der reißend schnell dahinschoß ; langsam öffnete Beatrice den Schlag , während sie mit der Linken den kleinen Reinhold umfaßte , der von der rasenden Fahrt erwacht war und jetzt ängstlich in die schäumenden , tosenden Wellen blickte , die dicht unter ihm dahinschossen . Er wußte ja nicht , wie nahe ihm die Eltern waren . Jetzt hatte auch der zweite Wagen die Brücke erreicht , und in dem Momente , wo Ella ihr Kind erblickte , war es vorbei mit Besinnung und Ueberlegung . Sie vergaß Reinhold ’ s Warnung , sich nicht zu zeigen , ihm den entscheidenden Schritt allein zu überlassen , und beugte sich weit aus dem Schlage . „ Reinhold ! “ hallte es hinüber – es war ein Ruf unaussprechlicher , bebender Angst , Das Kind schrie auf , als es die Mutter erkannte , und streckte beide Arme nach ihr aus . Laut aufweinend wollte es hinüber zu ihr , aber dieses Wiedersehen wurde sein Verderben . Beatrice war leichenblaß geworden , als sie die Gatten nebeneinander erblickte . Also beisammen ! Was sie trennen sollte , das gerade hatte sie vereinigt , und wenn Reinhold in der nächste Minute die Flüchtige erreichte und ihr seinen Sohn entriß , dann waren die Beiden vereinigt für immer , und der Verlassenen blieb nur die Verachtung – oder die Rache . Aber die Wahl war bereits getroffen . Eine einzige blitzschnelle Bewegung nach dem Strome hin entschied Alles . Beatrice hatte das Kind nicht losgelassen , und mit der Kraft der Verzweiflung riß sie es mit sich hinunter in den Fluthentod . – [ 620 ] Der entsetzlichen That folgte eine Scene unbeschreiblicher Verwirrung . Die Führer der beiden Wagen waren von ihren Sitzen herabgesprungen und liefen rathlos am Ufer hin und her ; sie versuchten es gar nicht einmal , eine Hülfe zu bringen , die hier nur mit Aufopferung des eigenen Lebens möglich war . Ella stand auf der Brücke ; sie hatte sich nachstürzen wollen , wo sie nicht retten konnte , aber es war bereits eine bessere Hülfe zur Stelle . Die junge Frau sah die Wellen hoch aufspritzen , in denen ihr Liebstes verschwand , sah , wie diese Wellen sich im nächsten Momente auch über dem Haupte ihres Gatten schlossen . Reinhold hatte sich unverzüglich seinem Kinde nachgeworfen , das sich im Sturze von Beatricen losgerissen hatte und das nun in einiger Entfernung auftauchte . Es folgten Minuten einer Qual , gegen die alles zuvor Erduldete doch nur ein Spiel war . Für Ella drängten sich Leben und Tod zusammen in diesen schäumenden , zischenden Wogen , mit denen die beiden Körper rangen , der eine hülflos , fast widerstandlos , der andere sich mächtig emporarbeitend zu dem einen Punkte , den er endlich , endlich erreichte . Der Vater erfaßte sein Kind , riß es an sich und strebte mit ihm vereinigt dem Ufer zu . Jetzt faßte er Fuß auf dem felsigen Grunde ; jetzt ergriff er die überhangenden Felszacken , um sich daran zu halten , und nun gewann auch die Mutter Kraft und Bewegung zurück . Sie stürzte den Beiden entgegen . Langsam stieg Reinhold den Abhang empor . Seine Brust keuchte schwer von der furchtbaren Anstrengung ; die Arme bluteten , verwundet von dem scharfen Gesteine , an dem er sich gehalten , aber diese Arme umfaßten seinen Knaben , den er seit Jahren zum ersten Male wieder an seine Brust schloß , und halb ohnmächtig zusammenbrechend , legte er das Kind in die Arme der Mutter . „ Also das soll wirklich und unwiderruflich ein Abschiedsbesuch sein ? “ fragte der Consul Erlau den Capitain Almbach , der neben ihm saß . „ Ihre Abreise kommt ja ganz plötzlich und unerwartet . Was wird Ihr Bruder , was Eleonore dazu sagen ? Beide rechneten ganz bestimmt darauf , Sie noch einige Wochen hier zu behalten . “ Auf der sonst so heiteren Stirn Hugo ’ s lag heute ein Schatten , und in seinen Zügen stand ein fremder , bitterer Ausdruck , als er erwiderte : „ Sie werden sich leicht genug in die Trennung finden . Reinhold wird in der steten Nähe von Weib und Kind meine Abwesenheit nicht fühlen , und Ella – “ er brach plötzlich ab . „ Lassen Sie es gut sein , Herr Consul ! Die Beiden haben viel zu viel mit sich selber und mit ihrem neuerworbenen Glücke zu thun , um nach mir zu fragen . “ „ Ja wohl , “ stimmte Erlau bei , „ und wer bei dieser Versöhnungsgeschichte am meisten verliert , das bin ich . Jahrelang habe ich Eleonore als mein Kind betrachtet , habe sie und den Kleinen als mein unbestreitbares Eigenthum angesehen und jetzt auf einmal macht der Herr Gemahl seine sogenannten Rechte geltend und nimmt sie mir Beide , ohne daß ich Einspruch dagegen erheben darf . Ich begreife Eleonore nicht , daß sie ihm so ohne Weiteres verziehen hat . “ „ Nun , so ohne Weiteres geschah das wohl nicht , “ sagte Hugo ernst . „ Er hat Widerstand genug gefunden , und ich glaube kaum , daß er ihn jemals überwunden haben würde ohne jene Katastrophe , die ihnen schließlich Beiden zu Hülfe kam . Er erkaufte sich die Versöhnung mit der Rettung seines Kindes . Ella wäre keine Gattin und keine Mutter gewesen , wenn sie sich auch da noch von ihm abgewendet hätte , als er ihr den Knaben unversehrt in die Arme legte . Der Augenblick sühnte Alles , und Sie wissen ja so gut wie ich , daß die Rettung des Kleinen dem Vater beinahe das Leben gekostet hat . “ „ Nun ja , er konnte gar nichts Gescheidteres thun , als nach der Geschichte todkrank zu werden , “ grollte Erlau , der durchaus nicht in sehr versöhnlicher Stimmung zu sein schien . „ Das war genug , um Eleonore sofort an seine Seite zu rufen