und brachte seinen geöffneten Mund an ihre blassen Lippen . Hastig wandte sie das Gesicht . » Mein Liebling « , hörte Klaudine sie flüstern , » Mama darf dich ja nicht küssen , Mama ist krank . « Das erregte Mädchen vermochte kaum mit Fassung die durchsichtige Hand zu küssen und ruhig hinauszugehen . Sie sank in ihrem Zimmer auf einen Sessel und barg die weinenden Augen in den Händen . Verwundert schaute das Kammermädchen sie an . Das sollte eine Braut sein ? Eine reiche , glückliche Braut , die da so blaß und finster saß ? Die Zofe bückte sich und nahm ein Kästchen auf , das eben achtlos von dem Schoß ihrer Dame geglitten , es war beim Fallen aufgesprungen und den überraschten Augen der Dienerin sprühte es buntfarbig entgegen , ein wunderbares Halsband aus Brillanten . Klaudine beachtete es nicht , sie fühlte nur eines , sie würde die Verstellung , welche nun beginnen sollte , nicht ertragen . Gedankenlos kleidete sie sich endlich um . Da das Kleid von gestern verdorben war , war sie genötigt , ein schwarzes Spitzenkleid anzulegen , welches sie mit ein paar Rosen aufputzen wollte . Diese aber , farblos wie ihr Gesicht , machten das dunkle Kleid nicht freundlicher , ebensowenig wie die weiße Armbinde , welche sich grell von dem Schwarz des Anzugs abhob . So ging sie am Arme Lothars in die Gemächer der alten Herzogin , wo beide dann be einem Frühstück , zu dem das Brautpaar von Seiner Hoheit befohlen wurde , die Glückwünsche des kleinen Hofstaates entgegennahmen . Am frühen Nachmittag fuhr Lothar mit ihr in seinem Wagen nach Neuhaus . Die ganze Dienerschaft des Gutes war auf der Freitreppe versammelt und rief dem jungen Paar ein schallendes Hurra ! entgegen . Beate stand mit ausgebreiteten Armen , in der rechten Hand einen Rosenstrauß , auf der Schwelle , neben ihr die alte Dörte , welche die Kleine im weißen Kleidchen auf ihren Armen tanzen ließ . Über Beates großes , lachendes Gesicht liefen die hellen Freudentränen . » Dina , Herzenskind « , rief sie , das Mädchen an sich ziehend , » wer hätte das gedacht ! « Und sie riß das Kind von dem Arm seiner Wärterin : » Da hast du eine Mutter , du Wurm ! Und was für eine ! « jubelte sie . Lothar wehrte der allzu lauten Freude mit einem Blick auf die stumme Klaudine . » Sie kann Leonie ja nicht halten , Beate « , sagte er und gab das Kind der Wärterin zurück , um gleich darauf seine Braut in das nächste Zimmer zu führen . » Du quälst mir Klaudine heute nicht mit Fragen , sorgst jetzt für eine Erfrischung , Schwesterchen , und dann machst du mit uns eine Spazierfahrt nach Brötterode . « » Aber , Lothar , da ist ja heute großes Konzert vor dem Kurhause . « » Gerade deshalb , liebe Beate ! « Die Schwester ging kopfschüttelnd , ihre Befehle zu geben , und während sie sich rasch fertig machte , murmelte sie , ganz gegen ihre Gewohnheit , vor sich hin : » Ich denke , Brautleute sitzen immer am liebsten in einer einsamen Laube , und die , welche sonst von Natur nicht zu solchem Trara neigen , fahren am ersten Verlobungstage mittenhin unter die Lästermäuler ! « Sie begriff überhaupt heute noch nicht alles , ihr war noch von der geräuschvollen Abreise der durchlauchtigsten Damen ganz wirbelig zu Sinne , sie hatte auch in der vergangenen Nacht kein Auge zugetan . Als gestern abend spät Lothar mit der Prinzessin allein angefahren kam , stand ihr vor Schreck das Herz einen Augenblick still . Ihre Blicke hatten zwar nur flüchtig des Bruders Gesicht gestreift , aber sie hatte es doch gewußt , der ist Bräutigam ! Es lag so ein eigener Glanz darauf . Und die Prinzessin lief so eilends die Stufen empor . » Die berichtet der Frau Mama jetzt ihr Glück « , hatte sie sich gedacht . – Und da rief Lothar sie in sein Zimmer , und als sie hereinkam , lehnte er an seinem Gewehrschrank . » Schwester Beate « , sagte er , » ich habe mich verlobt . « Sie hatte ihm die Hand gedrückt und ihn herzlich auf den Mund geküßt . » Ich gratuliere dir , Lothar . « » Und du freust dich gar nicht , Beate ? « » Lothar « , hatte sie gesagt , » man denkt immer , wenn ein Bruder heiratet , man müsse eine Schwester bekommen , aber – « und sie hatte gutmütig gelächelt , » du kannst dir doch unmöglich deine Beate neben der Prinzessin als Schwester vorstellen ? Wir würden nebeneinander sein wie so ein gutes , braves Haushuhn und ein Goldfasan , gelt ? Aber das ist Nebensache , wenn du nur glücklich wirst . « » Ich habe die Absicht , es zu werden . Und wenn auch ein Schwan nicht besser passen mag zum Haushuhn als ein Goldfasan , so hoffe ich doch , daß sich diese beiden , ins Menschliche übertragen , ganz leidlich füreinander schicken werden . Ich habe mich nämlich mit Klaudine verlobt , du kluge Schwester . « Mit Klaudine ! Nun , da ließ sich ihrer Klugheit doch wahrlich nicht spotten , wenn man es so heimlich anfing ! » Gott sei gedankt ! « hatte sie gesagt , als sie sich von dieser Überraschung allmählich erholte . » Da setze dich hin und erzähle ! « Er hatte auch erzählt , alles mögliche – von der Operation und der Gefahr der Kranken , von Klaudines Mut und Opferwilligkeit – alles , nur nicht das , was sie hören wollte . Und sie hatte nicht weiter geforscht . Nun holte sie ihren allermodernsten Hut hervor , und dachte , indem sie ihn aufsetzte , an die Abreise heute früh und an die schreckliche Szene in der