gelitten , und kann überhaupt mit der glänzenden Schöpfung desselben Meisters im Konzertsaale nicht verglichen werden . In der Mitte des Zimmers steht auf vergoldeten Rokokofüßen und etwa von der Größe moderner Damenschreibtische der Arbeitstisch des Prinzen . Seine Schreibplatte liegt schräg und kann aufgeklappt werden . Sie war ehedem mit rotem Samt überzogen , hat aber nicht nur die Farbe , sondern auch den ganzen Samtstoff längst verloren . Der Samt wird bekanntlich auf eine Ünterschicht von festem Zeug aufgetragen . Diese Unterschicht war 1853 , als ich Rheinsberg zum ersten Male besuchte , noch ziemlich intakt vorhanden . Seitdem aber haben sich die Dinge sehr zum Schlimmeren verändert . Nicht die Hälfte mehr existiert von diesem Unterzeug , und man kann deutlich sehen , wie die Federmesser , je nach der Charakteranlage der Besucher , mal größere , mal kleinere Karos herausgeschnitten haben . Ich liebe nicht die Kastellane , die einen durch ihren Diensteifer um die Möglichkeit eines ruhigen Genusses bringen , aber ebensowenig mag ich jenen das Wort reden , die voll mißverstandener Nachsicht ein Auge da zudrücken , wo sie es aufmachen sollten . Wir nehmen zögernd Abschied von diesem interessanten Zimmer , um uns nun den Zimmern des Prinzen Heinrich zuzuwenden . Sie liegen im ersten Stock des Korps des Logis und bilden eine ununterbrochene Reihenfolge . Den Anfang machen die sogenannten Prinz-Ferdinands-Zimmer , d.h. diejenigen , die Prinz Ferdinand zu bewohnen pflegte , wenn er bei seinem älteren Bruder , dem Prinzen Heinrich , zum Besuche war . Vielleicht auch residierte der erstgenannte Prinz in der Zeit von 1802 bis 1813 wenigstens zeitweilig hier und bewohnte dann diese Räume . Hinter diesen sogenannten Prinz-Ferdinands-Zimmern folgt der Konzertsaal ( nicht zu verwechseln mit dem Kronprinzlichen im linken Flügel ) , alsdann der sehr gut erhaltene Muschelsaal und endlich das Bibliothekzimmer . Neben diesem befindet sich das Schlaf- und Sterbezimmer des Prinzen Heinrich . Es ist ein großes , ziemlich dunkles Gemach , durch ein paar Säulen in zwei Hälften geteilt . In der dunkleren Hälfte , halb durch die Säulen verdeckt , steht das Sterbebett , ein stattlicher , mit schweren Seidenvorhängen reich ausgestatteter Bau . Derartige Staatsbetten , namentlich wenn alt geworden , machen in der Regel einen ängstlichen Eindruck und erfüllen uns mit Dank , nicht in ihnen schlafen zu müssen . Anders hier , weil sich nichts von Verschlossenheit zeigt , vielmehr alles frisch und farbig und voll beweglich lebensvoller Falten . – Um dieses Schlaf- und Sterbezimmer her gruppieren sich einige kleinere , die nur durch ihre Schildereien interessieren , meist Bilder in chinesischer Tusche von der Hand des Prinzen Heinrich selbst . Im großen und ganzen aber herrscht Mangel an guten Bildern , und nur einige wenige hat man dieser Stelle gelassen . Unter diesen sind zwei Bildnisse des jungen Grafen Bogislaw von Tauenzien und ein Porträt der ersten Königin Sophie Charlotte bei weitem die besten . Auch die Zimmer im Erdgeschoß sind nicht ohne Interesse . Bilder , Büsten , Ausschmückungsgegenstände , die sich teils noch aus der Zeit des Prinzen Heinrich her in diesen Zimmern befinden oder aber verschönerungshalber seitdem ihren Weg aus dem oberen Stock ins untere genommen haben , fesseln hier den Beschauer . In einem dieser Räume befinden sich beispielsweise die Büsten des Marquis de la Roche-Aymon und seiner Gemahlin , daneben eine Büste des französischen Schauspielers Blainville . Der Marquis , auf den ich in einem späteren Kapitel zurückkomme , war nach Tauenziens Abgang Adjutant des Prinzen und nebenher eine Art General en Chef des prinzlichen Heeres , d.h. jener im Solde des Prinzen stehenden Leibhusarenschwadron , die in Rheinsberg ihre Garnison und im Schlosse den Dienst hatte . Der Schauspieler Blainville , ein besonderer Liebling des Prinzen , gab sich selbst den Tod , als es der Kabale seiner Genossen gelungen war , ihm momentan die Gunst seines Herrn zu entziehen . Der Prinz soll diesen Verlust nie verwunden haben . Ein größerer Saal neben jenem büstengeschmückten Zimmer macht den Eindruck einer gewissen Wohnlichkeit , vielleicht weil er ein paar Spezialitäten enthält , die uns , wie ein Vogelbauer oder ein Tisch voll Nippsachen , die wohltuende Nähe von Menschen auch dann noch empfinden lassen , wenn diese lange vom Schauplatze abgetreten sind . Zu diesen Spezialitäten zähle ich hier ein würfelförmiges Postament von dem Umfang eines großen Tabakskastens , das auf einem halb versteckten Ecktisch steht . Dieser Kasten muß bei bestimmter Gelegenheit als Untersatz für eine kostbare Blume gedient haben und von dem einen oder anderen seiner Verehrer dem Prinzen überreicht worden sein . Noch jetzt umschließt der Kasten einen Blumentopf , aber die Blumen selbst sind von Papier . Alle vier Wände des Kastens enthalten reizende Aquarellbildchen , zwei davon Schlachtenbilder en miniature , von denen das eine die Inschrift trägt : » Condé aux lignes de Fribourg « , das andere : » Henri à la bataille de Prague « . Die Verbindlichkeit ist sehr fein und die Parallele gut gezogen . » Condé aux lignes de Fribourg « ist vielleicht eine Kopie , wenigstens entsinne ich mich dunkel , im Louvre oder in den Sälen von Versailles etwas Verwandtes gesehen zu haben . Auf dem Frontbilde : » Henri à la bataille de Prague « erhebt der Prinz 55 eben den Degen , und den Kopf nach rechts hin zurückgewandt , um durch Wort und Blick die Nachfolgenden anzufeuern , führt er eine Grenadierkompanie zum Sturm . 4 4 Prinz Heinrich . Der Rheinsberger Park . Herr von Reitzenstein und der verschluckte Diamant . Der Freundschaftstempel . Das Theater im Grünen . Das Grabmal des Prinzen Außer den im vorigen Kapitel beschriebenen Zimmern des Kronprinzen und des Prinzen Heinrich enthält das Rheinsberger Schloß nichts , was der Erwähnung wert wäre . Wenn man wieder ins Freie tritt , um , über den Schloßhof hin , dem Park und dem See zuzuschreiten , so kann man die Frage nicht abwehren , wie kommt es , daß dieser kluge