seine Ankunft am heutigen Tage vorher gemeldet hat ? obgleich er seine Familie durch dieselbe zu überraschen Willens war . Doch halt ! nun ich es recht bedenke , Du gehörst ja gewissermaßen doch auch zu derselben ; darum , darum ! daran habe ich gar nicht gedacht ! Richards Gesicht erheiterte sich bei dieser Bemerkung ; aber Du ? noch immer begreife ich nicht , wie Du dazu kamst , ihn schon in der Nacht hier zu erwarten ? fragte er nochmals . Weil er durch einen besondern Expressen mich ganz insgeheim dazu aufgefordert hat ; war die Antwort . Es sollte ein Geheimniß zwischen uns bleiben , denn wir sehen nicht ein , warum Pestel überall und in Allem die Finger haben muß ; darum habe ich es auch Dir verschwiegen , obgleich ich voraus setzen konnte , daß Du in Deinem bekannten Verhältnisse zu Andreas darum wüßtest . Nimm ' s nicht übel , Brüderchen , doch Vorsicht ist immer gut , und Pestel noch etwas schlauer als der Teufel selbst . Richard war wie aus den Wolken gefallen . Aber ich verweile hier zu lange , fuhr Sergius fort : Lebe wohl , Brüderchen , auf glückliches Wiedersehen ! Du gehst ? wohin ? rief Richard , den Forteilenden beim Arme ergreifend . Stehenden Fußes nach Mohilov : war die Antwort , ich mußte nur noch vorher mit Andreas Rath pflegen ; nun ist alles in Ordnung , und nun laß mich gehen . Apropos ! setzte er noch einmal umkehrend hinzu , wir haben auch Deinen Yakuchin todtgeschlagen , Andreas und ich ; unterwegs werde ich nebenher seinen Todtenschein besorgen ; es ist so am besten , auf diese Art sind wir ihn , und er uns mit guter Manier los . Ungeheuer ! schrie Richard , und packte ihn wüthend bei der Brust . Oho ! oho ! ob Du dumm bist ! ob Du ein Narr bist ! hast nicht einmal so viel Verstand , so etwas figürlich zu nehmen ! plagt Dich der Teufel ? rief lachend Sergius , machte sich von ihm los , und lief davon . Erstarrt , versteinert stand Richard da , bis die unheimliche Erscheinung am Ende des dunkeln Ganges seinen Blicken entschwand . Er fühlte als durchbohre ein heftiger stechender Schmerz ihm das Herz , als zöge es in kurzen Schlägen ängstlich flatternd zu eisiger Kälte sich zusammen , um gleich darauf hochanschwellend , ihm Luft und Athem rauben zu wollen . In der peinlichen Überraschung , in welche dieses seltsame Zusammentreffen ihn versetzt hatte , wußte er nicht mehr das innere Gefühl , das ihn übermannte , von blos physischem Schmerze zu unterscheiden . Was so