im Hofe nicht , an welcher auch sie Antheil nahm , ohne es merken lassen zu wollen . Im Gegentheil , redete sie lauter , je achtsamer sie meine Blicke nach dem Fenster gerichtet sah . Ich konnte indeß hier nichts entdecken , die Nacht war sehr dunkel , oder schien mir doch so , da stark hervorspringende Mauerpfeiler und hohe , alte Bäume die nächsten Gegenstände draußen verdeckten . Es ängstigte mich dies , und überhaupt , hier wie eingesperrt sitzen zu müssen . Deshalb fragte ich , ob mich Niemand späterhin , wenn der Mond aufgegangen sei , über den Berg geleiten wolle ? Die Frau schüttelte den Kopf . » Es regnet , « sagte sie , » und der unsichere Schimmer hinter dem Gewölk macht die Führer nur irre . « Sie rathe mir im Gegentheil , daß ich jetzt ein Paar Stunden zu schlafen versuchen möchte . Frühe , mit Tagesanbruch , da lasse sich denn schon eher ein Bote finden . Sie machte sich während dem daran , mein Lager zu bereiten . Matratzen , Betttücher und Decken fanden sich in den Schränken vor . Sie ordnete alles aufs Beste , stellte die Lampe zurecht , und wünschte mir mit dem Zusatze eine gute Nacht , daß , wenn ich gegen Morgen aufbrechen wolle , ich den Schieber dort in der Mauerblende wegziehen sollte . Man sehe unmittelbar einem langen Gang hinunter , der zu ihrer Kammer führe . Ich brauche dann nur zu rufen , sie oder ihr Mann würden mich schon hören . Sie ging mit diesen Worten zu der gegenüber befindlichen Thüre hinaus , die sie hinter sich verschloß . Ihre behende Eile machte es mir unmöglich , sie hieran zu hindern . Indeß war mir diese sonderbare Vorsichtsmaßregel in dem anscheinend wohlgeordneten , ruhigen Haushalte höchst auffallend ; ich gerieth in allerlei widersprechende Besorgnisse , mit denen ich mich lange quälte , ohne an Schlaf zu denken . So , in dem alterthümlichen Gemache auf- und abgehend , fiel mir der Schieber in der Mauer , und die Möglichkeit wieder ein , Jemand errufen zu können . Unwillkührlich näherte ich mich der bezeichneten Stelle , um einen vorläufigen Versuch zu machen . Es gelang damit auch in so weit , als sich wirklich die Oeffnung in der Mauer vorfand , durch welche ich einem langen Gang hinuntersah . Allein es war dabei noch nichts sonderlich gewonnen , da es ungewiß blieb , in wiefern mich derselbe mit den Hausbewohnern in Verbindung setze ? Immer war ich sehr entfernt von den Letztern , denn es zeigte sich nur am äußersten Ende des Ganges eine einzige Thüre , und da ich diese , eben deshalb , weil es die einzige war , genauer betrachtete , und der Zugwind sie auf- und zuschlug , blieb mir kein Zweifel , daß sie nach einem mit Bäumen bewachsenen Vorhof oder Garten führe . Ich behielt keine Zeit , mir selbst in der ersten , unangenehmen Empfindung entdeckter Täuschung recht klar zu werden , denn , indem ich nachsinnend so stand , fiel ein schwacher Lichtstrahl durch jene Thür . Sie ward von Außen völlig aufgestoßen ; der Wirth , eine Laterne in der Hand haltend , trat herein , ihm folgten ein Paar rüstige Männer . Sie schoben etwas bei Seite , das ich nicht unterscheiden konnte . Dann stellten sie sich dicht zusammen , die Laterne ward höher gehalten , ich konnte ihnen ins Gesicht sehen , sie lachten , und schienen sich über einen Gegenstand , den sie einander zeigten , zu freuen . Bald hörte ich , daß sie Geld zählten . Mir gingen widrige Vorstellungen durch den Kopf . Ich hatte Leute und Wagen auf der nächsten Station zurückgelassen , und war , wie so oft in dieser Zeit , mit einem Miethpferde die Gegend durchstrichen . Bis hierher war mir nie das geringste Verdächtige aufgestoßen . Das Volk umher ist so offen , auch die Leute hier fand ich nicht anders , selbst in diesem zweideutigen Augenblick schüttelten sie sich treuherzig die Hände mit einer Miene , die auf nichts weniger als heimtückischen Raub schließen ließ . So trennten sie sich auch . Zwei gingen wieder dahin , woher sie gekommen waren . Der Hausherr verschwand an der Stelle , wo ich die Seitenwand zu Ende glaubte . Unschlüssig , ob ich gleich jetzt Lärm machen , ob ich Jemand herbeirufen und aufbrechen solle ? besann ich mich , daß bei wirklich böser Absicht diese dadurch nicht verhindert , der Augenblick nur beschleunigt , und meine Lage mißlicher werden müßte , da sich ohnfehlbar Alles gegen mich bewaffnen würde . Auf jeden Fall , dünkte es mir , wäre meiner würdiger , den Ausgang ruhig abzuwarten , wodurch ich mir denn auch die Beschämung möglichen Irrthums ersparte . Es blieb bei allem dem eine peinliche Nacht , die ich durchwachte . Ich saß lange vor einem Tischchen , auf welchem die Lampe stand . Müde und doch gespannt , kämpfte ich zwischen Schlafen und Wachen , schloß und öffnete die Augen , die ich nur unter unsäglicher Anstrengung offen erhielt . Oefter mußte ich sie fest auf einen Gegenstand heften , um sie nur nicht zufallen zu lassen . In solchem Moment sehe ich zwei verschlungene Buchstaben , die mit scharfer Nadel in die glatt polirte Tischplatte hinein gezeichnet sind . Sichtlich ein Gedankenspiel , das sich mehrmals wiederholte . Es war ein E und ein H. Es war Emma ' s Hand , die mechanisch den stummen Gedanken des Herzens hingezeichnet hatte . Weg war jetzt aller Schlaf . Ich starrte die wohlbekannten Schriftzüge an , als könnten sie mir die lang gewünschte Auskunft geben . Hier war sie also gewesen ! Vor diesem Tischchen hatte sie gesessen ! Vielleicht wie ich , den Kopf in die eine Hand gestützt , während die Andere jene Zeichen malte ! Aber wann ? wann war das ? Wohl ganz kürzlich erst