alle in die Kirche – den großen Christbaum am Altar , den müssen wir sehen . Unterdes baut Vater auf und Tante hilft ihm . Karoline war auf einmal Diplomatin geworden . Jetzt oder nie ! dachte sie . Und im Umsehen war sie fertig mit ihrer Schar und zog zur Hausthür hinaus , nachdem sie über die „ ollen Karpen “ , die noch lustig im Faß plätscherten , ein Brett gedeckt hatte . „ Und achten Sie aufs Feuer , David , “ sagte sie zu dem alten Knecht , „ und wenn der Herr uns sucht – wir sind man bloß ein bißchen in die Schloßkirche gegangen . “ Unter dem Geläut der Glocken stiegen sie den Schloßberg hinan und traten in das Gotteshaus , in dem es heute so feierlich war wie nie . Die großen Kronleuchter brannten und die Jungen aus der Realschule sangen „ 0 du fröhliche , o du selige , gnadenbringende Weihnachtszeit ! “ Es hatten sich viele Leute dort versammelt , nur Tante Hedes Platz im Nachbargestühl , der dem Herrn Schloßhauptmann zugehörte , just unter der herzoglichen Empore , war leer . Karoline verwandte kein Auge von dem kleinen Thürchen , das in dieses Betstübchen führte , aber es blieb geschlossen , kein Fräulein von Kerkow kam über die Schwelle , und auch der Herr Schloßhauptmann fehlte . Der Prediger trat auf die Kanzel , und die drei Blondköpfe vor Karoline lauschten mit großen gläubigen Kinderaugen , und [ 279 ] das arme Dienstmädchen hinter ihnen hatte unter ihrem großen Tuchmantel die Arbeitshände gefaltet und hielt einen Gottesdienst für sich . Sie betete : „ Lieber Gott , ich will ja nichts für mich , ich bin ja soweit zufrieden , aber mach ’ s doch richtig mit denen da drunten . Gut sind sie sich , das ist sicher , und der Mann wird ja noch ganz quatsch so allein in dem ollen großen Hause , von die Kinder gar nich zu reden , die verwildern ganz und gar . Ich kann doch nich ewig da bleiben , denn Fritze hat nun die Wildhüterstelle und will doch auch ’ ne warme Suppe haben abends , wenn er nach Hause kommt , und Ostern will er nu mal partuh heiraten . Wenn er aber nich heiratet , denn wird ’ s nichts , ich kann ihn doch nich sitzen lassen mit ’ n neues Mädchen , die nich aus und nich ein weiß , und Agnes ist doch ma in der Wirtschaft ’ ne richtige Null ! Mach ’ s richtig , lieber Gott , schenk ’ dem Mann die Frau und den Kindern die Mutter zum heiligen Christ ! Amen ! Der Prediger sprach endlich auch sein „ Amen ! “ Jubelnd erscholl der alte Weihnachtsgesang „ Lobt Gott , ihr Christen , allzugleich “ , durch die Kirche , und Karoline nahm Mariechen bei der Hand , die Großen gingen voran , so schoben sie sich durch die Menge aus dem Portal auf den Schloßhof hinaus . Gottlob , das Betstübchen war leer geblieben ! „ Der Vater ist in seiner Stube , “ rief Agnes , „ siehst du , Karoline , der hat ’ s Weihnachten vergessen ! “ „ Wart ’ doch ab , du , “ brummte das Mädchen , „ und lauf ’ ’ mal nicht so ! Herr Jesses , du wirst noch fallen , bei die Glätte ! Aber sie selber hatte eine Art Geschwindmarsch eingeschlagen , und jetzt lief sie förmlich um die Wette mit den Kindern dem Hause zu . „ Willst du wohl , dummer Bengel ! Wir gehen über den Hof , “ rief sie , und so kamen sie wieder durch die Hinterthür , der alte Knecht saß am Küchenherd und schlief . „ ’ n abend ! “ schrie Karoline ihm in die Ohren , „ hat der Herr nicht gerufen ? „ Nee , ich hab ’ nichts gehört . “ „ Ist er fortgegangen ? “ „ Is mich nich bewußt . “ „ Weil du slapen hast , oller Dooskopp “ , erklärte Karoline , „ dat Füer is och nt . Nu seid ihr ganz still , wandte sie sich an die Kinder , „ ich denk ’ mir , der Vater is schon in der guten Stube beim Christkind – ich will ’ mal nachsehen . “ Und damit ging dies drollige , gute , dummdreiste Menschenkind in die Schlafstube des Oberförsters , hob den Vorhang vor dem Thürfenster und lugte in ihres Herrn Zimmer . Sie hätte beinahe einen Juchzer ausgestoßen , aber sie besann sich noch , biß sich auf den Finger und focht mit den Armen wie toll in der Luft herum , vor Wonne über das , was sie sah . Dann schlüpfte sie leise davon – „ Gott sei Lob und Dank ! “ „ Kinders , “ sagte sie mit verschmitztem Lachen , „ ihr müßt heut ’ noch warten , Vater hat noch keine Zeit , aber dafür kriegt ihr auch ganz was Apartes zum Heiligen Christ . Die Kinder machten erwartungsvolle Gesichter und fügten sich , vorläufig interessierte sie die Zubereitung der Karpfen . Aber das Wasser brodelte längst auf dem Herde und noch immer war eine Totenstille im Hause . Da riß Karoline die Geduld . „ Nu kommt , Kinders – was zu doll is , is zu doll ! Es soll doch einer über so ’ n bißchen Liebesglück nich seine leibhaftigen Würmer am heiligen Weihnachtsabend vergessen ! “ Und umringt von ihnen , schritt sie zur Thür der Stube des Herrn Oberförsters und klopfte mit hartem Finger , und Hermann donnerte mit den Fünften dagegen . „ Vater ! Vater ! “ schrieen die Mädchen , „ es ist beinah ’ Acht ! “ „ Herein ! “ scholl es , und da stürmten sie hinein , und mit Ausnahme von Karoline , die ja nicht mehr überrascht