Geschlecht wider mich aufrufen , möchten die Besten desselben mich fremd aus ihrer Mitte weisen ! das härteste Gericht , dürft ich ' s erdulden , damit ich doch den einzigen Trost genösse , meine Buße vollendet zu sehen , eh mein beflecktes Dasein sein Ende erreicht ! Gott , du Gerechter , weißt , ob ich mich solcher Missetat je fähig halten konnte , bevor du mir diese Versuchung bereitet ! Doch daß ich sie so schlecht bestand , das öffnet mir schaudernd die Augen über mich selbst , über mein gesamtes Wesen . Die schönen Stunden auch , wo mich die Liebe mit Hoffnungen der glücklichsten Zukunft täuschte und eine fromme Weihe über mein kommendes Leben harmonisch zu verbreiten schien - mit Tränen sag ich mir , daß selbst der Wert so reiner Augenblicke , so himmlischer Entschlüsse , nichtswürdig in jenem ungeheuern Abgrunde verschwindet , den dieses Herz , sein selbst unkundig , mir bis daher verbarg . Nun ich mich aber kenne , nun , Gott sei gepriesen , weiß ich auch , wohin mein Trachten gehen muß . Doch davon red ich Ihnen nicht , ich habe das mit einem Höhern . Nehmen Sie meinen Dank für die Mitteilungen an die Niethelm ; sie sind mir treulich zugekommen . Ich wäre verloren gewesen ohne sie ; drum tausend , tausend Dank für die Barmherzigkeit ! Aber mit welchen Empfindungen hab ich zugleich in die Wege blicken müssen , in denen Ihr Geschick Sie führte ! Nur eine Heilige wie Agnes , wird mit Kinderhänden den wunderbaren Schieier lüpfen , der über Ihrem Schicksal liegt . In diesem herrlichen Geschöpf fürwahr ist Ihnen die Befriedigung Ihres höchsten Strebens aufbehalten . - Leben Sie wohl ! wohl ! Ach aus dem tiefsten Grund der Seele wünsch ich , fleh ich , es möge Ihnen wohl ergehen . Welch einen Trost ich darin für mich suche , ahnet Ihnen kaum . Und dürft ich nur einmal im Leben Agnesen umarmen , den Engel , den ich preise ! Sie ist die Glücklichste auf Erden , ich aber bin die erste , die dieses Glück ihr gönnt . Lebt beide wohl , Ihr Teuren , und laßt mich ; Ärmste für Euch beten . « Wir lassen nun über dem bisherigen Schauplatze von Noltens Leben den Vorhang fallen , und wenn er jetzt sich aufs neue hebt , so treffen wir den Maler bereits seit zweien Tagen auf der Reise begriffen . Wohin er seinen Weg nehme , fragen wir nicht erst . Wir denken uns übrigens wohl , daß eben nicht die leidenschaftliche Wonne des Liebhabers , wie man sie sonst bei solchen Fahrten zu schildern gewohnt ist , auch nicht die bloße kühle Pflicht es sei , was ihn nach Neuburg führt ; es ist vielmehr eine stille Notwendigkeit , die ihn ein Glück nur leise hoffen heißt , welches leider jetzt noch ein sehr ungewisses für ihn ist . Denn eigentlich weiß er selbst nicht , wie alles werden und sich fügen soll . Beharrlich schweigt sein Herz , ohne irgend etwas zu begehren , und nur augenblicklich , wenn er sich das Ziel seiner Reise vergegenwärtigt , kann ein süßes Erschrecken ihn befallen . Er hat mit seinem muntern Pferde schon in der vierten Tagreise das Ende des Gebirgs erreicht , das die Landesgrenze bezeichnet und von dessen Höhe aus man eine weite Fläche vor sich verbreitet sieht . Es war ein warmer Nachmittag . Gemächlich ritt er die lange Steige hinunter und machte am Fuß derselben Halt . Er führte sein Pferd seitwärts von der Straße , band es an eine der letzten Buchen des Waldes , wo zwischen kleinem Felsgestein ein frisches Wasser vorquoll . Er selber setzte sich auf eine erhöhte , mit jungem Moos bewachsene Stelle und schaute auf die reiche Ebene , welche in größerer und kleinerer Entfernung verschiedene Ortschaften und die glänzende Krümmung eines ansehnlichen Flusses zeigte . Ein Schäfer zog pfeifend unten über die Flur , überall wirbelten Lerchen , und Schlüsselblumen dufteten in nächster Nähe . Den Maler übernahm eine mächtige Sehnsucht , worein sich , wie ihm deuchte , weder Neuburg , noch irgendeine bekannte Persönlichkeit mischte , ein süßer Drang nach einem namenlosen Gute , das ihn allenthalben aus den rührenden Gestalten der Natur so zärtlich anzulocken und doch wieder in eine unendliche Ferne sich ihm zu entziehen schien . So hing er seinen Träumen nach und wir wollen ihnen , da sie sich von selbst in Melodieen auflösen würden , mit einem liebevollen Klang zu Hülfe kommen . Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel , Die Wolke wird mein Flügel , Ein Vogel fliegt mir voraus . - Ach sag mir , alleinzige Liebe , Wo du bleibst , daß ich bei dir bliebe ! Doch du und die Lüfte haben kein Haus . Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen , Sehnend Sich dehnend In Lieben und in Hoffen . Frühling , was bist du gewillt ? Wann werd ich gestillt ? Die Wolke seh ich wandeln und den Fluß , Es dringt der Sonne goldner Kuß Mir tief bis ins Geblüt hinein ; Die Augen , wunderbar berauschet , Tun als schliefen sie ein , Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet . Ich denke dies und denke das , Ich sehne mich , und weiß nicht recht , nach was ; Halb ist es Lust , halb ist es Klage . Mein Herz , o sage , Was webst du für Erinnerung In golden grüner Zweige Dämmerung ? Alte , unnennbare Tage ! Aber nicht allzulange konnte sich das Gefühl unseres Freundes in so allgemeinem Zuge halten . Er nahm eine alte Locke Agnesens vor sich , es lag neben ihm im Grase blitzend das kostbare Kollier der Gräfin ( denn dies war der Inhalt jenes zierlichen Futterals ) , der Brief des Schauspielers ruhte auf seiner Brust . Zärtlich drückte er alle diese Gegenstände an seinen Mund ,