Trotzen Katzphilistern ! « Chor . » Ecce quam etc. etc. « Meine Variation fand den lautesten , unerhörtesten Beifall . Die hochherzigen Jungen stürmten jubelnd auf mich ein , umpfoteten mich , drückten mich an ihre klopfende Brust . Auch hier erkannte man also den hohen Genius in meinem Innern . Es war einer der schönsten Augenblicke meines Lebens . - Nun wurde noch manchen großen berühmten Katern , vorzüglich solchen , die , ihrer Größe und Berühmtheit unerachtet , sich von aller und jeder Philisterei entfernt gehalten und es bewiesen hatten durch Wort und Tat , ein feuriges Lebehoch ! gebracht , und dann schieden wir auseinander . Der Punsch war mir doch etwas zu Kopfe gestiegen , die Dächer schienen sich zu drehen , kaum vermochte ich mittelst des Schweifes , den ich als Balancierstange benutzte , mich aufrecht zu erhalten . Der treue Muzius , meinen Zustand bemerkend , nahm sich meiner an und brachte mich glücklich durch die Dachluke nach Hause . Wüste im Kopfe , wie ich mich noch niemals gefühlt , konnte ich lange nicht - ( Mak . Bl . ) » - - ebenso gut gewußt , als die scharfsinnige Frau Benzon , aber daß ich gerade heute , eben jetzt von dir Nachricht erhalten sollte , du treue Seele , das hat mein Herz nicht geahnt . « So sprach Meister Abraham , verschloß den Brief , den er erhalten , und in dessen Aufschrift er mit freudiger Überraschung Kreislers Hand erkannt hatte , ohne ihn zu öffnen , in den Schubkasten seines Schreibtisches und ging hinaus in den Park . - Meister Abraham hatte schon seit vielen Jahren die Gewohnheit , Briefe , die er erhielt , stunden- , ja , oft tagelang uneröffnet liegen zu lassen . » Ist der Inhalt gleichgültig , « sprach er , » so kommt es auf den Verzug nicht an ; enthält der Brief eine böse Nachricht , so gewinne ich noch einige frohe oder wenigstens ungetrübte Stunden ; steht eine Freudenpost darin , so kann ein gesetzter Mann wohl es abwarten , daß die Freude ihm über den Hals komme . « Diese Gewohnheit des Meisters ist zu verwerfen , denn einmal ist solch ein Mensch , der Briefe liegen läßt , ganz untauglich zum Kaufmann , zum politischen oder literarischen Zeitungsschreiber , dann leuchtet es aber auch ein , wie manches Unheil sich sonst noch bei Personen , die weder Kaufleute sind noch Zeitungsschreiber , daraus erzeugen kann . - Was gegenwärtigen Biographen betrifft , so glaubt er ganz und gar nicht an Abrahams stoischen Gleichmut , sondern rechnet jene Gewohnheit vielmehr einer gewissen ängstlichen Scheu zu , das Geheimnis eines verschlossenen Briefes zu entfalten . - Es ist eine ganz eigene Lust Briefe zu empfangen , und darum sind uns die Personen besonders angenehm , die zunächst uns diese Lust verschaffen , nämlich die Briefträger , wie schon irgendwo ein geistreicher Schriftsteller bemerkt hat . Dies mag eine anmutige Selbstmystifikation genannt werden . Der Biograph erinnert sich , daß , als er einst auf der Universität mit dem sehnlichsten Schmerz lange vergebens auf einen Brief von einer geliebten Person gewartet hatte , er den Briefträger mit Tränen im Auge bat , ihm doch recht bald einen Brief aus der Vaterstadt zu bringen , er solle auch dafür ein namhaftes Trinkgeld erhalten . Der Kerl versprach , was von ihm verlangt wurde , mit pfiffiger Miene , brachte den Brief , der in der Tat nach wenigen Tagen einging , triumphierend , als habe es nur an ihm gelegen Wort zu halten , und strich das versprochene Trinkgeld ein . - Doch weiß der Biograph , der eben vielleicht selbst gewissen Selbstmystifikationen zu sehr Raum gibt - doch weiß er nicht , ob du , geliebter Leser , mit ihm gleichen Sinnes , mit jener Lust eine seltsame Angst fühlest , die dir , indem du den erhaltenen Brief öffnen willst , Herzklopfen verursacht , selbst wenn es kaum möglich , daß der Brief Wichtiges für dein Leben enthalten sollte . - Mag es sein , daß dasselbe die Brust beengende Gefühl , mit dem wir in die Nacht der Zukunft schauen , auch hier sich regt und daß eben deshalb , weil ein leichter Druck der Finger hinreicht , das Verborgene zu enthüllen , der Moment auf einer Spitze steht , die uns beunruhigt . Und ! - wie viele schöne Hoffnungen zerbrachen schon mit dem verhängnisvollen Siegel , und die lieblichen Traumbilder , die aus unserm eignen Innern gestaltet , unsere brünstige Sehnsucht selbst schienen , zerrannen in nichts und das kleine Blättchen war der Zauberfluch , vor dem der Blumengarten , in dem wir zu wandeln gedachten , verdorrte , und das Leben lag vor uns wie eine unwirtbare trostlose Wüstenei ! - Scheint es gut , den Geist zu sammeln , ehe jener leichte Druck der Finger das Verborgene erschließt , so kann dies vielleicht Meister Abrahams sonst verwerfliche Gewohnheit entschuldigen , die übrigens auch gegenwärtigem Biographen anklebt aus einer gewissen verhängnisvollen Zeit , in der beinahe jeder Brief , den er erhielt , der Büchse Pandoras glich , aus der , sowie sie geöffnet , tausend Unheil und Ungemach aufstieg ins Leben . - Hat aber nun auch Meister Abraham des Kapellmeisters Brief verschlossen in seinen Schreibepult oder Schreibtischkasten , und ist er auch spazieren gegangen in den Park , doch soll der geneigte Leser den Inhalt sogleich buchstäblich erfahren . - Johannes Kreisler hatte folgendes geschrieben : » Mein herzlieber Meister ! La fin couronne les oeuvres ! hätte ich rufen können , wie Lord Clifford in Shakespeares Heinrich dem Sechsten , als ihm der sehr edle Herzog von York eins versetzt hatte zum Tode . Denn bei Gott , mein Hut stürzte schwer verwundet ins Gebüsch und ich ihm nach , rücklings wie einer , von dem man in der Schlacht zu sagen pflegt , Er fällt , oder er ist gefallen .