des Herzogs denselben bereits aller der Kleidungsstücke entledigt , welche die Bequemlichkeit hinderten , und beschäftigt , einen großen seidenen Mantel um sich zu ziehen , worin er sich , von Maxwell unterstützt , sogleich zur behaglichen Ruhe in die Kissen seines Ruhebettes warf . Maxwell , der dies für die Vorbereitung einer frischen Toilette hielt , beeilte sich , vor den Augen des Herzogs einige neue sehr kostbare Anzüge auszubreiten , in steigender Ungeduld das erste Wort des launenhaften Mannes erwartend , der indessen mit halb geschlossenen Augen und fast träumend die Gegenwart seines Dieners nicht zu bemerken schien . Doch eben so schnell aus einem Zustand in den andern übergehend , flog er nach einigen Augenblicken wie ein Blitz empor und forderte mit einer bis zum Zorn gesteigerten Ungeduld ein Kästchen , was Lord Saville abgegeben haben müsse . Es stand vor seinen Augen , und seine unscheinbare Hülle rechtfertigte sehr wenig das grenzenlose Entzücken , womit der Herzog es jetzt an Brust und Lippen drückte , und nun mit den Händen und Maxwells Hülfe und allen zur Hand sich findenden scharfen Werkzeugen eine Hülle nach der andern löste , bis endlich ein seidenes Tuch von Purpurfarbe , mit goldenen Lilien besäet , dem Herzog in die Augen fiel . Er stieß nun die Hände Maxwells zurück , um es mit den zärtlichsten Liebkosungen zu bedecken , die er nur unterbrach , um ein in Gold und purpurrothen Sammet gefaßtes Kästchen hervorzuziehen , welches beim schnellen Oeffnen das Bild einer schönen Dame im glänzendsten Schmucke gewahren ließ . Wir enthalten uns , die Ausbrüche einer leidenschaftlichen Liebe , wie sie der Herzog von Buckingham zu empfinden vermochte , hier aufzuzeichnen . Maxwell , an solche Scenen gewöhnt , dachte mit einem höhnischen Lächeln der Marquise von St. Pol , die noch gestern in Person der Gegenstand von Aeußerungen war , die jetzt einem todten Bilde und einem seidenen Tuche verschwendet wurden . Zu genau diese Zustände kennend , um den Herzog früher davon abziehen zu wollen , als diese Emfindungen in ihm von selbst sich erschöpften , und hinreichend belehrt , daß dies seine Geduld nicht über Gebühr in Anspruch nahm , zog er sich hinter die Barriere der aufgerichteten Prachtkleider zurück , jeden Ausruf des Herzogs mit einem Lächeln des Spottes und der Verachtung begleitend . Aber der Herzog schien dies Mal die vorwaltende Liebesangelegenheit mit Gedanken ernsterer Natur vereinigen zu müssen ; es schien in ihm ein Streit zu walten , der nur dann einzutreten pflegte , wenn ihm Zweifel kamen , welches ihm das Vortheilhafteste , Bequemste oder Belustigendste sein möchte . Offenbar neigte sich aber dem abwesenden Gegenstande , der sich ihm in dem reizenden Bilde personifizirte , sehr bald die Wage , und er brach in einige gottlose Eidschwüre aus , ihrem Besitze jedes andere Interesse der Erde zu unterwerfen . Welche lächerliche Träume einer empfindsamen Knabenwelt , setzte er lachend hinzu , sind überdies diese sogenannten Bande der Natur , und existiren sie hier noch ? Einem unbekannten Wesen , dessen Dasein man mir zu verhehlen wagte , als es mir noch von Werth sein konnte , sollte ich jetzt vielleicht dieses Wiedersehen opfern ? Dieser Knabe Karl , der die blödsinnige Vorstellung hegte , mir ein albernes Geheimniß zu entziehen , und die strafenswerthe Kühnheit , es wirklich auszuführen ! Ihren Plänen , nachdem sie ergraut und in sich selber zusammengefallen , sollte ich die Hand bieten , da sie sich selbst dem Grabe verdammt haben , und damit zugleich dem süßesten Glücke , welches mir in Dir , Du himmlisches Bild , lächelt , selbstmörderisch entgegentreten ? Die Entscheidung ist nicht schwer , und sie ist geschehen , rief er mit einer gellenden Stimme , die das ganze Grauenhafte eines überschrienen Gewissens in ihrem Laute trug . Zurück sank er in seine Polster , und indem er das Kästchen mit dem Gemälde nach allen Richtungen drehte und schob , sprang plötzlich der Deckel von einander , und ein fein geschriebenes Blatt , eng mit farbiger Seide umstrickt , fiel dem Herzoge entgegen . Doch das Glück , sich in den Besitz des Inhalts zu setzen , sollte ihm verzögert werden , denn nach einem kurzen tobenden Gepolter im Vorzimmer und dem Gezänk abwehrender Diener ward die Thür des Kabinets rasch geöffnet , und Sir John Saville stürzte , bis an die Schwelle von den Dienern verfolgt , in dasselbe herein . Maxwell , froh über eine Dazwischenkunft , die den langweilig werdenden Zustand des Herzogs hoffentlich unterbrechen mußte , verschloß schnell hinter dem Eingedrungenen die Thür , neugierig der Bewegung Beider lauschend . Doch keineswegs schien der Herzog gesonnen , das dreiste Verfahren seines Quasi-Freundes gütig aufnehmen zu wollen . Und darf man fragen , sprach er , sich in den Kissen aufrichtend und zornig blickend , was Lord Saville mit der angenehmen Vertraulichkeit , die er sich eben herauszunehmen beliebt , andeuten will ? Haben meine Diener das Versehen gemacht , Euer Gnaden herbei zu rufen , so bitte ich mir den Schurken zu bezeichnen , der mich veranlaßt , Euch selbst jetzt ankündigen zu müssen , daß ich allein sein will . Ja , wollen Euer Gnaden sich verantworten oder sich lieber entfernen ? Ich habe das Erstere nicht nöthig , brauste Saville mit roher Stimme auf , und erkläre , das Letztere nur in Eurer Gesellschaft zu thun . Es überschreitet fast das Maaß der Möglichkeit , den von Beleidigungen sprechen zu hören , der in demselben Augenblicke nicht allein mich , sondern alle Herzöge , Grafen und Barone , inklusive der sämmtlichen Großwürdenträger der Kirche der drei vereinigten Königreiche mit Schmach und Beleidigungen überschüttet und seine besten Freunde unter der Marter nutzloser und verachteter Höflichkeitsspenden zur Verzweiflung bringt . Euer Liebden , unterbrach ihn Buckingham , ohne allen Zorn sich behaglich dehnend und an den Seidenfäden des entdeckten Briefchens zupfend , Euer Liebden scheinen sich übel zu befinden . Man spricht in London von böslichen Fieberanfällen