, das ich je , selbst in Rom , gesehen hatte . Die angesehensten Einwohner , alle öffentlichen Autoritäten zogen ihnen im prächtigsten Anzuge und mit feierlichem Gepränge entgegen ; aber Alles verschwand vor der Pracht des ankommenden Hofes . Der Kaiser zwar und Cäsar Galerius machten trotz des ausserordentlichen Schimmers , der sie umgab , nicht viel Effekt , wenigstens nicht auf mich , und ich glaube , halb Nikomedien ( so hoch wird sich wohl das weibliche Geschlecht hier belaufen ) war einerlei Meinung mit mir , was auch die sogenannten Verständigen oder die Schmeichler von ihren bedeutenden Physiognomien , dem Herrscherblick , den Heldenstirnen sagten . Für mich waren es ein paar alte Herren ohne alles Interesse . Desto prächtiger nahmen sich dicht hinter ihnen die Prinzen Constantin und Tiridates aus . So herrlich , so blendend , wie diesmal , hatte ich sie nie gesehen . Sie ritten auf stolzen Pferden mit allem Anstande geschickter Reiter , die Sonne zog blendende Funken aus ihren Rüstungen , und die Helmbüsche wogten auf und nieder , wie sich ihre Pferde tanzend unter ihnen bewegten . Ihre schönen Gestalten waren durch die schimmernden Umgebungen sehr erhoben , und die Stimmen zwischen dem edlen Ernst des blonden Britten , und dem freundlichen Feuer des dunkeln Armeniers getheilt . Nicht weit davon im Gefolge ihrer ersten Offiziere befand sich Agathokles . Auch sein Anzug war prächtig , wie es die Feier und sein Stand forderte , aber ich muß dir aufrichtig bekennen , so wohl er mir damals gefiel , als die Blicke des ganzen Volkes an ihm als Siegesboten hingen , so verschwand er heute gänzlich vor der Schönheit und dem Glanz der beiden Fürsten . Was auch die Philosophen sagen mögen , Schönheit und hohe Geburt sind keine so ganz gleichgültigen Eigenschaften , und wenn sie auch keine Verdienste verleihen , so dienen sie doch dazu , die , welche schon vorhanden sind , in ein blendendes Licht zu stellen . Tiridates mit allen seinen guten Eigenschaften als der Sohn eines Bürgers , der etwa durch Unglück sein Vermögen verloren hätte , würde unser Mitleid erregen , und wir würden uns freuen , wenn ihm der Zufall wieder sein väterliches Gut zurückgäbe . Aber hier ist ein Fürst , der letzte Sprößling eines erlauchten Hauses , an dessen Willen einst das Schicksal von Millionen hing , durch einen Usurpator seines Throns , seiner Rechte beraubt , und verfolgt , nur durch die Treue eines alten Dieners gerettet . Dieser Fürst hat nun sein Reich mit Hülfe seiner Freunde erobert . Er ist wieder König , sein Wille lenkt wieder das Geschick von Tausenden . Wie ganz anders ist dieser Eindruck ! Und wenn das Gemüth durch jene Erzählung vorbereitet ist , den merkwürdigen Mann mit günstiger Stimmung zu betrachten , dann vollendet noch eine schöne Gestalt den Zauber des ganzen Bildes . Wer kann sich dessen ganz erwehren ? Wer wird läugnen , daß der schöne Tiridates als Privatmann , oder der Fürst in alltäglicher Bildung nicht halb so interessant seyn würde ? Das wissen auch die Dichter , und darum stellen sie uns so gern Fürsten , Helden , Götter der Erde dar , lassen sie von großen Schicksalen gebeugt , oder erhoben werden , und schildern sie uns obendrein als vollendete Schönheiten . Gegen Abend kam er mit Agathokles zu mir . Jetzt war der Zauber verschwunden , und in der einfachen friedlichen Toga , im freundschaftlichen Gespräch gewann dieser bald wieder seinen alten Platz neben , oder selbst vor Tiridates in meinem Geiste . Ich fand ihn etwas heiterer als sonst . Die tiefe Schwermuth , die ihn vorher beinahe zu jeder geselligen Freude unfähig machte , hatte sich in einen sanften Ernst verwandelt ; er war freundlich , aber still , und wortarm . Tiridates hatte beschlossen , schon den folgenden Tag nach Synthium zu gehen . Ich erhielt einen Tag Aufschub von ihm , weil ich es nothwendig fand , Sulpicien erst auf diesen Besuch , und das ersehnte Ziel aller ihrer Leiden und Wünsche vorzubereiten . Am dritten Tag reiste er endlich im Gefolge eines Heeres von Sclaven , Pferden und Kameelen , die königliche Brautgeschenke trugen , ab , um seine Braut zu holen . Der Empfang soll ganz so gewesen seyn , wie ich dachte , voll Zärtlichkeit und Achtung auf der einen , voll Entzücken auf der andern Seite . Sobald Sulpicia sich von dem Freudensturm erholt hatte , wurde sie in einer prächtigen Sänfte von acht reich gekleideten Cappadociern , die in kleinen Absätzen von Andern abgelöst wurden , so schonend und so feierlich als möglich nach Nikomedien gelbracht , und ich empfing sie am Thore des prächtigen Hauses , das Tiridates schon lange gekauft , und mit königlicher Pracht hat einrichten lassen . Hier blieb sie acht Tage bis zu ihrer Vermählung , und diese wurden größtentheils mit Zubereitungen , mit Wahl der kostbarsten Stoffe , Juwelen , Geräthschaften u.s.w. höchst angenehm zugebracht . Am Tage des Friedensfestes , das der Augustus sehr feierlich beging , wurde auch die Vermählung des armenischen Königs vollzogen , und Sulpicia erschien mit einer Pracht , die fast die Augusta und ihre Tochter , des Cäsars Gemahlin , verdunkelte . So will es Tiridates , der nichts unterläßt , wodurch er der Welt die Achtung zeigen kann , mit der er seine Frau behandelt . Seit diesem Tag dauert nun das fröhliche Leben , von dem ich dir im Anfange schrieb , und nichts stört meinen Genuß , als der trübe Gedanke , daß es nicht mehr lange währen , und dann eine tödtliche Leere an seine Stelle treten wird . Tiridates führt seine Frau , so bald die Feste vorüber sind , nach Ecbatana . Sulpicia hat sich ziemlich erholt , und wird im Stande seyn , die Reise ohne Schaden für ihre Gesundheit zu unternehmen . Ihr Gemüth ist beruhigt , und so die erste Quelle ihres Uebels gehoben .