und die man nicht tödlicher beleidigen konnte , als wenn man ihr die Herrschaft aus den Händen wand . Waldemar hatte sich dessen schuldig gemacht , und ihm vergab das die Mutter am wenigsten . Sie war im Begriff zu gehen , um sich für die Abreise fertig zu machen , als ihr Blick auf Wanda fiel . Diese hatte keine einzige Silbe geantwortet . Sie stand regungslos da , aber ihr Auge begegnete mit so düsterer Entschlossenheit dem der Fürstin , daß die letztere inne hielt . » Eins möchte ich dir doch noch ins Gedächtnis rufen , ehe ich gehe , « sagte sie , und ihre Hand legte sich schwer auf den Arm ihrer Nichte . » Wenn ich Waldemar nicht warne , so darf es überhaupt niemand thun – es wäre g ´ Verrat an unsrer Sache . Was schrickst du so zusammen vor dem Worte ? Wie würdest du es denn nennen , wenn dem Herrn von Wilicza schriftlich oder mündlich durch die dritte oder vierte Hand eine Nachricht zukäme , die ihm unsre Geheimnisse preisgibt ! Er würde vielleicht mit Bedeckung gehen , gehen aber würde er jedenfalls , um vor allen Dingen zu untersuchen , was die Warnung sagen will , sein eigenes Forsthaus nicht zu betreten , mit seinem Förster nicht zu sprechen , den er jetzt wegen eines Konfliktes mit den Patrouillen zur Rede stellen will . Das würde uns die Grenzförsterei kosten . Wanda , die Morynski haben es bisher noch nie zu bereuen gehabt , wenn sie die Frauen ihres Hauses zu Vertrauten ihrer Plane machten . Noch hat sich keine Verräterin unter diesen gefunden . « » Tante ! « rief Wanda mit einem solchen Tone des Entsetzens , daß die Fürstin langsam ihre Hand von ihrem Arm zurückzog . » Ich wollte dir nur klar machen , was hier auf dem Spiele steht , « fuhr sie fort . » Ich denke , du wirst doch deinem Vater ins Auge sehen wollen , wenn er zurückkehrt . Wie du Leos Blick standhalten willst mit dieser Todesangst , die dich jetzt verzehrt , und die du vergebens zu verbergen suchst , das mußt du mit ihm selber abmachen . Aber , « – hier brach die furchtbare innere Bewegung der stolzen Frau durch die erzwungene Kälte – » aber hätte ich je geahnt , daß meinem Sohne dieser Schlag droht , daß er ihm von Waldemar droht , ich hätte Leos unselige Liebe zu dir aus allen Kräften bekämpft , statt sie zu begünstigen . Jetzt ist es zu spät für ihn – und auch für dich ; das hat mir diese Stunde gezeigt . « – Die Antwort blieb der jungen Gräfin erspart , denn jetzt kam Pawlick mit der Nachricht zurück , daß angespannt sei . Die Fürstin bedurfte nicht viel Zeit zu den Vorbereitungen . In zehn Minuten war sie reisefertig und bestieg den harrenden Schlitten . Der Abschied von ihrer Nichte war kurz und flüchtig ; er fand in Gegenwart der Diener statt , und das vorhergehende Gespräch wurde nicht wieder berührt , aber Wanda verstand den Abschiedsblick , der dem ihrigen begegnete . Sie legte schweigend ihre feuchte , eiskalte Hand in die ihrer Tante , und die Fürstin schien zufrieden mit dem wortlosen Versprechen . Gräfin Morynska war in das Zimmer zurückgekehrt . Sie hatte sich eingeschlossen , um einmal wieder frei aufzuatmen , aber es atmete sich nicht leicht mit dieser Bergeslast auf der Brust . Sie war endlich allein mit sich selber , aber auch mit ihrer Angst , die ihr ahnungsvoll die Gefahr zeigte , an welche die Mutter nicht glauben wollte . Freilich , der Instinkt der Liebe gehörte dazu , und den hatte die Fürstin für ihren ältesten Sohn nie gehabt ; der regte sich nur , wenn es sich um Leo handelte . Und hätte sie gewußt , daß jener Gang Waldemars Leben bedrohte , sie hätte ihn auch nicht mit einem Worte davon zurückgehalten , denn dieses Wort konnte ja ihre Parteiinteressen gefährden . Wanda stand am Schreibtisch , auf dem noch die Briefe ihres Vaters und Leos lagen . Eine kurze Warnung , nur ein paar Zeilen , auf das Papier geworfen und nach Wilicza gesendet , konnten alles abwenden . Waldemar würde der Warnung folgen . Gleichviel , ob er es erriet oder nicht , von wem sie kam , er hatte ja versprochen , vorsichtiger zu sein und kannte die Stimmung auf seinen Gütern . Wenn er überhaupt noch ging , nahm er wenigstens hinreichende Begleitung mit sich , und dann wagte man sich nicht an ihn . Es konnte ihm ja nicht schwer werden , den Gehorsam zu erzwingen , sobald er sich nur entschloß , die Gewalt zu Hilfe zu rufen . Was da auf dem Gebiete der Grenzförsterei vorgegangen war , das streifte nahe an Rebellion , Es kostete dem Gutsherrn nur ein Wort , den Förster verhaften und das Forsthaus militärisch besetzen zu lassen , dann hatte er Ruhe . » Und dann – ? « Die Fürstin hatte es klar genug überschaut und ausgesprochen , was hierauf folgte . Sie hatte dafür gesorgt , daß ihre Nichte über dieses » Und dann « nicht hinauskam . Wanda war hinlänglich in die Pläne der Ihrigen eingeweiht , um zu wissen , daß die Grenzförsterei jetzt die Rolle spielte , die man früher dem Schlosse zugedacht . Alles , was Waldemar hier so streng verbannt hatte , geschah jetzt dort drüben , nur mit größerer Vorsicht und in größerer Heimlichkeit . Dort lagerte noch ein Teil des Waffenvorrates ; dort war die Verbindung , der Mittelpunkt für alle Nachrichten und Botschaften , und ebendeshalb lag so viel an dem Bleiben des dortigen Försters , auf dessen Treue und Verschwiegenheit man unbedingt rechnen konnte . Seine Entfernung war gleichbedeutend mit dem Verluste des ganzen Postens . Das wußte er so gut wie seine Herrin , und deshalb waren sie entschlossen