ich , ohne mich deutlich heraus zu lassen , auf alle Weise begünstige , und , wenn sie noch einige kleine Proben ausgehalten hat , zu beiderseitiger Zufriedenheit in einen ehelichen Liebesknoten zusammen zu stricken gesonnen bin . Musarion ist eines Mannes wie Kleonidas werth , und Kleonidas könnte in allen drei Welttheilen schwerlich ein Mädchen finden , das in jeder Beziehung , es sey als Freundin und Lebensgefährtin , oder als Mutter seiner Kinder , oder als Gespielin seiner fröhlichen Stunden , oder als Modell für seine Lieblingskunst , sich besser für ihn schickte , als meine Musarion , die zu einer seltnen Schönheit und Anmuth , und einem Gemüth , das die Keime aller weiblichen Tugenden in sich trägt , gerade so viel Verstand und Witz zum Antheil bekommen hat , als ein Weib im Kreise des häuslichen Lebens nöthig haben kann . Ich glaube mich der Pflicht , die mir ihr edler Vater auferlegt hat , nicht besser als durch eine solche Verbindung entledigen zu können , und ich freue mich voraus , daß mein Plan deinen Beifall haben wird . Eurybates ist seit kurzem nach Athen zurückgekehrt , und wir werden die Lücke , die ein so angenehmer Gesellschafter in unserm Cirkel läßt , nicht so leicht ersetzt bekommen . Er hat mir mit einem schönen Medischen Eunuchen , der ein trefflicher Sänger und Citherspieler ist , ein Geschenk gemacht . Was konnt ' ich da weniger thun , als ihm die Charis Droso zum Gegengeschenk aufzudringen ? - Oder zweifelst du etwa , daß ich großmüthig genug zu einem solchen Opfer war ? - Gleichwohl that ich ' s nicht . Ich begnügte mich , ihr die Freiheit zu schenken , und überließ es ihr selbst , mit ihrer Person nach eignem Belieben zu schalten . Eurybates verliert nichts dabei . Sie begleitet ihn nach dem schönen Athen , und wenn sie die Sokratischen Lehren , die ich ihr mitgegeben habe , befolgen will , so wird sie wahrscheinlich Ursache haben , mit ihrem Loose zufrieden zu seyn . - Ich pfusche der Ehestifterin Here ziemlich stark ins Handwerk , wie du siehst ; es ist eine wahre Liebhaberei bei mir , und muß wohl an einer Person , die so ungeneigt ist sich selbst binden zu lassen , seltsam genug scheinen . Erkläre dir ' s wie du kannst ; ich mag mir den Kopf nicht zerbrechen , die Ursache davon zu ergründen . Du schreibst mir , du habest den Hippias in meinem Namen ersucht , uns seine Gedanken über die letzten Reden des Sokrates im Phädon mitzutheilen . Wozu das ? was kümmert mich ' s , wie Hippias über diese Dinge denkt ? wenn ich jemands Gedanken darüber wissen möchte , so sind es die deinigen ; wenigstens so lange ich keinen andern kenne , mit dem ich , in allem was Interesse für mich hat , lieber sympathisiren möchte als mit dir . 59. Kleonidas an Aristipp . Fast besorge ich , Freund Aristipp , irgend eine gefällige Epheserin habe das Bild unsrer edeln Freundin in deinem Kopf ein wenig abgebleicht . Du möchtest wissen , schreibst du mir , was sie zu dem Preise , den Parrhasius auf seine Leda setzt , sagen würde ? - Das will ich dir nicht verhalten , mein Lieber . » Parrhasius , « sagte sie , » mag nur in Zeiten , wofern es nicht schon geschehen ist , für eine hübsche Anzahl Copien sorgen ; denn an Leden , die seinen Preis nicht zu hoch finden werden , kann es ihm so leicht nicht fehlen ; und er wird wahrscheinlich , wenn ihm die Lust ankommt den Schwan zu spielen , jede lebende schöner finden als seine gemalte . « - Dieß ist alles was sie sagte , und ich dächte das hättest du errathen können . Ich bin im Begriff nach Theben und Athen abzugehen , und hoffe meine Leute in wenig Tagen beisammen zu haben . Denn ich brauche nichts als Umrisse und hier und da einen charakteristischen Strich ; das übrige soll sich wohl in meinem Gedächtniß erhalten . Meinen Rückweg werde ich über Samos nehmen , wo bei einer öffentlichen Gemäldeausstellung Parrhasius und Timanthes mit einigen andern um den Preis streiten werden , den eine Gesellschaft von Kunstliebhabern auf die beste malerische Darstellung des Streits um die Waffen Achills im Lager der Griechen vor Troja ausgesetzt hat . Doch , das hast du ja schon vom Parrhasius gehört . Die Reise nach Mitylene hat mir ein glücklicher Zufall erspart . Der Besitzer des berühmten Demos Athenäôn ist vor einiger Zeit gestorben ; seine gesammelten Kunstwerke werden von seinen Erben verkauft , und jenes kostbare Stück hat Hegesander , ein Günstling des Plutus zu Milet , um fünfhundert Dariken an sich gebracht . Ohne Zweifel wird es , um die Zeit da du nach Milet zurück kommst , in seiner Galerie zu sehen seyn . Parrhasius hat viel geleistet ; aber die Kunst ist unendlich . Keiner kann alles , keiner erreicht das Ziel , und selbst in dem , worin einer alle seine Vorgänger übertroffen hat , kann und wird er von irgend einem Nachfolger übertroffen werden . Zeuxis wird wegen der Richtigkeit seiner Umrisse und des Täuschenden seiner Färbung bewundert : Parrhasius glaubt , es ihm in beidem zuvorzuthun , und hat vielleicht Recht ; aber daß er die höchste Stufe in beidem schon erstiegen habe , glaube ich wenigstens nicht , wenn ich auch nicht sagen könnte , worin , geschweige wie er übertroffen werden könne . Die Fortschritte , welche die Malerkunst in den letzten dreißig Jahren gemacht hat , sind zum Erstaunen ; lass ' uns noch dreißig oder vierzig Jahre leben , und wir werden vielleicht aus den Schulen derer , die jetzt den Vorsitz haben , eines Parrhasius , Timanthes , Zeuxis , Pausias , Künstler hervorgehen sehen , die diese eben so weit hinter sich zurücklassen162 , als sie ihren