entzwei . Wie ' s mir beliebt . Aber so ist das nicht . Jetzt nicht . Er ist der Meineidige . « Der Herzog ging zum Erker und stand umgossen von der rotgewordenen Sonne , die schon sinken wollte . Unter den dunklen Tüchern zwitscherte ein Vogel , in dessen verhangenen Käfig ein Strahlensplitter dieses glühenden Lichtes fiel . Höhnend schrie Herr Ludwig über die Schulter : » Guck nur , guck ! Will den heiligen Peter in seinen gierigen Sack stecken und Salzburg in den Hintern zwicken . Ist das nicht Friedensbruch ? Kommt er da nicht in mein Gehege ? Bin ich nicht Patron und Stifter von Berchtesgaden ? Bin ich nicht verpflichtet , dem heiligen Peter nach Kräften beizuspringen ? Und Salzburg ? Mit dem ich verbündet bin ? Nun , Gleslin ? Warum redest du jetzt nicht von deiner berühmten deutschen Treue ? Jetzt will ich einmal ein Deutscher sein . Ich will . Und da sollst mich du nicht hindern . Und keiner ! « » Ach , Herr « , klagte der Greis , » wie soll man aufkommen wider Euch ? Ihr schreiet . Und da muß man schweigen , weil man den Kräften Eurer Lunge nicht gewachsen ist . « » Gut ! Schweige ! Das Ding bedarf keines Rates mehr . Gestern hat der Landshuter mit diesem Zug wider Berchtesgaden das Wort gebrochen , das er dem König gab . Wer gegen den heiligen Peter schlägt , trifft mich . Da wehr ich mich meiner Haut . Das ist mein Recht . Und für die Spitzfindigen wahre ich auch den Schein . Zu deiner Beruhigung . Den Esel von Burghausen mein ' ich . Drum mache ich den Anfang mit seinem Helfer Zollern lind schlage morgen los auf den Brandenburger Sack . « Herr Ludwig schritt vom Erker hinüber zum Tisch . Gleslin ging hinter ihm her und sagte : » Herr ! Wollt Ihr schon , nicht Besinnung zeigen , so seid in dieser mörderischen Stunde doch wenigstens bis zu nützlichem Maße abergläubisch ! Laßt den Zollern in Ruhe ! Den allgewaltigen Günstling des Königs und solch ein Kind des Glückes greift man nicht an . « Dieses ruhige Wort schien den Herzog stutzig zu machen . Aber da kam sein Lachen , jenes starke und frohe Lachen , mit dem er auf der Stechbahn loszurennen pflegte , um den Gegner wie in heiterem Spiel auf den Sand zu werfen . » Günstling ? Das mag stimmen , Gleslin ! Ein Kurfürst von Königs Gnaden . Aber ein Glückskind ? Mit leeren Taschen ? Im Purpur , dem die Knöpfe fehlen ? Nein , Gleslin ! Das geliebteste Kind des Glückes ist der Starke . Nun soll es sich weisen , bei wem die Kraft ist . Schweige ! Kein Wort mehr ! Bei meiner Ungnad ! Ich will ' s. Und was ich will , das tu ich . « Lachend legte Herr Ludwig seine zerschnittene Hand auf die Schulter des alten Mannes . » Sorge dich nicht ! Ich spüre in mir das Glück und die Gunst der Stunde . Den Vorteil und die Gelegenheit wittern , das ist die Eigenschaft aller wahren Kinder des Glücks . Es wäre möglich , Gleslin , daß in dieser Stunde , die du mörderisch nanntest , eine neue Kaiserkrone geschmiedet wird . « Der Herzog guckte lachend in der Stube herum . » Wo ist der Gadnische Jungherr ? « Er ging zur Türe . Gleslin nahm den weißen Kopf zwischen die zitternden Hände . » Weh uns ! Weh über unser schönes Land ! Ihr Herren , ach , ihr Herren , ihr traget einen Kretzen voll Elend um ! Über wen wird man ihn ausschütten ? « » Über den Schwächeren . « Herr Ludwig rief in den Prunksaal hinaus : » Jungherr Someiner ? « Lampert kam . » Es tut mir leid , mein lieber Jungherr , aber ich kann deiner beschädigten Kehle keine ausreichende Erholung vergönnen . Vor dem Morgen wirst du reiten müssen . Dein müder Gaul kann leer laufen . Ich gebe dir ein gutes Roß , Geld , Kleider , Waffen , was du brauchst . Der Wunsch deines Fürsten , der mich um Beistand bittet , ist erfüllt . « Eine heiße Blutwelle schoß in Lamperts Gesicht . Doch gleich erblaßte er wieder , als hätte ihm eine Sekunde des Denkens die jähe Freude in Sorge verwandelt . » Ich gebe dir dreißig von meinen Besten mit « , sagte der Herzog , » da kannst du schnurgerade auf guter Straße reiten , gleichviel durch wessen Land . Zehn sollst du zum Bischof von Chiemsee schicken , zehn zu meinem treuen Kaspar Törring . Die beiden sollen ausrücken und die Laus , die dem heiligen Peter auf den Pelz gekrochen , von hinten fassen . Und du - « Der Herzog setzte sich an den Tisch , warf in Hast einige Zeilen auf ein Blatt , unterschrieb mit großen Zügen : » Loys « - und machte jenen wunderlichen französischen Schnörkel drunter , der das Gespött seiner deutschen Vettern war . » Du reite mit dem Geleit , das dir bleibt , nach Salzburg ! Hier ist mein Auftrag . Salzburg wird deinem Fürsten Beistand leisten . « Lampert neigte sich . Als er wieder aufrecht stand , haftete sein ernster Blick an den Augen des Herzogs . » Eure Hoheit erfüllen die Bitte meiner Heimat « , sagte er mit entfärbten Lippen , » und ich muß Euch danken . Das muß ich , Herr ! Ich danke . Aber - « » Was aber ? « fragte der Herzog verblüfft . Er machte ein paar Schritte , und die rotvioletten Lichtstreifen , die durch den Erker hereinfielen , lagen wie lange , gerade Blutbäche um ihn her , durchschnitten von seinem großen Schatten . » Herr - « Lampen kämpfte . » Eine schmerzende Sorge bedrückt mich - «