junge Paar den Rückweg an . Der Graf war im Pfarrhause zurückgeblieben . Der alte Pfarrer aber hatte es sich nicht nehmen lassen , seine Gäste zu begleiten , so weit seine schwachen Kräfte es noch zuließen . Am Crucifix angelangt , von wo aus Bruno einst den verhängnißvollen Gang nach der Wallfahrtskirche angetreten hatte , blieb dieser jetzt stehen und reichte dem Geistlichen Abschied nehmend die Hand . „ Leben Sie wohl , Hochwürden ! Ich habe Lucien versprochen , daß sie im Herbste die Ihrigen wiedersehen soll . Auf Wiedersehen also auch uns Beiden ! “ Der Greis lächelte traurig . „ Wir werden uns schon auf längere Zeit Lebewohl sagen müssen ! Im Herbste werden Sie mich wohl dort drüben finden . “ Er wies nach dem kleinen Friedhofe des Dorfes hinüber . „ Ich habe wenig mehr zu schaffen auf der Welt und bin nur eine unnütze Last noch , aber es freut mich doch , daß ich vor meinem Tode noch ein volles , warmes Menschenglück gesehen habe ! Sie haben sich losgerissen von unserem Stifte , von unserer heiligen Kirche sogar , und ich sollte Sie wohl auch verdammen deshalb , aber es muß ja ein Jeder selbst am besten wissen , wie er mit sich und seinem Gott fertig wird . Ich habe von jeher herzlich gern mit meinen Mitbrüdern gesegnet , mit ihnen fluchen habe ich nie gekonnt , und wenn ich Ihr junges Weib ansehe , kann ich ’ s vollends nicht , also – der Herr segne Euch Beide ! “ Er drückte Bruno noch einmal herzlich die Hand und küßte die junge Frau auf die Stirn . Bruno ’ s Auge schimmerte feucht , als er das letzte Lebewohl zurückwinkte nach dem Kreuze , an dem die verfallene , schon halb gebrochene Gestalt des alten Pfarrers lehnte – auch er wußte , daß er zum letzten Male in diese freundlich milden Augen geblickt hatte . Durch den blauen Morgennebel dämmerten jetzt allmählich die hohen Schneegebirge , noch umwoben von dem rosigen duftigen Hauch der ersten Frühe , während das einsame Dörfchen bald ihren Blicken entschwand . Der helle klare Sonnentag , den jener Morgenduft verhieß , stieg jetzt glänzend herauf über dem Gebirge , während der Wagen des jungen Paares dahinrollte , vorüber an den thaufrischen Matten , an den dunklen Tannenwäldern und den mächtigen Felsgruppen , immer an dem brausenden Bergstrom entlang , der sie hinableitete bis in die Ebene . Als sie diese wieder erreichten und , ohne Dobra nochmals zu berühren , die Richtung nach E. einschlugen , begann der Morgen schon den heißeren Strahlen des Tages zu weichen . Langsam fuhr der Wagen die Waldhöhe hinauf , von der aus Lucie zum ersten Male das Thal gesehen . Wie damals lag es im hellen Sonnenstrahl zu ihren Füßen , mit seinen Flecken und Dörfern , seinen Bergen und Wäldern , mit dem rauschenden Strom in der Mitte und dem blauen Gebirge in der Ferne . Aus seinem Tannendunkel ragte Schloß Rhaneck empor , und ihm gegenüber lag die Benedictiner-Abtei da , in ihrer ganzen stolzen Pracht . Wieder leuchteten die weißen Thürme und glänzten die langen Fensterreihen des mächtigen Gebäudes , dessen Mauern wie für die Ewigkeit gegründet schienen , aber Einen wenigstens hatten sie frei geben müssen , und wo erst Einer die Kette bricht , da ist sie auch gebrochen für Jeden , der ein festes Wollen einzusetzen hat . Bruno blickte hinüber nach jenen Mauern und dann hinauf zu den Lerchen , die liederfröhlich über seinem Haupte schwebten , er wußte ja jetzt auch wie sie , was Freiheit hieß . An dem Orte , der ihn einst schied von Leben und Glück , am Altare hatte er gestern die Hand seiner Braut empfangen und eilte jetzt der neuen Zukunft entgegen , sein junges Weib neben sich , vor sich die blaue duftige Ferne und über sich die schmetternden Lerchen , deren Lied hoch oben verklang im blauen sonnigen Aether . *