die beiden Grafen , je emsiger sie zuschritten , zwar immer ganz nahe blieben , aber einander niemals erjagen oder zusammenkommen konnten . Einige Male , wo die Gänge sich plötzlich durchkreuzten , stießen sie unverhofft aneinander , trennten sich von neuem und standen endlich , nachdem sie sich beinahe müde geirrt , auf einmal wieder vor dem Zaune , an demselben Orte , wo sie ausgelaufen waren . Sie lachten und ärgerten sich zugleich über den sinnreichen Einfall . Doch machte sie diese kleine Probe aufmerksam und neugieriger auf die ganze sonderbare Anlage . Sie nahmen daher noch einmal einen beherzten Anlauf und drangen nun mitten durch das dicke Gehege gerade hindurch . Da kamen sie bald auf einen freien Platz zu einem Gebäude . Ihre Augen konnten sich bei dem ersten verwirrenden Anblick durchaus nicht aus dem labyrinthischen , höchst abenteuerlichen Gemisch dieses Tempels herausfinden , so unförmlich , obgleich klein , war alles über- und durcheinandergebaut . Den Haupteingang nämlich bildete ein griechischer Tempel mit zierlichem Säulenportal , welches sehr komisch aussah , da alles überaus niedlich und nur aus angestrichenem Holze war . Sie traten hinein und fanden in der Halle einen hölzernen Apollo , der die Geige strich , und dem der Kopf fehlte , weil nicht mehr Raum genug dazu übriggeblieben war . Gleich aus dem Tempel trat man in einen geschmackvollen Kuhstall nebst einer vollständigen holländischen Meierei in der neuesten Manier , aber alles leer . Über der Meierei hing , wie ein Bienenkorb , eine Art von schwebender Einsiedelei . Den zweiten Eingang bildete ein viereckiger Turm , wie bei den alten Burgen , der eine Ruine vorstellen sollte , und auf dessen Mauer hin und her Blumentöpfe mit Moos umherstanden . Über das ganze Gemisch hinweg endlich erhob sich ein feingeschnitztes , buntes , chinesisches Türmchen , an welchem unzählige Glöcklein im Winde musizierten . Unter diesem Türmchen in dem innersten Gemache saß inmitten des getäfelten Bodens ein unförmlicher , kleiner Chinese von Porzellan mit untergeschlagenen Beinen und dickem Bauche , und wackelte einsam fort mit dem breiten Kahlkopfe , als der einzige Bewohner seines unsinnigen Palastes . » Nein , das ist zu toll ! « sagte Leontin , » was gäb ich drum , wenn wir den Phantasten von Baumeister noch selber in seinem Zauberneste überraschten ! Das ist ja ein wahrer Surrogattempel für allen Geschmack auf Erden . « Währenddes waren sie endlich in dem letzten Gemache des Gebäudes angekommen , welches mit großen , goldenen Buchstaben » Gesellschaftssaal « überschrieben war . Sie erstaunten auch wirklich beim Eintritte nicht wenig über die ungeheure Gesellschaft , denn Wände und Decke bestanden daselbst aus künstlich geschliffenen Spiegeln , die ihre Gestalten auf einmal ins Unendliche vervielfältigten . Ihr Kopf war ganz überfüllt und verwirrt von dem Gesehenen . Kein Mensch war in der weiten Runde zu hören , es grauste ihnen fast , länger in dieser Verrückung so einsam zu verweilen , und sie begaben sich daher schnell wieder ins Freie . Sie durchstrichen darauf noch den andern Teil des Parks , der auf die alltäglichste Art mit Trauerweiden , Baumgruppchen , Brückchen usw. angefüllt war . Auch die üblichen Aushängetafeln mit Inschriften waren im Überfluß vorhanden , nur mit dem Unterschiede , daß hier alle von einer ungeheuren Länge und Breite waren , so daß sie die jungen Bäume , an denen sie befestigt , fast bis auf die Erde herunterzogen . Unsere Reisenden verweilten verwundert hin und wieder , und lasen unter andern : » Wachsen , Blühen , Staubwerden . « - Gleich daneben stand auf einer andern Tafel die erste Strophe von : » Freuet euch des Lebens ! « usw. nebst einigen andern Zoten . So von groben Bäumen verfolgt , waren sie endlich am andern Ende des sonderbaren Parks angekommen , wo derselbe wieder durch ein niedliches Zäunchen von dem Walde geschieden war . Noch eine ungeheure Inschrift begrüßte sie dort folgendermaßen : » Gefühlvoller Wanderer ! stehe still und vergieße einige Tränen über deine Narrheit ! « Darunter stand nur noch halbleserlich mit Bleistift geschrieben : » Und dann kehre wieder um , denn mir bist du doch nur langweilig . « Nicht ohne Bedeutung , wie es schien , stieß diese letzte Partie des Gartens , welche besonders kleinlich aus allerlei Zwergbäumen nebst einem kaum bemerkbaren Wasserfalle bestand , auf einmal an den dunkelgrünen Saum des Hochwaldes . Zwischen Felsen stürzte dort ein einsamer Strom gerade hinab , als wollte er den ganzen Garten vernichten , wandte sich dann am Fuße der Höhe plötzlich , wie aus Verachtung , wieder seitwärts in den Wald zurück , dessen ernstes , ewig gleiches Rauschen gegen die unruhig phantastische Spielerei der Gartenanlage fast schmerzlich abstach , so daß die beiden Freunde überrascht stillstanden . Sie sehnten sich recht in die große , ruhige , kühle Pracht hinaus und atmeten erst frei , als sie wirklich endlich wieder zu Pferde saßen . Während sie sich so über das Gesehene besprachen , verwundert , keine menschliche Wohnung ringsum zu erblicken , fing indes die Gegend an etwas lieblicher und milder zu werden . Vor ihnen erhob sich ein freundlicher , bis an den Gipfel mit Laubwald bedeckter Berg aus dem dunkelzackigen Chaos von Gebirgen . Hinter dem Berge schien es nach der einen Seite hin auf einmal freier zu werden und versprach eine große Aussicht . Sie zogen langsam ihres Weges fort , der Himmel war unbeschreiblich heiter , der Abend sank schon hernieder und spielte mit seinen letzten Strahlen lustig in dem lichten Grün des Berges vor ihnen . Friedrich hatte lange unverwandt in die Gegend vor sich hinausgesehen , dann hielt er plötzlich an und sagte : » Ich weiß nicht , wie mir ist , diese Aussicht ist mir so altbekannt , und doch war ich , solange ich lebe , nicht hier . « - Je weiter sie kamen , je erinnernder und sehnsüchtiger sprach jede Stelle zu ihm ; oft verwandelte